Heinrich Breloer: "Das Denken ins Fernsehzimmer holen"

Heinrich Breloer: "Das Denken ins Fernsehzimmer holen"

Der Filmemacher Heinrich Breloer ist am Freitag (17.02.2017) 75 Jahre alt geworden. Berühmt wurde der preisgekrönte Regisseur und Autor vor allem für ein Genre, das er selbst erfunden hat: das "Doku-Drama".

Heinrich Breloer und Sebastian Koch bei Dreharbeiten zu "Speer und Er"

Der in Köln lebende Autor und Regisseur Heinrich Breloer feiert am Freitag (17.02.2017) seinen 75. Geburtstag. In den 1980er Jahren entwickelte der gebürtige Gelsenkirchener und studierte Literaturwissenschaftler gemeinsam mit seinem Kollegen Horst Königstein ein Genre, das für das deutsche Fernsehen völlig neu war: die "Offene Form", eine Mischung aus Dokumentarteilen und Spielszenen. Später baut er es zum Genre des "Doku-Dramas" aus.

Der in Köln lebende Autor und Regisseur Heinrich Breloer feiert am Freitag (17.02.2017) seinen 75. Geburtstag. In den 1980er Jahren entwickelte der gebürtige Gelsenkirchener und studierte Literaturwissenschaftler gemeinsam mit seinem Kollegen Horst Königstein ein Genre, das für das deutsche Fernsehen völlig neu war: die "Offene Form", eine Mischung aus Dokumentarteilen und Spielszenen. Später baut er es zum Genre des "Doku-Dramas" aus.

1981 entsteht unter der Regie von Breloer und nach einem Drehbuch von Königstein die Arnold Zweig-Adaption "Das Beil von Wandsbek" - ein erster gelungener Versuch der Montage aus Dokumentation und Spielszenen. Sie erzählt die Geschichte eines Schlachtermeisters, der in den 1930er Jahren als Vertreter des Henkers vier Kommunisten hinrichtet. Breloer und Königstein erhalten dafür im Rahmen des Grimme-Preises 1983 den Sonderpreis des NRW-Kultusministers.

Zentrales Thema in Breloers Filmen ist die jüngere deutsche Geschichte. Drei Jahre nach dem Tod des SPD-Politikers und ehemaligen KPD-Spitzenfunktionärs Herbert Wehner (Ulrich Tukur, l.) zeigt er 1993 im Zweiteiler "Wehner - Die unerzählte Geschichte" wichtige Stationen aus dem Leben des Politikers.

Im 1997 ausgestrahlten Doku-Drama "Das Todesspiel" nähert sich Breloer dem Thema RAF-Terrorismus und "Deutscher Herbst" 1977. Darin schildert er die Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut".

Ein viel beachteter Film des Genres "Doku-Drama" ist 2005 Breloers und Königsteins "Speer und Er" über die Beziehung zwischen dem Architekten Albert Speer (Sebastian Koch, r.) und Adolf Hitler (Tobias Moretti, l.). Als "ein Ereignis, das Maßstäbe setzt", lobt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" den Dreiteiler und will darin gar einen "Meilenstein in der filmischen Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus" erkannt haben, "der unser Geschichtsbild in wesentlichen Teilen verändern wird".

Breloer hatte den Hitler-Vertrauten Albert Speer 1981 vor seinem Tod persönlich getroffen und beschäftigte sich seitdem mit dessen Biografie. "Unser Heinrich sabbelt alle doud", soll die Mutter seines Kollegen Königstein über ihn gesagt haben. Dabei sagt Breloer über sich: "Die schärfste Waffe ist mein Schweigen." Das sei sein Geheimnis, wenn es darum gehe, Zeitzeugen zu außergewöhnlichen und nachdenklichen Aussagen zu bewegen - zum Beispiel Speers Kinder. "Ich bin ganz ruhig. Ich sitze und höre zu", so Breloer über seine Interviewtechnik.

Der Filmemacher wird mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. 1984 erhält er aus den Händen von Jurypräsidentin Anne Beelitz seinen ersten Adolf-Grimme-Preis mit Gold für den Film "Treffpunkt im Unendlichen - die Lebensreise des Klaus Mann". Es sollen viele weitere Preise folgen, die Goldene Kamera, ein Bambi sowie Verdienstorden des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mit den Manns beschäftigt sich Breloer immer wieder. Zur Jahrtausendwende entsteht der TV-Mehrteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" mit Armin Müller-Stahl als Schriftsteller Thomas Mann. Die ARD-Produktion wird 2002 mit einem "Emmy" ausgezeichnet.

Nicht nur den Themen bleibt Breloer treu, sondern auch seinen Schauspielern. Mit Müller-Stahl in der Hauptrolle entsteht 2008 das Familiendrama "Buddenbrooks" nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann. Es ist der erste rein fikionale Spielfilm des Regisseurs. Das reine Kino sei eine "magische Veranstaltung", erklärt der Filmemacher dazu. "Da werden im dunklen Saal die Geister beschworen." Mit dem Doku-Drama wolle Breloer dagegen "das Denken ins Fernsehzimmer holen".

Auch mit Schauspieler Burghart Klaußner arbeitet Breloer immer wieder zusammen. Bereits beim "Beil von Wandsbek" ist Klaußner dabei, dann 1989 im Fernsehfilm "Die Staatskanzlei" über die Affäre um den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel ...

... und aktuell im zweiteiligen Doku-Drama "Brecht". Die Dreharbeiten der WDR-Produktion über Bertolt Brecht starten im Mai 2017. Über 40 Jahre wird das Leben des bis heute meistgespielten deutschen Dramatikers des 20. Jahrhunderts erzählt. Für Breloer schließt sich damit ein Kreis: 1978 drehte er mit "Bi und Bidi in Augsburg" seinen ersten Dokumentarfilm über den jungen Brecht.

Breloer (hier zusammen mit WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke auf der Berlinale 2017) sagt über sich, er sei durch und durch ein Mensch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. "Ich habe das eingeatmet, was öffentlich-rechtlich ist, und ich hab's geliebt", so Breloer. "Und ich weiß, wie wichtig es für die Demokratie ist."

Stand: 18.02.2017, 09:22 Uhr