High Society

Szene aus dem Film "High Society": Marc Benjamin als Benjamin Schwarz, Katja Riemann als Carmen Schlonz und Emilia Schüle als Anabel

WDR 2 Kino

High Society

Von Andrea Burtz

Die wohlstandsverwöhnte Tochter einer Industriellenfamilie findet heraus, dass sie als Baby vertauscht wurde und begegnet ihrer wahren Mutter. Katja Riemann als Plattenbau-Mutti mit Öko-Anstrich ist brilliant, die ganze Geschichte eher konstruiert.

Wenn Anabel von Schlacht (Emilia Schüle) shoppen geht, dann kommt sie mit –zig Tüten aus Markenläden zurück. Schließlich ist sie die Tochter eines schwerreichen Unternehmers. Das dachten zumindest alle. Doch dann stellt sich heraus, dass Krankenschwestern in ihrer Geburtsklinik damals im Prosecco-Rausch Babys vertauscht haben! Anabels wahre Herkunft liegt nicht in einer Villa am Stadtrand, sondern im Plattenbau. Ihre leibliche Mutter Carmen Schlonz (Katja Riemann) lebt mit ihren beiden anderen Kindern von unterschiedlichen Vätern und einem illegalen Untermieter in einer WG. Als Anabel in ihrem neuen Zuhause eintrifft, wird erst ihr Auto geklaut, dann streitet sie mit dem attraktiven Polizisten (Jannis Niewöhner). Er ist der Freund von Aura Schlonz, dem Mädchen, mit dem sie vertauscht worden war. Aura macht sich ebenfalls zu ihrer leiblichen Mutter (Iris Berben) auf, die den Tag mit Gurkenmasken und Planung von Charity-Events verbringt. So landet das verwöhnte Partygirl im Arbeitermilieu mit Herz. Und die Tussi mit rosa lackierten Fingernägeln lebt plötzlich in der High Society.

Annika Decker hat sich die Geschichte ausgedacht. Sie hat bereits an den Drehbüchern zu "Keinohrhasen" und "Rubbeldiekatz" mitgewirkt und mit "Traumfrauen" ihr Regiedebüt gegeben. Der Dialogwitz des Drehbuchs trägt auch diesmal ihre Handschrift.

Die Geschichte von "High Society" wirkt allerdings sehr stark konstruiert und wenig stringent. In manchen Szenen spielen die Darsteller überzogen, in anderen nicht. Highlights sind die beiden Darstellerinnen der älteren Generation: Katja Riemann überzeugt als berlinernde Plattenbau-Mama mit Haltung und Ökoanstrich. Iris Berben spielt die gelangweilte Industriellengattin mit Schwung und auf den Punkt wie in "Sketch-up" Zeiten. Dialogzeile gefällig? "Wer Geld hat, hat auch Brüste."

Komödie, Deutschland 2017, Regie: Annika Decker, ab 12 Jahren

Kinostart: 14.09.2017

Stand: 14.09.2017, 00:00