Ausstellung über "Entartete Kunst" in Düsseldorf

Das Gemälde "Drei Badende" von Ernst Ludwig Kirchner hängt im Düsseldorfer Museum Kunstpalast.

Ausstellung über "Entartete Kunst" in Düsseldorf

Das Museum Kunstpalast zeigt seit Freitag (14.07.2017) die Ausstellung: "Spot On: 1937. Die Aktion 'Entartete Kunst' in Düsseldorf". Erstmals nach 1937 kommt auch Ernst Ludwig Kirchners Gemälde "Drei Badende" wieder nach Düsseldorf.

Die Ausstellung rekonstruiert anhand von Dokumentationsmaterial, Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen, welche Werke damals auf staatliche Order hin aus den Depots der Düsseldorfer Museen entfernt wurden, dazu gehören Arbeiten von Otto Dix und Paula Modersohn-Becker.

"Badende" nur kurz zu Besuch

80 Jahre nach dem staatlichen Kunstraubzug ist das großformatige Gemälde "Drei Badende" (1913) von Kirchner nun wieder in der Landeshauptstadt - allerdings nur zu Besuch. Das beschlagnahmte Gemälde aus dem einstigen Bestand der Düsseldorfer Kunstsammlungen war 1940 nach New York gelangt und 1984 an ein Museum in Sydney verkauft worden. Für eine kleine Ausstellung zur Erinnerung an die Aktion von 1937 macht das Kirchner-Bild kurz Station im Düsseldorfer Kunstpalast.

Die Düsseldorfer Ausstellung macht an wenigen Beispielen die Verwerfungen der Beschlagnahmeaktion deutlich. Nach dem Krieg versuchten die Museen, ihre erlittenen Verluste durch Neuankäufe zu kompensieren und "die Lücken zu schließen", sagt Kathrin DuBois vom Museum Kunstpalast. So kommt es, dass in der Sammlung heute das Kirchner-Bild "Mondaufgang auf Fehmarn" (1914) hängt. Der 1937 in Wiesbaden konfiszierte "Mondaufgang" war 1955 vom Förderverein des Düsseldorfer Kunstmuseums wohl als Ersatz für die "Drei Badenden" erworben worden. Woher das Bild kam, ist unklar. Eine einheitliche Linie der Diffamierung gab es offenbar nicht. Ein Werk von Lovis Corinth wurde in Düsseldorf erst beschlagnahmt, dann aber zurückgegeben. Das expressionistische Bild "Vier Mädchen" von August Macke wurde verschont.

Otto Dix, Bildnis des Malers Franz Radziwill, 1928

Auch das "Bildnis des Malers Franz Radziwill" von Otto Dix wurde im Juli 1937 beschlagnahmt.

Mehr als 1.000 Werke in Düsseldorf beschlagnahmt

Auch die Museen pauschal als Opfer der NS-Aktion zu sehen, wäre wohl zu einfach. Denn die Museen seien den Nazi-Kommissionen nicht nur ausgeliefert gewesen, sondern hätten auch selbst schon vorher mit der diffamierten Kunst gehandelt, sagt DuBois. Insgesamt wurden in Düsseldorf mehr als 1.000 Kunstwerke beschlagnahmt. Nur in Berlin und Essen waren es noch mehr.

"Entartete Kunst" in der Gurlitt-Sammlung

80 Jahre nach der NS-Aktion "Entartete Kunst" holt die Geschichte die Museen nun durch den Fall Gurlitt wieder ein. Im Fundus des 2014 gestorbenen Cornelius Gurlitt tauchten zahlreiche 1937 konfiszierte Werke auf. Zusammengetragen hatte sie sein Vater Hildebrand Gurlitt. Er war einer der vier privilegierten Kunsthändler Hitlers, durfte die geächtete Kunst ankaufen und gegen Devisen im Ausland verkaufen. Allein das Wallraf-Richartz-Museum in Köln konnte sechs Werke aus seinem einstigen Bestand identifizieren, darunter Arbeiten von Heinrich Campendonk, Otto Mueller und Otto Dix. Schätzungsweise fast 500 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und druckgrafische Werke hatten die Nazis einst aus dem Kölner Museum geholt.

Rückgabe ist unwahrscheinlich

In Wuppertal konfiszierten die Nazis rund 500 Werke im Kunstverein Barmen und dem Museumsverein Elberfeld, den Vorläuferinstitutionen des Von der Heydt-Museums. Eine Zeichnung von Otto Dix vermutet das Museum jetzt im Gurlitt-Fund. Ein Nachweis aber sei schwierig, sagt die Vize-Direktorin Antje Birthälmer. "Es gab keine Karteikarte oder Fotos mehr." Auch die Beschreibungen von Papierarbeiten in den Inventarbüchern seien oft nur ungenau. Auch Werke aus der Berliner Nationalgalerie, der Städtischen Kunsthalle Mannheim und dem Folkwang in Essen tauchten im Gurlitt-Fund bereits auf. An eine Rückgabe ist aber nicht zu denken. Denn per Einziehungsgesetz legalisierten die Nazis 1938 die Plünderungsaktion. Das Gesetz wurde nach dem Krieg weder von den Alliierten noch von der Bundesrepublik annulliert. Es gilt noch heute.

Die Ausstellung "SPOT ON: 1937. Die Aktion 'Entartete Kunst' in Düsseldorf" ist noch bis zum Sommer 2018 im Düsseldorfer Museum Kunstpalast zu sehen.

Stand: 14.07.2017, 09:31