Der "Konzertdealer" aus dem Pott

Scumek Sabottka

Der "Konzertdealer" aus dem Pott

Am Donnerstag (05.10.2017) kommt der Film "Der Konzertdealer" ins Kino. Die Doku porträtiert den Ex-Punk und global agierenden Tournee-Veranstalter Scumeck Sabottka - der seine Wurzeln im Ruhrgebiet hat. Sabottka hat die Ramones nach Deutschland gebracht. Heute managt er die Touren von Rammstein oder Robbie Williams.

WDR: Sie sind in Oberhausen und Waltrop aufgewachsen. Wie prägend waren diese ersten Jahre für Ihre Musiksozialisation?

Scumek Sabottka: Die tollsten Erinnerungen meiner frühen Musikwahrnehmung habe ich an Dortmund, Bochum, Herne – die Orte, wo wir uns überall als Punks herumgetrieben haben. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld habe ich mit 14 Jahren angefangen, in einer Punkband zu spielen. Insofern hat der Pott meine musikalische Sozialisierung absolut geprägt. Danach wollte ich dann auch nicht mehr zur Bundeswehr. Im Alter von 18 Jahren und einem Tag bin ich nach Westberlin getrampt.

WDR: In die Punkband mit 14 Jahren. Ganz schön früh, oder?

Sabottka: Vielleicht war ich auch 15 Jahre alt. Ich machte gerade in einer Druckerei in Dortmund ein Praktikum. Da stand ein Lehrling am Tiegel, der Gitarre spielen konnte. Ich konnte auch ein bisschen Gitarre spielen – und dann haben wir eine Band gegründet. Meine Eltern fanden das, glaube ich, nicht so gut.

WDR: Stimmt die Geschichte, dass Sie als Jugendlicher bei der Schlagerrallye vom WDR angerufen und für einen Song von Kraftwerk gestimmt haben?

Kraftwerk im Jahr 1977

Kraftwerk aus Düsseldorf

Sabottka: Ja, korrekt! Das war die Zeit, in der die Schlagerrallye mit Wolfgang Neumann im Radio lief. Ich habe die Unverblümtheit besessen und dort angerufen. Mein Vater fragte mich: Welche Vorwahl wählst du denn da? Da habe ich gesagt: Papa, ich muss da anrufen, ich muss doch für das Lied stimmen. Um den Song "Autobahn" von Kraftwerk ging es damals.

WDR: Mit Ihrer Musikagentur MTC sind Sie dann von Herne aus gestartet.

Sabottka: Ja, wir haben 1984 die Firma gegründet und unter anderem die Tourneen von den Ramones veranstaltet - als deutsche Dependance einer englischen Agentur in Herne-Siepen, um genau zu sein. Da waren wir so drei Jahre und sind dann nach Düsseldorf gezogen.

WDR: In dieser Anfangszeit haben Sie auch Nicos Auftritt - der früheren Velvet Underground Ikone - in der Zeche Bochum gemanagt. Ein guter Auftritt?

Sabottka: Es war eine Katastrophe. Wir haben gedacht, bei Nico muss die Zeche doch voll werden, aber das haben wir offenbar allein gedacht. Es wurden kaum Karten verkauft. Sie ist dann vor ungefähr 250 Leuten aufgetreten. Nico war damals schon ein bisschen älter als wir und hatte ganz besondere Ansprüche. Wir waren etwas überfordert.

Der Konzertveranstalter Scumeck Sabottka

Scumek Sabottka gründete nach seiner Zeit als Punk in Westberlin 1984 in Herne die Agentur MCT - gemeinsam mit dem Manager der Band "Die Toten Hosen", Jochen Hülder. Erste Tourneen der Firma werden mit der Band Ramones aus New York und dem englischen Avantgarde -Musiker John Cale veranstaltet. 1998 zieht Sabottka seiner Firma nach Berlin. Seit 1991 ist er für die weltweite Koordination der Live-Auftritte der Elektronik-Pioniere von Kraftwerk verantwortlich. Zudem koordiniert er seit 1996 weltweit die Tour-Aktivitäten der Band Rammstein.

WDR: Um einiges später haben Sie die Touren von Robbie Williams organisiert. Unter anderem ist er in seinen Anfängen in einem kleinen Club in Köln aufgetreten. Erinnern Sie sich an den Gig?

Robbie Williams

Popgröße Robbie Williams

Sabottka: Es waren auf jeden Fall so wenige Leute im Publikum, dass es sehr angenehm war, zu den Toiletten zu kommen. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Der Typ war bei dieser Boyband, die wir nicht besonders toll fanden. Wir haben an ihm so zwei, drei Jahre herum gedoktert, und dann kam plötzlich ein Lied im Radio, das hieß "Angels". Da haben alle gesagt: Der kann ja doch was. Von da an ging es kometenhaft ab. Wir haben gerade im Sommer wieder eine Stadion-Tournee mit ihm gemacht, die ausverkauft war. Der scheint das zu haben, was man braucht, um da oben zu bleiben.

WDR: Was kann nach diesen Erfolgen für Sie noch kommen?

Sabottka: Es werden jeden Tag neue Künstler geboren. Ich hoffe, dass wir unser Geschäft einfach weiter betreiben können und Leute zu Konzerten gehen, um dieses Erlebnis haben zu wollen, das man vor dem Computer nicht haben kann. Solange ich stehen kann, mache ich das weiter.

WDR: Sagen Sie uns, von wem wir demnächst noch etwas hören werden?

Sabottka: Charlotte Day Wilson aus Kanada – das könnte etwas werden.

Das Gespräch führte Nina Giaramita für WDR 3.

Stand: 05.10.2017, 09:00