"Xiamen Dada" preisgekrönt

"Xiamen Dada" preisgekrönt

Er tritt zurückhaltender auf als sein prominenter Landsmann Ai Weiwei - und lässt lieber seine Arbeit für sich sprechen: Huang Yong Ping wurde am Dienstag (12.04.2016) mit dem Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln geehrt. Fünf Werke sind hier jetzt zu sehen.

Mémorandum, Bat Project I – III, 2004 (Ansicht der komplett ausgebreiteten Arbeit)

Zum 22. Mal verleiht die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig den Wolfgang-Hahn-Preis, benannt nach dem Kölner Sammler und früheren Chef-Restaurator des Museums. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den in China geborenen Künstler Huang Yong Ping. Traditionell kauft das Museum Ludwig ein Schlüsselwerk des Preisträgers an. Dieses Jahr ist es die Arbeit "Mémorandum: Bat Project I, II, III".

Autorin des Radiobeitrags ist Barbara Geschwinde.

Zum 22. Mal verleiht die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig den Wolfgang-Hahn-Preis, benannt nach dem Kölner Sammler und früheren Chef-Restaurator des Museums. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an den in China geborenen Künstler Huang Yong Ping. Traditionell kauft das Museum Ludwig ein Schlüsselwerk des Preisträgers an. Dieses Jahr ist es die Arbeit "Mémorandum: Bat Project I, II, III".

Autorin des Radiobeitrags ist Barbara Geschwinde.

Huang Yong Ping wurde 1954 in der südchinesischen Hafenstadt Xiamen geboren, lebt seit 1989 in Paris - und entzieht sich der Festlegung auf einen Kulturkreis. Er ließ sich von Dada und Marcel Duchamp beeinflussen und entwickelte seine eigene Bewegung "Xiamen Dada". Er gehörte zu einer Gruppe von Avantgardisten, die mit radikalen Aktionen auffielen. Sie verbrannten öffentlich ihre Werke auf einem "Scheiterhaufen" vor der städtischen Kunstgalerie. So geriet die Gruppe immer wieder in Schwierigkeiten mit den Behörden.

Die raumgreifende Arbeit "Mémorandum: Bat Project I-III" sieht in zusammengefaltetem Zustand aus wie eine einfache Box und zugleich wie ein hölzerner Grabstein mit einer Inschrift. Die Kiste besteht aus vielen verschiedenen Holz-Brettern, die mit Scharnieren zusammengefügt sind und wie ein Leporello ausgeklappt werden können.

1989 wurde Huang zu der bahnbrechenden Ausstellung "Magiciens de la Terre", also "Zauberer der Erde", ins Pariser Centre Pompidou eingeladen. Als das chinesische Militär dann in Peking das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens verübte, beschloss Huang, in Paris zu bleiben. "Ich habe selber keine Schwierigkeiten, in China ein- und auszureisen, und auch keine Schwierigkeiten, dort Ausstellungen zu machen", sagt er. "Als Künstler bin ich auch sehr zurückhaltend. Meine Arbeit ist gut überlegt und nicht sehr direkt.

Über "Mémorandum" sagt Huang, diese Arbeit habe zwei Seiten: "Eine Seite ist Kritik an chinesischer Politik. Und die andere Seite ist Kritik am Kapitalismus, zum Beispiel der USA."

"Bat Project I, II, III" rollt einen politischen Fall auf: 2001 rekonstruierte der Künstler Teile eines amerikanischen Spionage-Flugzeugs, auch Bat, also Fledermaus, genannt, das mit einem chinesischen Militärflugzeug kollidiert war. Da das abgestürzte Flugzeug auf chinesischem Grund lag und sensible Informationen enthielt, folgte ein diplomatischer Konflikt, der sich auch als Zusammenprall der Kulturen äußerte. „Mémorandum“ sollte damals in China gezeigt werden, aber die Arbeit wurde zensiert. "Diesen Prozess habe ich in Mémorandum dokumentiert, zusammengefasst und sortiert."

"Als Künstler kann man sich nicht von der Realität abkoppeln," sagt Huang. "Darum ist der Einfluss der Politik auch sehr wichtig. Gleichzeitig ist ein Künstler aber kein Politiker. Darum drücke ich als Künstler auf meine eigene Art und Weise meine Meinung zur Realität, zur Politik aus."

"Kiosk" aus dem Jahr 1994. Installation aus Metall, Beton, Zeitschriften und Zeitungen, die im Betonmischer behandelt wurden.

Huang Yong Ping tritt leise auf. Er ist ein zurückhaltender Mensch, der nicht im Rampenlicht steht, sondern seine Arbeiten für sich sprechen lässt. Sie thematisieren unbequeme Wahrheiten und hinterfragen vermeintlich feststehende Tatsachen. Damit unterscheidet sich Huang Yong Ping von seinem Landsmann Ai Weiwei, der immer wieder mit spektakulären Aktionen auffällt.

Insgesamt sind im Museum Ludwig bis Ende August fünf Arbeiten des Wolfgang-Hahn-Preisträgers 2016 zu sehen, aus den Jahren 1983 bis 2016. Darunter auch "Huit Chevaux de Léonard de Vinci déchirant un porte-avions" aus dem Jahr 2004.

Stand: 12.04.2016, 09:31 Uhr