Alles ist Design, Design ist alles: Bauhaus in Bonn

Alles ist Design, Design ist alles: Bauhaus in Bonn

Von Thomas Köster

Mit Stahlrohrmöbeln und Kastenhäusern revolutionierten die Designer des "Bauhaus" unseren Begriff von guter Form. Ab Freitag (01.04.2016) zeigt eine Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle, wie einschneidend die Ideen dieser Kunstschule waren. Und wie stark sich eine junge Designergeneration bis heute am Bauhaus orientiert.

Kurt Schmidt mit F.W. Bogler und G. Teltscher: Das mechanische Ballett (1923)

Das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete "Staatliche Bauhaus" ist die wohl einflussreichste Kunstschule der Moderne. Bis zu ihrer erzwungenen Selbstauflösung 1933 durch die Nazis wollte sie Kunst und Handwerk zusammenführen - und prägt bis heute das, was wir unter schöner, funktioneller Form verstehen. Die Bundeskunsthalle verfolgt die Auswirkungen bis ins Theater. Hier das "Mechanische Ballett" (1923) von Kurt Schmidt.

Das 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründete "Staatliche Bauhaus" ist die wohl einflussreichste Kunstschule der Moderne. Bis zu ihrer erzwungenen Selbstauflösung 1933 durch die Nazis wollte sie Kunst und Handwerk zusammenführen - und prägt bis heute das, was wir unter schöner, funktioneller Form verstehen. Die Bundeskunsthalle verfolgt die Auswirkungen bis ins Theater. Hier das "Mechanische Ballett" (1923) von Kurt Schmidt.

"Das Bauhaus. Alles ist Design" vereint seltene, teils erstmals gezeigte Exponate, unter anderem von Marianne Brandt, Marcel Breuer, Lyonel Feininger, Walter Gropius oder Wassily Kandinsky. Aber es sind auch prominente Klassiker am Start, etwa Ludwig Mies van der Rohes "Armstuhl MR 20/3" (1927) oder Wilhelm Wagenfelds "Tischlampe ME 1/MT 9" (1923/24).

Das Bauhaus, das 1925 nach Dessau und 1932 nach Berlin übersiedelte, zielte auf das funktionale Gesamtkunstwerk. In Bonn macht dies unter anderem der raumgroße Abzug einer Fotografie von Adrian Sauers "Direktorenhaus Gropius" aus dem Jahr 1926 oder 1927 deutlich. Das Original wurde im Berliner Bauhaus-Archiv gefunden.

Und auch von der Art und Weise, wie das Bauhaus Material in gute Form zu pressen suchte, gibt es Anschauungsmaterial. Dieses Foto eines unbekannten Fotografen von 1935 etwa zeigt das "Einsetzen der zusammengedrückten Spannhülse in zwei Rohrelemente".

Mit seinen Exponaten belegt "Das Bauhaus" auch die immense Bedeutung der Farbgestaltung von Gebäuden und Objekten, die aus der Weimarer Kunstschule bis in die bildende Kunst überschwappte. Links Johannes Ittens "7 Lichtstufe und 12 Tönen", rechts Josef Albers Gemälde "Park", das Mitte der 20er Jahre entstand und die Farben der Außenwelt rastert.

Aber auch der soziale Gedanke des Bauhaus wird in der Bundeskunsthalle beleuchtet. Er stand im Fokus von Hannes Meyer, der 1928 die Kunstschule von Gründungsvater Gropius übernahm. Unter seiner Leitung verlagerte sich das Augenmerk auf Wohnungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten - mit maximaler Sparsamkeit an Material, Form und Konstruktion. Hier Meyers "Co-op-Interieur" in einer Computersimulation.

Ein weiterer Schwerpunkt der Bonner Schau liegt auf der überraschenden Aktualität der Bauhaus-Gruppe, die von Lord Norman Foster über Olaf Nicolai bis hin zu Konstantin Grcic reicht. Bei diesem Bauhaus-Schreibtisch des Studio Minale-Maeda von 2010 ist das Design ziemlich retro, das Baumaterial aber voll Lego.

Dem gegenüber versucht der italienische Designer und Architekt Alessandro Mendini, Marcel Breuers als "Wassily-Sessel" bekannt gewordenen "Klubsessel B 3" von 1925 (links) mit dem reduziert-poppigen Pepp der 80er Jahre neu zu beleben. Trotz seines Tarn-Anstrichs ist die Vorlage natürlich nicht zu verkennen.

Wie eine Funktionsstudie zu Marcel Breuers berühmtem Lattenstuhl "ti 1a"(links) wirkt der "Workshop Chair", der Ergebnis mehrerer Workshophs von Jerszy Seymour in Wien und Weil ist. Und ist doch wieder gänzlich anders. "Er ist günstig, geeignet zum Selbstbauen und vertritt damit eine demokratische Haltung gutem Design gegenüber", sagt die Kuratorin. Ganz im Bauhaus-Sinne also.

Das minimalistische Duett "Pipe Tisch und Stuhl" des deutsch-serbischen Designstars Konstantin Grcic von 2009 führt die Idee des Bauhaus dann konsequent an ihr Ende. Klarer, funktionaler - und auch aalglatter - geht es kaum mehr.

Dabei schwankt die zeitgenössische Auseinandersetzung nicht selten zwischen Verklärung und sanfter Ironie. Ersteres kommt unter anderem in Hiroshi Sugimotos Fotografie "MoMA, Bauhaus Treppenhaus" (2013) zum Tragen, die den Mythos in verschwommenes Licht taucht, letzteres in Mike Meirés umrahmtem "Bauhaus"-Küchentuch (2008).

"Das Bauhaus. Alles ist Design" ist noch bis zum 14. August 2016 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter und mit einem "Bauhaus-Glossar" der wichtigsten Begriffe versehener Katalog erschienen. Dort ist auch ein Beitrag von Hella Jongerius enthalten, von der diese Vasen stammen.

Stand: 31.03.2016, 07:00 Uhr