Pina Bausch bewegt die Bundeskunsthalle

Pina Bausch bewegt die Bundeskunsthalle

Von Thomas Köster

Pina Bausch im Museum? Geht das überhaupt? Die Bundeskunsthalle wagt ab Freitag (04.03.2016) den Versuch. Nicht nur mit starren Fotos. Und mit einem wahrhaft bewegenden Begleitprogramm.

Wilfried Krüger: Porträt Pina Bausch

"Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt." Unter diesem Motto revolutionierte die 1940 in Solingen geborene Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ab den 70er Jahren von Wuppertal aus das moderne Tanztheater.

"Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt." Unter diesem Motto revolutionierte die 1940 in Solingen geborene Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ab den 70er Jahren von Wuppertal aus das moderne Tanztheater.

Die Bundeskunsthalle will Bauschs Schaffen "erstmals in Form einer Ausstellung erfahrbar" machen. Was bei einem Oeuvre, das sich vor allem aus dem Zusammenspiel choreografierter Bewegungsabläufe speist, naturgemäß schwierig ist. In der Schau sind deshalb nicht nur Fotos oder Programmhefte zu sehen, sondern auch 18 Filme aus allen Schaffensperioden.

Die Dokumente beleuchten Bauschs Werdegang, illustrieren ihre Arbeitsweise und nehmen Motive und Inspirationen in den Blick. Dabei wird deutlich, wie persönlich Pina Bausch ihre Stücke wie "Café Müller" oder "Água" im Austausch mit ihrem Ensemble ausgearbeitet hat. Hier die Proben zu "Nelken" im Palais des Papes, Avignon (1983).

Dabei stand nie die Choreografie, sondern immer der unmittelbare Ausdruck im Zentrum. "Ich wollte immer nur tanzen. Wenn ich choreografiert habe, dann ging es darum, dass ich in diesen Choreografien etwas tanzen konnte, was mir wichtig war.“ Hier tanzt Bausch in einem Kostüm des Malers Ellsworth Kelly 1960 in dem Stück "Tablet". Ein Jahr später erhielt sie ein Engagement an der Metropolitan Opera in New York.

Zentrum der Ausstellung ist ein originalgetreuer Nachbau der legendären "Lichtburg": Das ist jener Proberaum in einem alten Wuppertaler Kino, in dem Pina Bausch den größten Teil ihrer Stücke gemeinsam mit ihren Tänzerinnen und Tänzern erarbeitete. So wie hier Ende der 70er Jahre.

In der Bundeskunsthalle aber wird die "Lichtburg" zu jenem Raum, in dem sich die Starrheit der Exponate in Bewegung auflöst. Hier sollen Mitglieder des Tanztheater Wuppertal den Besuchern in täglich stattfindenden Performances, Tanz-Workshops, öffentlichen Proben oder Gesprächen vermitteln, was Bauschs Faszination bis heute ausmacht.

Die Ergebnisse der Arbeit von Pina Bausch sind ohnehin im Tanztheater Wuppertal noch erlebbar. Wer sich also von der erstaunlichen Frische und Lebendigkeit der Stücke wie "Vollmond" (Foto) verzaubern lassen will, kann das zum Beispiel im April wieder tun. Oder er folgt dem Esemble nach Adelaide, Wellington oder Paris auf Tournee.

Die Ausstellung "Pina Bausch und das Tanztheater" ist noch bis zum 24. Juli 2016 in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist ein äußerst lohnender Begleitband mit Interviews und Reden der Ausnahme-Künstlerin erschienen.

Stand: 03.03.2016, 09:58 Uhr