Das Leben Channa Marons als Comic

Episode aus dem Leben Channa Marons von David Polonsky

Das Leben Channa Marons als Comic

  • Graphic Novel über die israelische Schauspielerin Channa Maron
  • Ausstellung macht Station in Wuppertal
  • Comics sind auch als Buch erschienen

Channa Maron war in den 30er Jahren ein Kinderstar auf Berliner Bühnen. Sie spielte zum Beispiel das Pünktchen in der Uraufführung von Erich Kästners "Pünktchen und Anton". Bis ins hohe Alter war sie erfolgreich, aber - und deshalb kennen wir ihren Namen kaum - nicht in Deutschland. Schon als Zehnjährige floh sie mit ihrer jüdischen Familie. Erst nach Frankreich, dann nach Israel, wo sie 2014 gestorben ist und als Theater-Legende gilt. Die Deutsche Comic-Künstlerin Barbara Yelin und der israelische Illustrator David Polonsky haben aus Channa Marons Geschichte eine Graphic Novel gemacht, die jetzt im Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium zu sehen ist.

Ausschnitt aus dem Comic von Barbara Yelin

"Hannele! Nun komm endlich! - Ausschnitt aus dem Comic von Barbara Yelin

WDR: Frau Yelin, Sie konnten Channa Maron ja nun nicht mehr sprechen - wie haben Sie die Bilder zu ihrem Leben gefunden?

Die deutsche Comiczeichnerin Barbara Yelin

Die Comic-Zeichnerin Barbara Yelin

Barbara Yelin: Ja, ich habe sie selbst leider nicht mehr kennenlernen können. Das Projekt ist vom Goethe Institut Israel ausgegangen und ich durfte auf dessen Einladungen nach Tel Aviv fahren. Ich habe nicht nur Bilder gefunden, sondern Geschichten. Geschichten, die Menschen, die sie kannten, über sie erzählt haben. Ich durfte Menschen aus ihrem Umfeld treffen, ihre Kinder, Menschen, mit denen sie gearbeitet hat, und ich konnte ganz konkret herausfinden, was sie bewegt hat und wie sie gelebt hat.

WDR: Wenn man Ihr Buch aufschlägt, sieht man auch, dass Sie sich intensiv mit der Zeit beschäftigt haben, also wahrscheinlich viele Bilder angeschaut haben - Berlin in den 30er Jahren, Straßenszenen sieht man da zu Beginn, die sehr nah an der Vorstellung liegen, die man von einer Großstadt hat. Sie haben studiert, wie das aussah, oder?

Buchcover: "Vor allem eins: Dir selbst sei treu. Die Schauspielerin Channa Maron" von  Barbara Yelin und David Polonsky

Buchcover: "Vor allem eins: Dir selbst sei treu. Die Schauspielerin Channa Maron"

Yelin: Natürlich. Das ganze Projekt war von sehr viel Recherche begleitet. Zu allen Zeiten, in denen sie gelebt hat. Berlin in den 30ern, dann Paris, später Tel Aviv, Palästina in den 40ern, 50ern, dann die Staatengründung Israels. Ich habe nicht nur Bilder, sondern auch Geschichte und Geschichten recherchiert und so zehn verschiedene Episoden aus dem Leben von Channa Maron gestaltet.

WDR: Das Ganze ist eine Zusammenarbeit mit David Polonsky, wobei Sie keine Geschichte gemeinsam erzählen, sondern beide Teile hintereinander folgen. Das war ursprünglich nur eine Ausstellung - also gar nicht als Buch konzipiert. Sieht die Ausstellung genauso aus wie das Buch?

Episode aus dem Leben Channa Marons von David Polonsky

Bild aus dem Leben Channa Marons von David Polonsky

Yelin: Es gibt beides noch, die Ausstellung und das Buch. Die Ausstellung tourt schöner Weise durch Schulen, und zwar sowohl durch israelische, auf Hebräisch, als auch auf Deutsch durch deutsche Schulen. Im Moment hängt sie in einem Gymnasium in Wuppertal. Das Buch ist ein bisschen umgearbeitet, die Comics sind aber die gleichen, die auch in der Ausstellung gezeigt werden. Das war eben der Wunsch: eine Form zu finden, die lebendig über Marons Leben erzählen kann.

WDR: Jetzt sind nicht nur die Bilder in dem Wuppertaler Gymnasium zu sehen, sondern Sie waren auch da und haben mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet. Was machen Sie dann da?

Yelin: Das war sehr schön. Die Schüler kannten natürlich die Ausstellung schon und ich habe die Gelegenheit ergriffen, noch einmal in das Medium Comic einzuführen. Wir haben uns Comics angeschaut. Was gibt es für Comics? Wie kann man arbeiten? Das Feld ist ja viel größer, als man das gemeinhin weiß. Es gibt Comics für Erwachsene, es gibt Biografie-Comics, es gibt historische Comics. Wir haben dann auch zusammen gezeichnet, also viele kleine Übungen gemacht, um sich heranzutrauen an dieses Zeichnen, wo eben die Zeichnung die Geschichte ausmacht. Geschichten, die durch Zeichnungen erzählt werden.

WDR: ... also wo die Art der Zeichnung auch auf die Geschichte reagiert, richtig?

Episode aus dem Leben Channa Marons von Barbara Yelin

Die Comics sind auf Deutsch und Hebräisch erschienen

Yelin: Ja, auf jeden Fall. Es geht ja vor allem um eine Serie von Zeichnungen. Man sucht eine Gestaltungsmöglichkeit, eine Narration. Und spannend daran ist die Verschränkung von Zeichnung und Text in ganz vielfältigen Möglichkeiten.

WDR: Jetzt haben Sie mit Kindern gearbeitet, die wahrscheinlich auch alle schon einmal einen Zeichenstift in der Hand hatten - jedenfalls ist das unter Kindern ja ziemlich populär, Comics zu zeichnen. Was haben die denn von Ihrer Arbeit gehalten?

Yelin: Die waren super und total interessiert. Sie waren schon etwas älter, 11. Klasse, und es waren einige dabei, die richtig talentiert waren und die das auch als Medium richtig ernst genommen haben. Trotzdem haben die meisten gesagt. "Mensch, wir wussten gar nicht, dass es solche Arten von Comics auch gibt".

WDR: Sie haben Channa Maron nicht mehr kennenlernen können, aber Sie haben viel über sie gehört. Was war sie für eine Frau?

Yelin: Sie war irre vielschichtig. Sie war, nach allem was ich über sie gelernt habe, eine sehr, sehr beeindruckende Persönlichkeit und, was mich so berührt hat, sie war eine mutige Frau, eigentlich Zeit ihres Lebens. Sie ist immer wieder aufgestanden - sie hatte Schicksalsschläge erlebt in ihrem Leben - und sie hat immer für sich gesprochen und für ihre Meinung. Sie war ja auch als Friedensaktivistin aktiv und hat sich nie leise bekommen (Anm. d. Red.: gemeint ist, nie den Mund verbieten) lassen.

Das Gespräch führte Jörg Biesler in WDR 5 Scala - Hier das komplette Interview zum Nachhören:

Ein Abend für Hanna Maron in Wuppertal

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 13.03.2017 | 06:10 Min.

Download

Stand: 14.03.2017, 14:00