Raum für eigene Geschichten: Dominique Gonzalez-Foerster in Düsseldorf

Raum für eigene Geschichten: Dominique Gonzalez-Foerster in Düsseldorf

Dominique Gonzalez-Foerster gilt als eine der wichtigsten französischen Künstlerinnen der Gegenwart. Jetzt sind rund 30 ihrer raumgreifenden, assoziationsreichen Installationen in der Kunstsammlung NRW zu sehen. Als Stimulanz für eigene Geschichten.

Dominique Gonzalez-Foerster, Euqinimod & costumes, Installation, 2014

"Dominique Gonzalez-Foerster möchte mit minimalen Mitteln möglichst viele Assoziationen schaffen, die sich aber nicht klar definieren lassen", sagt Kurator Julian Heynen, der sich mit der Ausstellung in den Ruhestand verabschiedet. Der Titel "1887 – 2058" ist dabei Programm. Denn die von Gonzalez-Foerster eröffneten Assoziationsräume wollen die Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart bis zur Zukunft schlagen.

"Dominique Gonzalez-Foerster möchte mit minimalen Mitteln möglichst viele Assoziationen schaffen, die sich aber nicht klar definieren lassen", sagt Kurator Julian Heynen, der sich mit der Ausstellung in den Ruhestand verabschiedet. Der Titel "1887 – 2058" ist dabei Programm. Denn die von Gonzalez-Foerster eröffneten Assoziationsräume wollen die Brücke von der Vergangenheit über die Gegenwart bis zur Zukunft schlagen.

In Kooperation mit dem Pariser Centre Pompidou sind in der Kunstsammlung NRW rund 30 Installationen von Gonzalez-Foerster versammelt, die teils direkt auf ihr Umfeld reagieren. In einem Raum mit rosafarbenen Wänden, der an die Fassade von Schloss Benrath erinnert, hängt Paul Klees "Schwarzer Fürst" (1927) aus den Museumsbeständen. Es spielt eine wichtige Rolle in einer Geschichte eines befreundeten Literaten, in dessen Texten wiederum Gonzalez-Foerster hin und wieder auftaucht.

Besonders deutlich wird der Bezug zu Düsseldorf, wo Gonzalez-Foerster Mitte der 1980er Jahre kurzzeitig an der Kunstakademie studierte, in der Grabbehalle: Hier hat die Künstlerin Exponate aus der Umgebung des Museums, etwa von Katharina Fritsch oder Alexander Calder, aus dem öffentlichen Raum vermeintlich "in Sicherheit gebracht". Tatsächlich handelt es sich um Nachbildungen, die um ein Drittel vergrößert sind.

Jahrelanger Regen habe die Skulpturen aufgeschwemmt, imaginiert Gonzalez-Foerster: "Um dieses Wachstum zu stoppen, hat man beschlossen, sie im Innenraum zusammen mit zahlreichen Stockbetten aufzustellen, in denen Menschen vor dem Regen Zuflucht suchen." Das Museum wird zum Zufluchtsort für die Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts. Und für "Flüchtlinge" von draußen.

Auf den Etagenbetten liegen Bücher – so wie die assoziativen Reisen von Gonzalez-Foerster oftmals in der eigenen Lektüre ihren Ausgang nehmen. So ist es auch im Raum-Bild "Splendide Hotel", das von zahlreichen Schaukelstühlen dominiert wird. Der Titel zitiert ein Gedicht Arthur Rimbauds, in dem ein Hotel seine Bewohner vor der unwirtlich gewordenen Welt draußen rettet: ein Verweis auf den instabilen Zustand der Wiege der Moderne.

In der 2009 erstmals realisierten Installation "Chronoptes & Dioramas" greift die Künstlerin auf alte Präsentationsformen aus Völkerkundemuseen zurück. In ihrem Diorama entsteht hinter der Glasscheibe die Illusion einer unendlichen Wüstenlandschaft, in die sich der Betrachter verlieren kann. Und soll: Wie alle Arbeiten, so will auch dieses Diorama laut Gonzalez-Foerster keine Geschichte erzählen, sondern "eine Stimulanz" sein.

Besonders minimalistisch ist diese Stimulanz in der Installation "R.W.F. (room)" (1993) ausgefallen, die ein Foto des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder mit allerlei braunen Möbelstücken unter einer kalten Neonlichtbeleuchtung kombiniert. Ein Hotelzimmer? Eine Disko? Eine Filmkulisse? Oder vielleicht ein Nachbau von Fassbinders Schlafzimmer, das so ähnlich ausgesehen haben soll?

Bisweilen ist der imaginierte Raum sehr persönlich – etwa dort, wo Gonzalez-Foerster Kunstwerke ihrer Mutter mit einbezieht, oder sich in verschiedenen Rollen selbst inszeniert. Von ihrem Auftritt als verruchte Sängerin Lola Montez in einem Berliner Zirkus ist ein Film zu sehen. Ein Hologramm präsentiert sie als Klaus Kinski in seiner Rolle als "Fitzcarraldo".

"1887 – 2058" von Dominique Gonzalez-Foerster ist noch bis zum 7. August 2016 in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der auch Essays zu verschiedenen Aspekten des Werks enthält – leider nur in englischer Sprache.

Stand: 25.04.2016, 14:00 Uhr