Cumulus und Ikarus - Naturschauspiele in der niederländischen Malerei

Cumulus und Ikarus - Naturschauspiele in der niederländischen Malerei

"Heiter bis wolkig" heißt eine Ausstellung, die zur Zeit im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen ist. Die Schau zeigt Bilder holländischer Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts - wir haben uns gemeinsam mit einem Meterologen die Werke angeschaut und gefragt: Wie real ist das Kunst-Wetter?

Jacob van Ruisdael, Baumlandschaft mit Teich, um 1649, Eichenholz, Dauerleihgabe aus Privatsammlung, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud

"Fast fotografisch" sei das Bild "Baumlandschaft mit Teich" (um 1649) von Jacob van Ruisdael. "Es zeigt die Ruhe nach dem Sturm", sagt Meteorologe Franz Ossing vom Deutschen Geoforschungszentrum. Van Ruisdael habe ein abziehendes Gewitter gemalt: "Am Boden sieht man eine weiße Rauchfahne, die nach rechts, in Richtung des abziehenden Unwetters, herüber zieht, und im oberen Bildteil von der Abendsonne angeschienene Wolken."

"Fast fotografisch" sei das Bild "Baumlandschaft mit Teich" (um 1649) von Jacob van Ruisdael. "Es zeigt die Ruhe nach dem Sturm", sagt Meteorologe Franz Ossing vom Deutschen Geoforschungszentrum. Van Ruisdael habe ein abziehendes Gewitter gemalt: "Am Boden sieht man eine weiße Rauchfahne, die nach rechts, in Richtung des abziehenden Unwetters, herüber zieht, und im oberen Bildteil von der Abendsonne angeschienene Wolken."

Paul Brils Bild "Küstenlandschaft"(1596) zeigt einen dominierenden blau-grauen Hintergrund. "Hier sieht man das Phänomen des sich streuenden Lichts, das alle Farben der Landschaft in der Ferne übertüncht. So spielt es sich auch real ab", erklärt Franz Ossing. Die Farbgebung insgesamt - vorne Rot-Braun, in der Mitte Grün-Gelb und im Hintergrund Blau-Grau - sei typisch für einen Maler flämischer Prägung gewesen. Der Anspruch, die Wirklichkeit im Detail abzubilden, sei jedoch nicht vorrangig gewesen. Immerhin: "Cumulus-Wolken kann man auf dem Bild erkennen."

"Direkt unterhalb eines Gewitters" spielt sich die Szenerie auf dem Bild "Gewitter über Dordrecht" von Aelbert Cuyp (entstanden um 1645) ab. "Der Blitz ist nicht sehr real dargestellt", sagt Franz Ossing, "aber man sieht angedeutete Mammatus-Wolken, die sich häufig unter Gewitterwolken bilden". Das Bild sei insgesamt "sehr stilisiert" - mit "wie von einem Scheinwerfer beleuchteten, ruhig auf der Wiese sitzenden Kühen". "Bei solch einer gefährlichen Wetterlage" seien Tiere jedoch aufrecht vozufinden, bedingt durch den starken Wind, der mit einem Gewitter einher gehe.

Das Bild "Windstille" von Jan van de Cappelle (1650er Jahre) zeigt eher einen "Stimmungshimmel" als eine realistische Szenerie. "Man sieht eine trichterförmige dunkle Wolke und gleichzeitig Quellbewölkung. Diese beiden Phänomene sind aber nicht gleichzeitig am Himmel beobachtbar." Marinemalerei habe sich im Gegensatz zu Landschaftsmalerei ohnehin nicht immer durch Detailgenauigkeit ausgezeichnet, so Meteorologe Ossing.

Das Urteil fällt eindeutig aus: "Das ist keine Wetterlage", sagt der Meteorologe. Die "Landschaft mit dem Sturz des Ikarus" (1620-1630) von Marten Rijckaert sei rein ikonografisch aufgeladen - mit einer hell strahlenden Sonne, die die Flügel von Ikarus schmelzen lässt. Insgesamt sind in der Ausstellung "Heiter bis wolkig" bis Februar 2018 20 "Himmelsbilder" zu sehen. Am 8. Juni hält Franz Ossing im Rahmen der Schau einen Vortrag mit "Meteorologischen Anmerkungen zur Holländischen Landschaftsmalerei".

Stand: 04.06.2017, 06:00 Uhr