Final Portrait

WDR 2 Kino

Final Portrait

Von Andrea Burtz

Paris, 1964. Der junge US-Autor James Lord soll Modell stehen. Gefragt hat ihn der weltberühmte Bildhauer und Maler Giacometti. In Stanley Tuccis Biopic geht es um Perfektionismus, Selbstzweifel und einen exzentrischen Geist.

Filmszene aus "Final Portrait": Armie Hammer als James Lord, der Giacometti, gespielt von Geoffrey Rush, Model steht

Der junge James Lord (Armie Hammer) ist 1964 für einen Besuch aus den USA in Paris. Als ihn der Schweizer Bildhauer und Maler Alberto Giacometti (Geoffrey Rush) bittet, Modell zu sitzen, sagt er zunächst geschmeichelt zu. Von ein paar Stunden Arbeit ist die Rede. Doch aus den Stunden werden Tage, aus Tagen Wochen. Giacometti entpuppt sich als unbändiges, der Kunst verpflichtetes Genie, das Perfektion anstrebt. Stundenlang ringt er um eine Nuance, um ein paar Tage später alles wieder komplett zu verwerfen.

Der Künstler liebt es, Freiheiten auszukosten. Mal ist er nicht da, mal möchte er lieber mit James ein paar Eier in seinem Lieblingsbistro essen oder sich mit seiner Geliebten (Clémence Poésy) vergnügen. Die kostspielige Liaison ist ein öffentliches Geheimnis. Giacomettis Frau Annette (Silvie Testud) sieht entweder leidend zu, braust auf oder vergnügt sich nebenan mit ihrem Geliebten.

James Lord ist völlig anders getaktet, lässt sich jedoch auf Giacomettis Launen ein. Mehrmals verschiebt er die Abreise zurück in die Staaten. Seine Geduld wird mit einem intimen Blick in den Alltag eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts belohnt.

Das Drehbuch von Stanley Tucci beruht auf den Aufzeichnungen von James Lord. Der Journalist und Schriftsteller hat während der Portraitsitzungen Notizen und Fotos gemacht. Es ist Tucci gelungen, aus dem kleinen Einblick in Giacomettis Leben eine Charakterstudie abzuleiten.

Tucci zeigt einen exzentrischen Künstler, dem Geld so wenig bedeutet, dass er sich einen Spaß daraus macht, Menschen mehr zu geben, als sie von ihm verlangen. Ein Lebemann, der mit Wonne isst, trinkt, liebt und seine Kunst vorantreibt. Selbst im Gespräch korrigiert er beiläufig Plastiken oder nimmt den Pinsel zur Hand. Kunst ist sein Leben. Geoffrey Rush schlurft als Giacometti murmelnd durchs chaotische Atelier, echauffiert sich, um im nächsten Moment staunend Blütenblätter im Hof "zum ersten Mal auf diese Weise zu sehen". Ein unruhiger, zuweilen unberechenbarer Geist. Rush interpretiert Giacometti als eigenwilligen, egozentrischen Charakter. James Lord, alias Armie Hammer, ist der ruhige Gegenpol, der diese fremde Welt neugierig beobachtet und oft erleichtert scheint, wenn er abends das Tor zum Haus der Giacomettis hinter sich schließen kann.


Kinostart: 03.08.2017, Biopic, Großbritannien, 2017, Regie: Stanley Tucci, keine Altersbeschränkung

Stand: 03.08.2017, 00:00