Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

Szene aus dem Film "Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt"

WDR 2 Kino

Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

Von Andrea Burtz

Ein Pionier der Techno-Musik begibt sich nach einer persönlichen Krise mit einem Kumpel auf eine Tournee durch Deutschland. Die Verfilmung des Romans "Magical Mystery" von Sven Regener ist eine Zeitreise in die 90er-Jahre und ein echter Kinospaß.

Karl "Charlie" Schmidt (Charlie Hübner) gönnt sich im Café alle Sünden, die er noch darf: Espresso, Eisbecher, Zigaretten. Nach einem Leben als Künstler, Kneipier und Partybär kamen Absturz und Klapse, wie die Leute sagen. Am Tag des Mauerfalls kam er in die Psychiatrie. Jetzt, fünf Jahre später, schafft Charlie einen kleinen Job als Hausmeister und lebt in einer WG mit Ex-Junkies, die von einem Sozialarbeiter (Bjarne Mädel) betreut und irgendwie auch bewacht wird. Ihm entgeht nichts. Meistens.

Denn als Charlie im Eiscafé seinen Jugendfreund Raimund (Marc Hosemann) wieder trifft, will der an alte Zeiten anknüpfen. Er ist mittlerweile Chef von "Bum Bum Records", gemeinsam mit Kumpel Ferdi (Detlev Buck). Die Firma boomt dank Techno. Deshalb haben sich die beiden etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Tournee mit ihren Techno-DJs durch ganz Deutschland. "Magical Mystery Tour - wie bei den Beatles!", freuen sie sich wie kleine Kinder. Mit einem Bus von Norden nach Süden! Ihnen fehlt allerdings noch ein Fahrer. Also jemand, der auf jeden Fall nüchtern bleibt und es schafft, die Truppe morgens um acht aus dem Club zu prügeln, damit abends auch der nächste Termin eingehalten wird. Und wer würde sich dafür besser eignen, als Charlie, der zur Abstinenz verdonnert ist?

Lebensfreude und witzige Dialoge

Der stoische Charlie ist hin- und hergerissen. So nah am Geschehen, an den alten Freunden, am Partyleben, aber gleichzeitig auch hautnah an der Gefahr. Er sagt zu. Und dann geht es rund im Tourbus, mit Bier, Chips, Meerschweinchen und gut gelaunten DJs, von einem Gig zum nächsten.

Es sind keine großen Ereignisse, irre Twists oder Läuterungen der Hauptfiguren, die den Film vorantreiben. Es sind die Stimmung, die Lebensfreude an kleinen Dingen und der unsagbar trockene Humor der Truppe, die "Magical Mystery" sehenswert machen. Die verpeilten Typen werden von Regisseur Arne Feldhusen aber nicht der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern in ihrer liebenswerten Leidenschaft gezeigt: beim Genießen, Mixen, Reden über Techno. Die Dialoge sind lakonisch, witzig und immer auf den Punkt. Kein Wunder. Sven Regener hat persönlich aus seinem Roman ein Drehbuch gemacht.

Im Größenwahn durch die Provinz

Es macht Spaß, den Freaks im Größenwahn durch die deutsche Provinz zu folgen, zu finsteren Imbissbuden und Raststätten, ihren Gesprächen zu lauschen und Charlie zuzusehen. Denn ihn spielt Charlie Hübner mit einer so großen menschlichen Wärme und Intensität, dass man ihm in jeder seiner meist stummen Szenen beim Denken zuschauen kann. Auch Augenblicke, in denen ihn Panik überfällt, einsame Momente, in denen ihn das alte Leben mit seinen Ängsten übermannt, meistert Hübner glaubwürdig. Höhepunkt der WDR-Co-Produktion ist die Mayday in Dortmund, der größte Indoor-Rave Deutschlands, bei dem das Team auch gedreht hat. 

Eine spaßige Reise zurück in die 90er, zu weißblondierten Haaren und T-Shirts, die heute bereits Vintage sind.

Komödie, Deutschland 2017

Regie:
Arne Feldhusen ("Stromberg - Der Film", TV-Serien "Stromberg" und "Der Tatortreiniger")

Deutsche Stimmen: Charlie Hübner ("Das Leben der Anderen", "Bornholmer Straße", TV: "Polizeiruf 110" aus Rostock), Detlev Buck ("Männerpension", "Sonnenallee", "Bibi und Tina"), Marc Hosemann ("Soul Kitchen", "Oh Boy")

Länge: 111 min

Ab 12 Jahren

Kinostart: 31.08.2017

Stand: 31.08.2017, 00:03