Aus Altem Neues schaffen

Aus Altem Neues schaffen

Kölner Oper, Elbphilharmonie oder Berliner Flughafen: Bauvorhaben werden oft teurer als geplant. Doch es geht auch anders: umbauen statt neu bauen. Bauen im Bestand hat Potenzial - nicht nur architektonisch, sondern auch kulturell.

Bühnen der Stadt Köln wird seit Juni 2012 das Opernhaus umgebaut und renoviert

Architekten träumen davon, Neues und Großes zu schaffen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: 70 Prozent aller Bauinvestitionen fließen heute bereits in den Umbau des Vorhandenen. Sanierung, An- oder Umbau? Diese Frage stellen sich nicht nur Haus- und Wohnungsbesitzer, sondern auch Bund, Länder und Kommunen. Ganz egal, ob es nun um den neuen Balkon am Eigenheim geht, die Sanierung großer Kulturhäuser wie der Kölner Oper oder den Umbau ungenutzter Kirchen.

Architekten träumen davon, Neues und Großes zu schaffen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: 70 Prozent aller Bauinvestitionen fließen heute bereits in den Umbau des Vorhandenen. Sanierung, An- oder Umbau? Diese Frage stellen sich nicht nur Haus- und Wohnungsbesitzer, sondern auch Bund, Länder und Kommunen. Ganz egal, ob es nun um den neuen Balkon am Eigenheim geht, die Sanierung großer Kulturhäuser wie der Kölner Oper oder den Umbau ungenutzter Kirchen.

"Bauen im Bestand ist eine Zukunftsaufgabe, bei der auch große Architektur rauskommen kann", sagt Tim Rieniets, Geschäftsführer der Initiative StadtBauKultur NRW. Welche Chancen und welche Potenziale das Bauen im Bestand bietet, diskutiert er bis Freitag (08.09.2017) mit Kollegen im Rahmen der Baukulturwerkstatt "Umbaukultur" in Bochum.

Die Stadt ist ein Ort gelebter Umbaukultur, wie das Beispiel der ehemaligen St. Marienkirche zeigt. Das Gotteshaus unweit des Bochumer Ausgehviertels Bermuda Dreieck wurde seit 2002 nicht mehr als Kirche genutzt. Im Rahmen der Ruhr.2010 probten hier Artisten des Projekts Urbanatix Salti auf dem Trampolin. Später schafften sich die Bagger Platz für den Umbau. "Wir kennen zwei Kategorien: Neubau und Altbau. Doch uns interessiert das, was dazwischen sein könnte", sagt Tim Rieniets.

Dreieinhalb Jahre haben die Bauarbeiten gedauert. Heute dient die ehemalige Marienkirche als Foyer des 2016 eröffneten Anneliese Brost Musikforums Ruhr mit Konzertsälen für die Bochumer Symphoniker. Vielen Bochumern war es damals wichtig, dass die Marienkirche in den Bau integriert wird.

Der Umbau zeige, dass dies nicht nur ökologisch und ökonomisch, sondern auch kulturell nachhaltig sei und damit ein Stück Erinnerung und Geschichte erhalten werden kann, betont Tim Rieniets. Das gilt auch für die die Evangelische Friedenskirche Stahlhausen, deren Nutzung zu einer interkulturellen Stadtteilbegegnungsstätte erweitert wurde.

Mit sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen hat aber nicht nur das Ruhrgebiet zu kämpfen. Die Samtweberei in Krefeld ist ein Fabrikkomplex aus der ruhmreichen Zeit der Stadt als Metropole der Textilindustrie. Nach jahrelangem Leerstand sind hier 37 Mietwohungen sowie Raum zum Arbeiten entstanden. Im Fokus des Projekts steht eine gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung.

In Iserlohn entstand in den 1920er-Jahren eine Siedlung mit Notwohnungen für Erwerbslose. Der sogenannte "Schlieperblock" war Sinnbild für die prekären Lebensumstände in dieser Zeit. 2008 sollten die Gebäude wegen hoher Leerstandszahlen und der baulichen Mängel abgerissen werden. Doch das Konzept eines Architekturbüros erwirkte ein Umdenken.

Fast zehn Jahre später erstrahlt die einst verrufene Siedlung wieder in neuem Glanz. Auch weil ein Teil der Bauten in Eigenleistung saniert wurde. Bei der Sanierung gehe es darum, "aus einem architektonisch minderwertigen alten Bauwerk ein zeitgenössisches, attraktives neues zu machen".

Stand: 07.09.2017, 12:45 Uhr