Heiko Tiemann fotografiert "Die im Dunkeln"

Heiko Tiemann fotografiert "Die im Dunkeln"

Von Andrej Klahn

Normalerweise lichten Fotografen gerne diejenigen ab, die im Scheinwerferlicht stehen. Anders der Düsseldorfer Fotograf Heiko Tiemann. "Die im Dunkeln" heißt seine Ausstellung, die das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr ab Freitag zeigt.

Junge hockt auf der Heizung. Heiko Tiemann, ohne Titel, 2014 aus der Serie "Zufügung"

Heiko Tiemann hat Jugendliche porträtiert, deren Weg in die Gesellschaft einem Hindernislauf gleicht. Bei diesem Jungen ist nicht klar, ob er sich am Vorhang festhalten oder lieber dahinter verstecken möchte. Sein Arm ist mit Schuppenflechte übersät, er schaut ernst, abwartend, misstrauisch. Das Foto stammt aus Tiemanns Serie "Infliction", was man mit "Zufügung" übersetzen könnte. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 2014, aus der Serie "Zufügung", Duisburg, 2012–2015)

Heiko Tiemann hat Jugendliche porträtiert, deren Weg in die Gesellschaft einem Hindernislauf gleicht. Bei diesem Jungen ist nicht klar, ob er sich am Vorhang festhalten oder lieber dahinter verstecken möchte. Sein Arm ist mit Schuppenflechte übersät, er schaut ernst, abwartend, misstrauisch. Das Foto stammt aus Tiemanns Serie "Infliction", was man mit "Zufügung" übersetzen könnte. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 2014, aus der Serie "Zufügung", Duisburg, 2012–2015)

Aus der gleichen Serie stammt auch das Foto des Mädchens, das in einem lila Blüten-Meer auf einer Wiese liegt. In Tiemanns Aufnahmen wirken die Jungen und Mädchen auf ganz unterschiedliche Weise verletzlich, unsicher, scheu - und doch mit dem Fotografen vertraut. Das sind sie auch, denn bevor es überhaupt zu einer Aufnahme kommt, lernen sich Fotograf und Protagonist kennen, oft über mehrere Monate. (Heiko Tiemann, Tiefer Schlaf, 2016, aus der Serie "Zufügung", Duisburg, 2012–2015)

Wie zeigt Tiemann sein Gegenüber? Als Benachteiligte oder Musterexemplare gesellschaftlicher Randständigkeit? Sozialdokumentatorischen Voyeurismus will der Fotograf vermeiden. Seine Grundmotivation ist, dass die Kinder und Jugendlichen von sich selbst Zeugnis ablegen und eine Spur hinterlassen in dieser Gesellschaft. Sie kämen teilweise aus schwierigen Verhältnissen, berichtet er: "Mit welcher Power die dagegen angehen beziehungsweise damit arbeiten, ist schon bemerkenswert." (Heiko Tiemann, Glass, 2014, aus der Serie "Zufügung", Duisburg, 2012–2015)

Die Serie "Zufügung" steht im Mittelpunkt der Ausstellung "Die im Dunkeln" im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr. Sein Handwerk gelernt hat der 1968 in Bad Oeynhausen geborene, in Düsseldorf lebende Fotograf an der Folkwang Hochschule in Essen und in London. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 2014, aus der Serie "Zufügung" Duisburg, 2012–2015)

Die Ausstellung handelt nicht nur von Jugendlichen, sondern generell von Menschen, die sich nicht im Zentrum der Geschäftigkeit aufhalten, dazu gehören auch Sterbende. Dieses Bild hat Heiko Tiemann in einem Hospiz in Recklinghausen aufgenommen. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 1995, aus der Serie "Innenleben")

Er hat sich die Perspektive der Bewohner zu eigen gemacht und das fotografiert, was sie vom Bett aus sehen. So auch diese leere Glasschale. Der im Alter kleiner werdende Lebensradius wird in Bilder übersetzt. "Es war schon eine Verflüchtigung spürbar in diesen Räumen, es verflüchtigt sich ein menschlicher Faktor", so der Fotograf. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 1995, aus der Serie "Innenleben")

Die Ausstellung "Die im Dunkeln" ist ab Freitag (10.02.2017) bis zum 7. Mai 2017 im Grafikraum des Kunstmuseums Mülheim an der Ruhr zu sehen. (Heiko Tiemann, ohne Titel, 1996, aus der Serie "Identität")

Stand: 08.02.2017, 16:40 Uhr