In Düsseldorf fast unbekannt, in Kamerun ein Star

Eugen Zintgraff in einer Aufnahme von 1895

In Düsseldorf fast unbekannt, in Kamerun ein Star

Eine Ausstellung zeigt die oft unbekannte koloniale Verbindung zwischen Düsseldorf und der Stadt Dschang in Kamerun, etwa am Beispiel des Afrikaforschers Eugen Zintgraff.

In Kamerun ist der Düsseldorfer Eugen Zintgraff fast so etwas wie ein Prominenter. In seiner Heimatstadt kennt ihn dagegen kaum jemand. Der Afrikaforscher war gegen Ende des 19. Jahrhunderts einer der ersten Europäer im kamerunischen Grasland. Unter anderem half er dabei, koloniale Infrastrukturen aufzubauen.

In einem Reiseführer von Dschang, einer Stadt im Westen des Landes, wird Zintgraff als erster Deutscher in der Gegend hervorgehoben. Die meisten Bewohner von Dschang kennen den Düsseldorfer. In der Geschichtsschreibung, Literatur und im Fernsehen hat er einen festen Platz. In Düsseldorf jedoch finden sich nur ein paar Verweise in Archiven.

Forscher auf interkultureller Spurensuche

Welche Verbindungen auch heute noch zwischen Deutschland und Kamerun bestehen, hat ein gemeinsames Forschungsprojekt der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der Université de Dschang in Kamerun herausgearbeitet. Die Ergebnisse werden bis zum 28. September in einer Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum gezeigt.

Prof. Dr. Stefanie Michels von der Heinrich-Heine-Universität, Prof. Albert Gouaffo von der Universität Dschang (Kamerun) und Dr. Susanne Anna, Stadtmuseumsdirektorin in der Ausstellung "Koloniale Verbindungen".

Prof. Stefanie Michels und Prof. Albert Gouaffo bei der Eröffnung der Ausstellung mit Stadtmuseumsdirektorin Dr. Susanne Anna (v.l.n.r.)

Als die Forscher der Heinrich-Heine-Uni nach Erinnerungen zur deutschen Kolonie Kamerun suchten und in Düsseldorf Passanten interviewten, war recht schnell klar, dass dazu kaum jemand etwas zu sagen hatte. Dass Namibia einmal eine deutsche Kolonie war, ist vielen noch bekannt, aber Kamerun...? Dennoch hätten viele im Gespräch sehr schnell die "Opferperspektive der Afrikaner" thematisiert, so Professor Stefanie Michels vom Institut für Geschichtswissenschaften der Düsseldorfer Uni und Kuratorin der Ausstellung.

"Unheimlich viele Helden-Geschichten"

In Kamerun habe sich den Forschern aber ein anderes Bild gezeigt. "Dort erinnert sich die Bevölkerung noch an sehr viele Geschichten aus der Kolonialzeit", so Michels. Dabei spielten aber in der Regel nicht die deutschen Besatzer die Hauptrolle, sondern die Besetzten. "Es werden unheimlich viele Helden-Geschichten erzählt", sagt Michels. Etwa wie Stämme und deren Könige Widerstand geleistet hätten, aber auch von erfolgreichen Kollaborationen.

Eine berühmte Heldengeschichte sei zum Beispiel die des Königs Fon Asunganyi. Der gab dem Deutschen Gustav Conrau, der im Auftrag des Düsseldofer Zintgraffs unterwegs war, 66 Träger mit. 1899 kam Conrau wieder und wollte erneut Männer rekrutieren. Die 66 Träger jedoch waren verschwunden, Asunganyi hatte gehört, dass sie gestorben wären. Conrau wurde gefangen genommen, floh und starb bei der Flucht.

Ein Bewohner der Stadt Fontem in Kamerun hält ein altes Foto in der Hand.

In Kamerun lebt die Geschichte von Magi Kuana (Gustav Conrau) und König Asunganyi bis heute fort.

Die deutsche Kolonialverwaltung reagierte mit militärischer Gewalt. Dörfer wurden zerstört, Vieh getötet, Zwangsarbeiter rekrutiert. Als 1903 die Könige der Gegend zusammen kamen, um die deutsche Herrschaft anzuerkennen, fehlte Asunganyi. In Kamerun heißt es, dass er von einem Versteck aus Krieg gegen die Deutschen führte. Als diese abzogen, kam er zurück und übernahm wieder die Herrschaft in der Gegend bis zu seinem Tod 1950.

Die Düsseldorfer Ausstellung will beide Perspektiven zeigen, mit Zeitdokumenten, Fotos, Videos und Tonaufnamen. Zahlreiche Objekte sind zum ersten Mal in Düsseldorf zu sehen, so etwa historische Waffen, die Zintgraff aus Kamerun mitgebracht hat. Neben der Ausstellung "Koloniale Verbindungen: Rheinland/Grasland – Deutschland/Kamerun" werden in einem Rahmenprogramm Filme, Vorträge angeboten und Podiumsdiskussionen veranstaltet.

Stand: 13.09.2017, 12:00