"Der lange Abschied von der Kohle" im Kino

Filmpremiere in Essen - Der lange Abschied von der Kohle

"Der lange Abschied von der Kohle" im Kino

Schon seit über 20 Jahren, frage er sich, was die Bergleute so an ihrer Arbeit lieben, sagt der Regisseur Werner Kubny. In seinem neuen Film hat er die Antwort gefunden.

Werner Kubnys neuer Dokumentarfilm "Der lange Abschied von der Kohle" begleitet unter anderem Bergleute der Zeche Auguste Victoria in Marl während der Zeit der Zechenschließung.

Werner Kubny bei den Dreharbeiten zu "Der Lange Abschied von der Kohle"

Werner Kubny bei den Dreharbeiten zu "Der Lange Abschied von der Kohle"

Der Film thematisiert aber auch die Hochzeiten der Kohle im Ruhrgebiet. "Ich zeige die letzten 70 Jahre nach dem Krieg, die für das Ruhrgebiet so einschneidend waren. Das Wachsen der Industrie mit über 500.000 Bergleuten", erzählt Kubny im Interview mit dem WDR.

Doch was die wenigsten wissen, das Sterben der ersten Zechen habe bereits 1958 begonnen - und das Ruhrgebiet sei seitdem einem ständigen Strukturwandel unterzogen worden. Der ständige Wandel und das Abschiednehmen ist darum auch ein zentrales Thema des Films.

Die Tränen der Bergleute

Kubny beschäftigt sich als Filmemacher bereits seit 20 Jahren mit dem Bergbau und dem Ruhrgebiet. Dabei stellte er sich immer wieder die selbe Fragen: "Warum können diese Männer nicht loslassen? Und warum treibt es ihnen die Tränen in die Augen, wenn man darüber spricht, dass es mit einer Zeche zuende geht?"

In seinem neuen Film hat er einige Antworten auf diese Fragen gefunden: "Die Essenz dieser Bergbaukultur ist der Zusammenhalt und das Miteinander – man muss da unten aufeinander aufpassen und man muss sich auf seinen Kumpel verlassen können", sagt Kubny.

Fördergerüst der Zeche Auguste Victoria in Marl

Aus für die Zeche Auguste Victoria in Marl

Diese Kultur hätten die Bergleute aus dem Schacht mit nach oben gebracht und daraus sei eine enorme politische Kraft entstanden. Dieser Zusammenhalt und dieses Miteinander gehe den Männern nun verloren. Und das sei es auch, worunter sie leiden.

"Kunst und Kultur können die Löcher nicht füllen"

Kubnys Film zeigt auch die Perspektivlosigkeit, die zurzeit vor allem im nördlichen Ruhrgebiet herrscht. Im Interview weist er darauf hin, dass Kunst und Kultur - die sogenannte Industriekultur, die Löcher, die durch den Verlust der Bergbauindustrie entstanden seien, nicht füllen können. Seine Prognose: Im Ruhrgebiet etwas Neues zu schaffen - "an Arbeit, an Industrie" - werde noch Generationen dauern.

Eine Doku zeigt die Kulturgeschichte der Kohle

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 26.09.2017 | 06:50 Min.

Download

Stand: 26.09.2017, 15:23