"Der böse Blick": Otto Dix in Düsseldorf

"Der böse Blick": Otto Dix in Düsseldorf

Zu Düsseldorf hatte Otto Dix ein besonderes Verhältnis. Hier verfeinerte er seine Technik und etablierte seinen berühmten "bösen Blick" auf die Gesellschaft. Zeit also, dieser Phase im Leben des Malers eine Ausstellung zu widmen.

Otto Dix, Bildnis der Tänzerin Anita Berber, 1925

Von Ende 1921 bis 1925 lebte Otto Dix nach einer kommerziell erfolglosen Zeit in Dresden in Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie Meisterschüler des "Rheinische Expressionisten" Heinrich Nauen war. Mit rund 230 Werken richtet die Schau in der Kunstsammlung NRW ihren Hauptfokus auf diese Jahre. Darunter sind knapp 40 Gemälde - auch das großartige, auf Sperrholz gemalte Bildnis der skandalumwitterten Tänzerin Anita Berber, das eigentlich in Stuttgart hängt.

Von Ende 1921 bis 1925 lebte Otto Dix nach einer kommerziell erfolglosen Zeit in Dresden in Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie Meisterschüler des "Rheinische Expressionisten" Heinrich Nauen war. Mit rund 230 Werken richtet die Schau in der Kunstsammlung NRW ihren Hauptfokus auf diese Jahre. Darunter sind knapp 40 Gemälde - auch das großartige, auf Sperrholz gemalte Bildnis der skandalumwitterten Tänzerin Anita Berber, das eigentlich in Stuttgart hängt.

In Düsseldorf erlebte Dix eine kurze, aber äußerst produktive – und prägende – Zeit, in der er sich vom Expressionisten und Dadaisten zum kritischen Porträtisten der Neuen Sachlichkeit wandelte. Mit dem Wunsch ist er ins Rheinland gekommen und fand schon bald viele Unterstützer. Die hier porträtierte Kunsthändlerin Johanna Ey förderte Dix schon 1920. Bei seinem Umzug ließ sie ihn in einem Nebenzimmer ihrer Ladengalerie logieren und machte ihn zu einem Hauptakteur ihrer Galerie.

In Düsseldorf experimentierte Dix mit druckgrafischer Technik und erlernte die Aquatinta-Technik, die bei seinem berühmten Radierzyklus "Der Krieg" (1924) zum Einsatz kam. Auch diese drastische Abrechnung mit der modernen Kriegsmaschinerie ist in der Schau zu sehen, darunter auch das Blatt "Sturmtruppe geht unter Gas vor".

In Düsseldorf entstanden auch zahlreiche Hauptwerke der Farblithografie und, bis 1923, ein Großteil von Dix' zwischen Expressivität und Neuer Sachlichkeit schwankenden Aquarelle. In der Kunstsammlung NRW sind unter anderem "Ellis" von 1922 (links) und "Dienstmädchen am Sonntag" zu sehen, das ein Jahr später entstand.

Vor allem aber entwickelte Dix in den 1920er Jahren in Düsseldorf seinen "bösen Blick", der Mitmenschen und Umwelt gleichermaßen schonungslos wiedergab und den Künstler zum Bürgerschreck, aber auch zu einem der bekanntesten Maler der Weimarer Republik werden ließ. Im Bild: Dix‘ kritische, an ähnliche Arbeiten von George Grosz gemahnende Straßenszene "Herren und Damen" von 1922.

Vergleichsweise moderat wirkt da das raffinierte, schon ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit gemachte Bildnis des in den 1930er Jahren nach Köln übergesiedelten Fotografen "Hugo Erfurt mit Hund" (1926), dem wir einige der schönsten Fotoporträts von Künstlern wie Käthe Kollwitz, Lovis Corinth, Gerhart Hauptmann oder Oskar Kokoschka verdanken. Oder eben von Otto Dix.

Auf anderen Bildern allerdings schauen die Porträtierten mit dem gleichen bösen Blick wieder in die Welt zurück. So wie die "Liegende auf Leopardenfell", die aus Itaca, New York, nach Düsseldorf gereist ist. Es entstand 1927 - also in einer Zeit, als Dix bereits nach Berlin übergesiedelt war und Professor an der Kunstakedemie von Dresden war. Der Aufenthalt im Rheinland hatte sich also ausgezahlt.

"Die Ausstellung untersucht die Zusammenhänge zwischen individueller künstlerischer Produktivität, ästhetischen und gesellschaftlichen Fragestellungen sowie die Einflüsse von Unterstützern und persönlichen Lebensumständen", heißt es im Pressetext. Vor allem aber zeigt sie tolle Bilder.

"Otto Dix – Der böse Blick" ist bis zum 14. Mai 2017 in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf zu sehen, dann wandert die Ausstellung weiter in die Tate Liverpool. Der informative und überaus reich bebilderte Katalog ist im Buchhandel und im Museumsshop erhältlich.

Stand: 10.02.2017, 17:00 Uhr