"Comic-Twins": Ägyptens kreatives Doppel

"Comic-Twins": Ägyptens kreatives Doppel

Von Cornelia Wegerhoff

In Ägyptens Hauptstadt Kairo findet die größte Buchmesse der arabischen Welt statt. Vor genau sechs Jahren begann hier der Volksaufstand. Seit der Revolution hat sich die Literaturszene in Ägypten verändert. Beliebt sind seither auch gesellschaftskritische Comics wie die der Rafaat-Zwillinge.

Mohamed und Haitham Rafaat

Die 30-jährigen Zwillinge Mohamed und Haitham Rafaat aus Kairo sind in Ägypten bekannt als die "Comic-Twins". Die beiden sind zweieiige Zwillinge, sehen sich also nicht komplett ähnlich. Jeder hat auch seine eigene Technik.

Die 30-jährigen Zwillinge Mohamed und Haitham Rafaat aus Kairo sind in Ägypten bekannt als die "Comic-Twins". Die beiden sind zweieiige Zwillinge, sehen sich also nicht komplett ähnlich. Jeder hat auch seine eigene Technik.

Voller Heimatliebe stecken die Comics, die die Leser mitten in das orientalische Leben tauchen, aufwändig verziert mit Kalligraphien und altägyptischen Bildelementen. "Wenn wir ein Bild unterzeichnen, schreiben wir nur Twins drunter. Egal, wer was gemacht hat."

Die Rafaats haben gemeinsam an der Kairoer Akademie der schönen Künste die Fachrichtung "Trickfilm" belegt. Viele ihrer Geschichten spiegeln die täglichen Sorgen der Ägypter wider.

Zum Beispiel die des Polizisten, der eine Botschaft bewacht. In der eleganten Umgebung fühlt sich der einfache Mann deplatziert. Deshalb hält er im Dienst immer wieder sein Handy ans Ohr und lauscht religiösen Gesängen, die "seine Seele weit, weit weg tragen", wie es heißt. "Der Mann hört immer wieder, was Sünde ist, was Gott gefällt. Was er zu tun hat und was nicht", erklärt Mohamed Rafaat. Gleichzeitig bekomme er Befehle von seinen Vorgesetzten. "Und irgendwann ist er überfordert."

Diese sozialen Aspekte der ägyptischen Gesellschaft, mal nachdenklich ernst, mal witzig und ausgelassen, werden auch in dem Comic-Magazin "Garage" behandelt, das die beiden Brüder gemeinsam herausgeben.

Auf Einladung des Kairoer Goethe-Institutes geben die Rafaat-Brüder auch Workshops. Die jungen Ägypter lesen nicht nur begeistert ihre Comics.

Viele Nachwuchskünstler wollen auch von ihnen lernen. "Nach der Revolution wurde die Kultur- und Literaturszene viel freier und die Leute konnten sich zum Ausdruck bringen", erzählt Haitham Rafaat. "Es gab also quasi auch eine künstlerische Revolution. Graffitis, Comics und andere Untergrund-Kulturen wurden populär."

Bis vor drei Jahren arbeiteten die Zwillinge noch bei einer Werbeagentur. 2014 gründeten sie das Netzwerk "Planet der Zeichner", um sich mit  arabischen, afrikanischen und europäischen Kollegen auszutauschen, online und - wenn möglich - auch persönlich. Heute, sechs Jahre nach dem Beginn der Revolution, ist die politische Lage in Ägypten wieder extrem angespannt.

"Wir haben Freunde, Künstler und andere, die im Gefängnis sitzen oder in Untersuchungshaft", so Mohamed Rafaat. "Wenn man über Sex, Politik oder Religion spricht, dann muss man sich Sorgen machen. Aber weniger wegen des Staates, wegen des Zensors. Es sind diese Moralapostel, die behaupten: Du bist doch gegen unser Land. Das ruft dann erst die Ermittler auf den Plan. Aber Haitham und ich haben keine Angst, unsere Meinung zu sagen."

Stand: 25.01.2017, 09:16 Uhr