Flirrende Vernetzungskunst: Heike Weber Retrospektive

Flirrende Vernetzungskunst: Heike Weber Retrospektive

Mit ihren raumgreifenden, den Raum neu strukturierenden Linien unterwandert Heike Weber gängige Wahrnehmungsmuster. Im Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach gibt es nun einen Überblick über ihr irritierendes Werk.

Heike Weber, Salonstück (1998)

Vor rund 20 Jahren gaben die mit rotem Textmarker auf PVC aufgetragenen Linien ihres "Salonstücks 6" (Foto) den "Grünen Salon" der Villa Zanders eine neue, wellige Struktur - und Heike Webers eigener Arbeit eine entscheidende Richtung. Jetzt kehrt Weber als international anerkannte Künstlerin mit einer Retrospektive in das Museum nach Bergisch Gladbach zurück.

Vor rund 20 Jahren gaben die mit rotem Textmarker auf PVC aufgetragenen Linien ihres "Salonstücks 6" (Foto) den "Grünen Salon" der Villa Zanders eine neue, wellige Struktur - und Heike Webers eigener Arbeit eine entscheidende Richtung. Jetzt kehrt Weber als international anerkannte Künstlerin mit einer Retrospektive in das Museum nach Bergisch Gladbach zurück.

Versammelt sind Objekte, Holzschnitte und Skulpturen aus 23 Jahren, die die ganze Bandbreite des Werkes der 1962 in Siegen geborenen Künstlerin widerspiegeln. Das zentrale Motiv für Webers Schaffen, gängige Wahrnehmungsmuster auf den Kopf zu stellen, bleibt dabei immer gleich. Wie bei diesen beiden "Netzzeichnungen" von 1996, die in Bergisch Gladbach zu sehen sind.

Im Zentrum von "Heike Weber - 23" steht diese Bodenarbeit, die Weber speziell für die Villa Zanders angefertigt hat. Wie schon vor 20 Jahren, so verwandeln deren seismographische, sich überlagernde Linien auch diesmal den Boden in ein verunsicherndes Geflecht, das man nicht so recht betreten will.

Webers Karriere begann 1993 mit einer Ausstellung im Kölnischen Kunstverein. Dort waren Styropor-Kuben ausgestellt, die jetzt in der Villa Zanders erstmals wieder zu sehen sind. Das Moment der Irritationvon Sehgewohnheiten ist schon hier zentral: Aus der Ferne kostbar schimmernd, offenbaren die Objekte erst aus der Nähe ihren profanem Charakter. Und sind doch schön.

Dabei verweist der Ausstellungstitel "23" nicht nur auf die Zeitspanne, die zwischen den ältesten Styroporkuben und der jüngsten Bodenarbeit der Ausstellung vergangen ist. Er nimmt auch Bezug auf eine 1967 erstveröffentlichte Kurzgeschichte von William S. Burroughs, die die 23 zu einer mystischen Zahl der Popkultur machte – ein Vorbild, auf das Weber sich in ihrem Werk ebenfalls bezieht (hier: "fortuna", 2015).

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist die jüngste Werkgruppe großformatiger Scherenschnitte aus schwarzem Fotokarton. Wie bei "Scrub" (2013), überlagern sich hier Pflanzenformen in zwei Lagen auf eine Art und Weise, die den zweidimensionalen Bildern dank interner Schattenwürfe eine fast schon skulpturale Qualität verleiht.

"Heike Weber – 23" ist noch bis zum 29. Mai 2016 im Kunstmuseum Villa Zanders in Bergisch Gladbach zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop erhältlich ist (im Bild: "Netz", 1996).

Stand: 01.03.2016, 08:41 Uhr