Erste Sahne: Vor 50 Jahren erscheint das Cream-Debüt

Erste Sahne: Vor 50 Jahren erscheint das Cream-Debüt

Von Ingo Neumayer

Zweieinhalb Jahre und vier Alben waren genug, um Cream zu einer der einflussreichsten Bands der Rockgeschichte zu machen. Am 9. Dezember 1966, also vor 50 Jahren, wurde das Debütalbum der Herren Bruce, Baker und Clapton veröffentlicht.

Cream

Schon Mitte der Sechziger hat Gitarrist Eric Clapton (Mi.) einen famosen Ruf: Er wird bewundert für sein Spiel bei den Yardbirds und John Mayall's Bluesbreakers, Fans sprühen das Glaubensbekenntnis "Clapton is God" an mehrere U-Bahn-Eingänge in London. Doch Clapton hat Lust auf etwas Neues. Da trifft es sich gut, dass Drummer Ginger Baker (li.) und Bassist Jack Bruce (re.) im Sommer 1966 ebenfalls nach einer neuen Betätigung suchen.

Schon Mitte der Sechziger hat Gitarrist Eric Clapton (Mi.) einen famosen Ruf: Er wird bewundert für sein Spiel bei den Yardbirds und John Mayall's Bluesbreakers, Fans sprühen das Glaubensbekenntnis "Clapton is God" an mehrere U-Bahn-Eingänge in London. Doch Clapton hat Lust auf etwas Neues. Da trifft es sich gut, dass Drummer Ginger Baker (li.) und Bassist Jack Bruce (re.) im Sommer 1966 ebenfalls nach einer neuen Betätigung suchen.

Auch die beiden mischen bereits kräftig in der britschen Blues-, Jazz- und Rockszene mit. Bruce war unter anderem bei Manfred Mann, Baker bei der Graham Bond Organisation. Die Bandgründung von Cream wird entsprechend mit viel Aufmerksamkeit bedacht. Aufgrund ihrer bereits erworbenen Meriten gelten Clapton, Bruce und Baker als erste "Super-Group" der Rockgeschichte.

Und die Vorschusslorbeeren sind tatsächlich verdient. Schon bei den ersten Konzerten wird den Zuschauern klar: Hier geschieht etwas ganz besonderes. Vor allem die weitläufigen Improvisationen des Trios auf der Bühne sorgen für offene Münder: So etwas kannte man bis dato nur aus dem Jazz. Bass, Gitarre und Schlagzeug agieren bei Cream gleichberechtigt, jeder der drei Musiker bekommt die Möglichkeit, sich mit seinem Instrument auszutoben.

Allerdings sind die ausufernden Versionen von frühen Cream-Songs wie "Spoonful" oder "Toad" auch ein bisschen aus der Not geboren. Die Musiker haben zu wenig Songs im Repertoire, müssen aber laut Vertrag eine vorgeschriebene Zeit auf der Bühne verbringen. Also lassen sie ihrem Improvisationsgeist freien Lauf. Und da Baker und Bruce an ihren Instrumenten genauso versiert sind wie "Mr. Slowhand" Clapton, entstehen bei den Cream-Konzerten magische Momente am laufenden Band.

Am 9. Dezember 1966, keine fünf Monate nach dem ersten Auftritt, erscheint in Großbritannien das Cream-Debüt "Fresh Cream". Zur einen Hälfte besteht es aus Blues-Coverversionen, zur anderen aus Eigenkompositionen. Auf der Rückseite des Albums werden die Musiker als "musikalische Giganten" und in den höchsten Tönen gepriesen: Baker sei "einer der großartigsten Drummer in Europa", Bruces Bassspiel "revolutionär", und Clapton werde ohnehin "landauf, landab als brillant gepriesen". Das klingt zwar etwas aufdringlich und nach Selbstbeweihräucherung, ist aber im Grunde nichts als die Wahrheit.

"Fresh Cream" erscheint wenige Monate nach "Revolver" von den Beatles und dem "Pet Sounds"-Album der Beach Boys. Mit diesen drei Platten hat in der Rockmusik die Ära des Albums begonnen. Einzelne Songs und Singles verlieren an Bedeutung, stattdessen wird das Album als Gesamtkunstwerk zur beherrschenden Norm.

Schon im Mai 1967 geht es wieder ins Studio. In nur fünf Tagen nehmen sie ihr zweites Album, "Disraeli Gears", auf, das weltweit für Aufsehen sorgt. Das Album verkauft sich millionenfach, und das auf beiden Seiten des Atlantiks. Kein Wunder: Bruce, Baker und Clapton schlagen eine Brücke zwischen traditionellem amerikanischem Blues und dem gerade in England aufkommenden Psychedelic Rock.

Cream begeistert nicht nur die Kritiker, sondern auch die breite Masse. Denn neben all der Virtuosität, die die Experten beeindruckt, schreiben die Drei auch richtige Hits. Songs wie "Sunshine Of Your Love", "White Room" oder "I Feel Free" stürmen die Charts und werden zu Klassikern, die bis heute nichts von ihrer Wucht und Brillanz verloren haben.

Aber der Erfolg kann nicht über die Probleme hinwegtäuschen. Denn es knirscht im Getriebe zwischen den Mitgliedern. Vor allem Ginger Baker und Jack Bruce können sich nicht ausstehen und geraten immer wieder aneinander. Oft geht es dabei um vermeintliche Nichtigkeiten wie die Frage, ob Bruce seinen Verstärker auf der Bühne zu laut aufdreht. Clapton steht dann meist dazwischen und versucht zu schlichten und zu vermitteln.

Doch auch Clapton hat irgendwann genug von den Streitereien. Außerdem ist ihm mal wieder danach, neue musikalische Territorien zu erkunden. Also beschließen die Drei im Mai 1968, keine zwei Jahre nach der Gründung, Cream aufzulösen.

Es folgen eine Abschiedstour und ein letztes Album, das treffend "Goodbye" betitelt wird. Am 25. und 26. November 1968 spielen Bruce, Baker und Clapton zwei Abschiedskonzerte in der Londoner Royal Albert Hall.

Cream sind damit Geschichte, doch ihr Einfluss ist weiter riesig: Egal ob Psychedelic-Rocker wie Iron Butterfly, Hardrock-Superstars wie Led Zeppelin oder Progressive-Gruppen wie Rush - die meisten Bands, die sich in den folgenden Jahren eine Gitarre greifen, beziehen sich auf Cream.

Auch die Etablierung des Trios als gängiges Rockformat geht auf Creams Konto und wird später von so unterschiedlichen Acts wie The Police, ZZ Top oder Emerson, Lake And Palmer fortgeführt.

Nach dem Ende von Cream spielen Clapton und Baker noch kurz zusammen bei Blind Faith, danach trennen sich die Wege endgültig. Baker wandert für ein paar Jahre nach Nigeria aus, entwickelt eine Leidenschaft für Polo, züchtet Oliven und spielt auf Dutzenden Platten und mit so unterschiedlichen Künstlern wie Fela Kuti, Johnny Rotten, Bill Frisell und Gary Moore. Jack Bruce erkundet in diversen Formationen und mit Musikern wie Lou Reed und Frank Zappa die Grenzbereiche zwischen Rock, Jazz und Blues. Und Eric Clapton?

Als einziger der drei Cream-Musiker hat er dauerhaften Erfolg nach dem Ende der Band, egal ob in anderen Bands oder als Solokünstler. "After Midnight", "Layla", "Wonderful Tonight", "I Shot The Sheriff", "Cocaine" oder "Tears In Heaven" - die Liste seiner Hits ist lang.

2005 reformieren sich Cream nach 37 Jahren Funkstille und spielen insgesamt sieben Konzerte in London und New York. Die Gründe sind angeblich vor allem finanzieller Natur: Bruce und Baker können nach jahrelanger Drogensucht mal wieder richtig die Kasse klingeln lassen, und da will auch Clapton das Ganze nicht scheitern lassen. Die Fans feiern, aber zwischen Bruce und Baker kommen schnell die alten Animositäten wieder auf. Deshalb ist das Cream-Comeback auch nur von kurzer Dauer.

Mit dem Tod von Jack Bruce, der am 25. Oktober 2014 stirbt, ist endgültig klar: Cream wird es – zumindest auf der Bühne – nicht mehr geben. Aber die Aufnahmen der Band sind ein mächtiges Vermächtnis, das auch noch 50 Jahre nach der Bandgründung zeigt, wie zeitlos gute Rockmusik klingen muss.

Stand: 09.12.2016, 00:00 Uhr