Hommage an Hilla

Hommage an Hilla

Von Anna Beerlink

Bernd und Hilla Becher, Begründer der Düsseldorfer Schule, haben eine ganze Künstler-Generation geprägt. Viele erfolgreiche Fotografen gehören zu den Schülern des Ehepaars. Sie erinnern jetzt mit einer Ausstellung in Köln an Hilla Becher.

Bernd und Hilla Becher: Hochofen, Youngstown, Ohio, USA, 1983

Hochofen, Youngstown, Ohio, USA, 1983. Mit Industriebauten fing alles an: Die Bilder der Bechers von Fördertürmen, Hochöfen, Wasser- und Kühltürmen sind nichts weniger als Ikonen der zeitgenössischen Fotografie. Hilla Becher erzählte, dass ihr Ehemann die Gebäude in den 1950er-Jahren zunächst gezeichnet hatte - und zwar so genau, dass er manchmal noch gar nicht fertig war, wenn ein Bauwerk abgerissen wurde. Deshalb habe sie ihm vorgeschlagen , den Stift gegen die Kamera einzutauschen. Für die Hochöfen, die die Bechers zwischen 1979 und 1986 in den USA fotografierten, hatte Hilla eine besondere Vorliebe.

Hochofen, Youngstown, Ohio, USA, 1983. Mit Industriebauten fing alles an: Die Bilder der Bechers von Fördertürmen, Hochöfen, Wasser- und Kühltürmen sind nichts weniger als Ikonen der zeitgenössischen Fotografie. Hilla Becher erzählte, dass ihr Ehemann die Gebäude in den 1950er-Jahren zunächst gezeichnet hatte - und zwar so genau, dass er manchmal noch gar nicht fertig war, wenn ein Bauwerk abgerissen wurde. Deshalb habe sie ihm vorgeschlagen , den Stift gegen die Kamera einzutauschen. Für die Hochöfen, die die Bechers zwischen 1979 und 1986 in den USA fotografierten, hatte Hilla eine besondere Vorliebe.

Aus der Serie "Black Cowboys": Myrtis Dyghtman, Willie Thomas, Freddie "Skeet" Gordon, Harold Cash, 2016. In der Ausstellung der Photographischen Sammlung der Kölner SK Stiftung Kultur sind Fotografien zahlreicher Becher-Schüler zu sehen - und auch aus der Familie: So wie dieses Foto von Becher-Sohn Max. Auch er ist Fotograf, lebt in den USA und arbeitet wie seine Eltern im Duo, zusammen mit seiner Ehefrau Andrea Robbins.

Aus der Serie "Türken in Deutschland": Eckermannstraße Hamburg, 1978. Candida Höfer gehörte zu den allerersten Studenten von Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie - und ist heute wohl eines der bekanntesten Mitglieder der Düsseldorfer Schule. Die Serie über türkische Migranten ist eine ihrer früheren Arbeiten. Kurz darauf verschwinden die Menschen aus Höfers Fotografien - und sie wendet sich, ähnlich wie ihre Lehrer, der Architektur zu.

Aus der Serie "getürkt": Ich, 1993. Die Sachlichkeit und Nüchternheit im Werk der Bechers prägt auch die Serien von Katharina Mayer. Für die gut 100-teilige Serie "getürkt" musste Mayer lange nach Modellen suchen und große Überzeugungsarbeit leisten: Die allermeisten der türkischen Frauen, die sie ansprach, wollten sich nicht porträtieren lassen. Auf einer türkischen Hochzeit und mit Hilfe eines türkischen Fotografen hatte Mayer schließlich Erfolg. Für die Serie fotografierte sie dann auch Freundinnen und Bekannte mit Kopftuch.

W-85-08-02, Düsseldorf, 1985. Anders als viele andere Becher-Schüler verzichtet Jörg Sasse in seiner Arbeit auf das Prinzip der Serie. Bekannt ist Sasse vor allem dafür, dass er Fotos von anderen als Vorlage für seine eigenen Werke nutzt. Sein fotografisches Interesse gilt aber auch - ganz im Sinne seiner Lehrer - der Ästhetik von Alltagsgegenständen.

Strickmuster, 2006. Zu Boris Beckers früheren Arbeiten gehören Fotografien von Hochbunkern - aufgenommen mit einer Großbildkamera, wie sie auch Bernd und Hilla Becher für ihre Bilder verwendeten. Geblieben ist in Beckers Werk die Suche nach Formen, Struktur und Ordnung im Alltag, der uns umgibt.

Edinburgh, 2004, von Stefan Schneider. Schneider ist nicht nur Fotograf, sondern auch Musiker. Seine Bilder entstehen oft auf den Reisen zu seinen Auftritten. Der "WZ" erzählte er vor einigen Jahren, dass in dem Raum an der Düsseldorfer Akademie, in dem die Bechers unterrichteten, oft die Fenster verhängt wurden - und damit auch der großartige Ausblick auf die Stadt. "Um besser arbeiten zu können, und damit sich Besucher auf unsere Arbeiten konzentrierten und nicht auf die Stadtaussicht." Am 20.06.2016 leitet Stefan Schneider eine Künstlerführung durch die Ausstellung für Hilla Becher.

Aus der Serie "Köln am Dom": Ursulastraße, 1996. Architekturfotografie im Stil von Bernd und Hilla Becher - hier von Volker Döhne - funktioniert nicht nur mit Industriebauten.

O.T. (Pirmasens I) 2, 2013. Götz Diergarten sieht sich selbst ebenfalls ganz klar in der Tradition seiner Lehrer. Deutschlandradio Kultur zitierte Diergarten nach dem Tod Hilla Bechers im Oktober 2015 mit den Worten, er sei "im Kunstmarkt klar erkennbar als Becher-Schüler. Nicht in dem Sujet, sondern wie ich arbeite: Einfach der typologische Ansatz, in Serien zu arbeiten bei bedecktem Himmel. Ich mache das für die Farben, Bechers haben das für die skulpturale Wirkung der Schwarzweißaufnahmen gemacht. Da kann man schon sagen: klarer Becher-Schüler."

Hirschgeweih, Juli 2013, fotografiert von Edith Glischke. Für die Kölner Ausstellung baten die Ausstellungsmacher die Künstler darum, repräsentative Arbeiten als Exponate auszuwählen, die sie beispielsweise mit Hilla Becher besprochen hatten. "Alle haben Hilla Becher in besonderer Erinnerung und schätzen sie als gleichberechtigte Partnerin neben Bernd Becher."

ma.r.s.09, 2010. Thomas Ruff trat an der Kunstakademie die Nachfolge seiner Lehrer an: Er unterrichtete die sogenannte "Becher-Klasse" von 2000 bis 2006. Für seine "Stellar Landscapes" nutzte Ruff 60 Bilder, die die Nasa vom Mars gemacht hat.

Aus der Serie "Pictures from Utopia": Kraftwerk, 2003. Auch Thomas Neumann fotografiert in der Regel nicht selbst, sondern "recycelt" Bilder aus Magazinen und Zeitschriften. Die gut 200 Exponate der Ausstellung decken nicht nur vier Jahrzehnte ab, sondern auch eine große fotografische Bandbreite: Nahaufnahmen und Fernsichten, Schwarz-Weiß-Bilder, Farbaufnahmen und Collagen, monumentale Einzelbilder, kleinformatige Serien und planvoll gehängte Tableaus. Sie eint jedoch das Ziel, die Realität abzubilden, objektiv und mit einer gewissen Distanz - kurzum: mit "typologischem Blick".

Stand: 10.06.2016, 16:23 Uhr