Unter deutschen Betten

WDR 2 Kino

Unter deutschen Betten

Von Andrea Burtz

Eine alternde Schlagerdiva (Veronica Ferres) wird vom Langzeitfreund (Heiner Lauterbach) für eine Jüngere verlassen und muss sich alleine durchschlagen. Gemeinsam mit ihrer früheren polnischen Reinigungskraft macht sie sich an den Putzdienst bei den Schönen und Reichen.

Linda Lehmann (Veronica Ferres) ist ein One-Hit-Wonder. Doch ihr einziger, großer Erfolg liegt schon lange zurück. Lindas Traum von einer Comebackchance wird wahr und zum Albtraum: Auf der Showbühne in 70er Jahre Deko muss sie auf einer Rakete sitzen und sich in den Himmel schießen lassen – singend natürlich. Alles geht schief. Der peinliche Auftritt geht viral und wird Lindas endgültiger Untergang. Ihr Langzeitfreund und Produzent Friedrich (Heiner Lauterbach) nimmt das Desaster mit harten Worten zum Trennungsanlass: "Du bist fünf Kilo zu fett und 20 Jahre zu alt. Und entscheidend ist: Du kannst nicht singen." Friedrich wirft Linda raus und verschwindet mit einer Jüngeren. Linda hat alles verloren: Partner, Job, Zuhause. Um irgendwie Geld zu verdienen, wienert sie mit ihrer Ex-Putzfrau Justyna (Magdalena Boczarska) die Villen ihrer Freunde und bekommt dabei ganz neue Einblicke.

"Unter deutschen Betten", der Film nach dem gleichnamigen Bestseller, spielt nicht mit Klischees. Er lässt sie welche bleiben. In komischen Szenen genügt oft der erste Einfall: Zuerst muss Linda dreckige Toiletten putzen, natürlich mit buntem Kopftuch im Haar, dann stürzt ihr aus dem obersten Schrankfach der gesamte Inhalt entgegen – solche einfallslosen, aneinander gereihten Momente sorgen auch in Clipform, von launiger Musik unterlegt, für keinen Lacher.

Dick aufgetragen wirken Szenen, in denen Schauspielstar Veronica Ferres selbstironisch mit ihrem Image spielt. Wenn sie in knallenger Lederhose beim Versuch in die eigene Villa einzubrechen, in der Katzenklappe stecken bleibt, zum Beispiel. Und die Kamera eine gefühlte Ewigkeit auf ihrem wohl geformten Po ruht. Die meisten der platten Gags werden auch noch angekündigt und lassen exaktes Timing vermissen.

Im letzten Drittel wandelt sich die Komödie endgültig zum zahnlosen Wohlfühlfilm. Highlight: Heiner Lauterbach, braun gebrannt, in Poser-Klamotten, bis zur Unkenntlichkeit auftoupiert, kölscht sich souverän als windiger Produzent durch seine Szenen. Leider nicht viele. Schade!

Komödie, Deutschland 2017, Regie: Jan Fehse, ab 6 Jahren

Kinostart: 05.10.2017

Stand: 05.10.2017, 00:00