Gerhard Richters Editionen im Museum Folkwang

Gerhard Richters Editionen im Museum Folkwang

Von Simone Maurer

Vor Kurzem feierte Gerhard Richter seinen 85. Geburtstag, nun wird er in Essen mit einer großen Ausstellung geehrt: Das Museum Folkwang zeigt ab Freitag sämtliche Editionen des Künstlers. Darunter auch selten gezeigte Werke.

Gerhard Richter "Fuji", 1996

"Die Ausstellung ist auch eine Art Retrospektive", sagt Kurator Hans-Jürgen Lechtreck. Denn in Richters Auflagenkunst fänden sich alle wichtigen Stationen der Entwicklung des Künstlers, der weltweit zu den bedeutendsten und teuersten zählt.

"Die Ausstellung ist auch eine Art Retrospektive", sagt Kurator Hans-Jürgen Lechtreck. Denn in Richters Auflagenkunst fänden sich alle wichtigen Stationen der Entwicklung des Künstlers, der weltweit zu den bedeutendsten und teuersten zählt.

Gerhard Richter hat seit 1957 rund 173 Serienkunstwerke geschaffen, darunter Fotos von Gemälden, abstrakte Farbtableaus, eine Teppichserie und Gemälde nach Fotografien, wie das des Schäferhundes Wolfi. Der Siebdruck basiert auf einer Fotografie aus dem Familienalbum seiner ersten Frau.

Für die Edition "Ella" aus dem Jahr 2014 griff er auf eine Aufnahme seiner Tochter zurück. Das Bild wurde acht Jahre zuvor aufgenommen.

Auch Zeitungen und Magazine waren eine Quelle für seine Serienkunstwerke. So entstand 1969 die Edition "Flugzeug II". Es steht sinnbildlich für die Bombardierung seiner Geburtsstadt Dresden und die Diskussion um die Wiederbewaffnung Deutschlands.

Für den Druck "Wolke" (1971) kombinierte Gerhard Richter zwei Fotos zu einem neuen Bild.

Richter arbeitete bei seinen Editionen aber nicht nur mit Montagen und Unschärfen, sondern vergrößerte auch Motive fast bis zur Unkenntlichkeit, wie bei "Schweizer Alpen" (1969).

Anders als sonst bei seinen Bildern setzte Gerhard Richter auf die Exemplare seines Drucks "Kerze I" eine großflächige Signatur. Der Künstler unterschrieb das Motiv mit schwarzer Kreide. Als Vorlage diente sein Ölgemälde "Kerze" aus dem Jahr 1982.

Seine Edition "Farbfelder" besteht aus den Primärfarben Gelb, Blau und Rot. Welcher Rasterpunkt welche Farbe bekommt, entschied Richter per Los. Dieser Ansatz fand 2006 seine Fortsetzung im Richter-Fenster im Kölner Dom.

Der digitale Farbdruck "Strip II" aus dem Jahr 2013 basiert auf einer Fotografie seines Gemäldes "Abstraktes Bild". Der Künstler zerlegte das Bild digital in sehr schmale vertikale Streifen und spiegelte sie anschließend mehrfach.

Eigens für die Ausstellung in Essen fertigte Gerhard Richter die neue Edition "Schädel". Sie zeigt zwei Fotografien eines Schädelgemäldes von 1983, ein Vergänglichkeitssymbol hinter Glas, in dem der Betrachter sich spiegelt.

Große Teile der Ausstellung, die bis zum 30. Juli 2017 zu sehen ist, stammen vom privaten Essener Sammler Thomas Olbricht. Sie sei sein absolutes sammlerisches Lebens-Highlight, sagte Olbricht, der auch als Kurator mitgewirkt hat.

Stand: 06.04.2017, 10:44 Uhr