Fliegen fasziniert - Fliegen bedroht

Ausstellungsansicht: "Magie und Macht" im Marta Herford - Li Wei: Fotografie Beyond Gravity #2

Fliegen fasziniert - Fliegen bedroht

Ein Kunstmuseum hebt ab: Das Marta Herford zeigt ab Samstag die Ausstellung "Magie und Macht - von fliegenden Teppichen und Drohnen". Einige Exponate sind märchenhaft, andere militärisch. Drei Fragen an Museums-Chef Roland Nachtigäller.

WDR: Die Ausstellung heißt "Magie und Macht" - wo zeigt sich die Magie?

Nachtigäller: Magie steckt immer in künstlerischen Projekten an sich. Künstler sind in der Lage, Alltagsphänomenen eine über sie hinausweisende Form zu geben - Kunst bringt unser Sehen, unsere Gedanken zum Fliegen. Ganz wörtlich zeigt sich die Magie in der Ausstellung in einem real fliegenden Teppich, und wir greifen auch die Geschichte rund um den fliegenden Teppich auf. Und dann ist da noch die Faszination hoch technischer Objekte, denen auch eine Magie innewohnt: Denken Sie nur an Smartphones, speziell das iPhone als Kultobjekt.

Ausstellung "Magie und Macht"

Vom fliegenden Teppich bis zur Kriegsdrohne - in diesem Spektrum bewegt sich die Ausstellung "Magie und Macht" im Marta Herford - mit Objekten, Zeichnungen, Fotos, Videos und Installationen, die verdeutlichen, wie die moderne Technik den uralten Menschheitstraum vom Fliegen heute auf manchmal erschreckende Weise fortführt.

Urs Lüthi: Selfportrait, 1976, Fotografie/Leinwand

Urs Lüthi: Selfportrait, 1976, Fotografie/Leinwand

Urs Lüthi: Selfportrait, 1976, Fotografie/Leinwand

Slavs and Tatars, PrayWay, 2012, Installation

Babak Kazemi: Exit of Shirin & Farhad #12, 2012, Fotografie

Pravdoliub Ivanov: Fairy Tale Device Crashed, 2013, Installation

Ruben Pater: Drone Survival Guide, 2014, Druck

Abu Bakarr Mansaray: APPAJAX 2000 (n°4), 1997, Zeichnung

Axel Brechensbauer: Peace Drone, 2014, Objekt

WDR: Und was ist aus Ihrer Sicht ein gutes Beispiel für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Aspekt "Macht" - also etwa mit der unheimlichen Macht von Drohnen?

Roland Nachtigäller, Künstlerischer Direktor des Marta Herford

Roland Nachtigäller, Künstlerischer Direktor

Nachtigäller: Der Machtaspekt findet sich in der gesamten Thematik. Die Drohne ist ja ein Zwitter, der im Militärbereich Anwendung findet, aber eben auch in der Freizeit, als Modellflugzeug. Dass Drohnen mit Kameras bestückt werden, ist inzwischen fast schon selbstverständlich. Die Funktion der Drohne als ferngesteuerte Kriegsmaschine findet sich zum Beispiel wieder, wenn Alain Josseau Bilder der Orte, an denen Drohnen gesteuert werden, mit Bildern der Einsatzorte überblendet. Und der "Drone Survival Guide" von Ruben Pater hat einen künstlerischen Aspekt, aber auch einen ganz realen Bezug: Er zeigt Silhouetten der Drohnen, anhand derer man die verschiedenen Typen erkennen und deren Berdohlichkeit einschätzen kann. Aber es gibt natürlich auch ironische Beiträge wie eine Serie von Selfies, die Drohnen von sich selbst aufgenommen haben.

WDR: Was fasziniert die Menschen so sehr an der Möglichkeit zu fliegen - früher genau wie heute?

Roland Nachtigäller: Das sind glaube ich zwei Dinge: Es geht um die Möglichkeit, sich von der Schwerkraft zu befreien, es den Vögeln gleichzutun. Mindestens genauso wichtig ist aber auch der große, alles übersehende Blick von oben: Die Vogelperspektive findet sich immer wieder auch in der Kunst, aber man hat auch schon vor langer Zeit versucht, Kameras an Ballons aufsteigen zu lassen - und später dann Satellitenaufnahmen genutzt. Von oben kann man Strukturen erkennen - das ist der ästhetische Aspekt. Aber es geht auch um das Beobachten: Das, was ich nicht sehen soll, sehe ich besser von oben, als wenn ich vor einem Zaun stehe.

Die Fragen stellte Anna Beerlink.

Magie und Macht - von fliegenden Teppichen und Drohnen

WDR 3 Resonanzen | 26.02.2016 | 05:52 Min.

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Stand: 26.02.2016, 09:55