Lust und Leid des Onlineflirtens

Szene aus "Gut gegen Nordwind"

Lust und Leid des Onlineflirtens

Von Stefan Keim

Die Gruppe "austroPott" spielt eine Bühnenfassung von Daniel Glattauers Bestseller "Gut gegen Nordwind". Katja Heinrich und Harald Schwaiger glänzen in dieser witzigen und gefühlvollen Liebesgeschichte.

Lust und Leid des Onlineflirtens

WDR 4 Gut zu wissen | 09.02.2017 | 02:45 Min.

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"Gut gegen Nordwind"

Die Roman-Vorlage "Gut gegen Nordwind" des österreichischen Autors Daniel Glattauer wird als moderner Briefroman gehandelt, der mit ihm gemeinsam zur Bühnenfassung umgeschrieben wurde: ein Online-Liebesabenteuer auf der Bühne.

Szene aus "Gut gegen Nordwind"

Leo Leike gerät durch Zufall an eine Mail von Emmi Rothner, die ihm gänzlich unbekannt ist. Er schreibt ihr aus Höflichkeit zurück.

Leo Leike gerät durch Zufall an eine Mail von Emmi Rothner, die ihm gänzlich unbekannt ist. Er schreibt ihr aus Höflichkeit zurück.

Sie fangen an sich regelmäßig zu schreiben. Gezeigt wird auf der zweigeteilten Bühne die Wohnung von Emmi auf der einen Seite und den Lebensraum von Leo auf der anderen Seite.

Leo und Emmi kommen sich auf seltsame Weise immer näher. Aber von einem Treffen sehen sie ab: Emmi ist verheiratet, Leo lebt in Trennung.

Leo Leike wird gespielt von Harald Schwaiger, der es gemeinsam mit seiner Bühnenpartnerin schafft, geschriebenen Liebesmails Leben einzuhauchen.

Katja Heinrich spielt die Emmi, die versehentlich immer wieder Mails an Leo Leike schickt, um ihr Abo der Zeitschrift "Like" zu kündigen.

Nähe durch Schreiben

Sie schreiben sich nur. Und sehen sich nicht. Erst gegen Ende sprechen sie sich kurze Nachrichten auf den Anrufbeantworter. Und dennoch geraten Emmi und Leo in heftige Gefühlsverwirrungen. Daniel Glattauer erzählt in "Gut gegen Nordwind" die Onlinebeziehung von zwei fremden Menschen. Vielleicht kommen sie sich über das Schreiben näher als sie es in Wirklichkeit je geschafft hätten.

Österreicher + Ruhrpottler = autroPott

Die Gruppe "austroPott" hat den Bestseller im Dortmunder U nun auf die Bühne gebracht. Der seltsame Name beruht darauf, dass Schauspieler aus Österreich im Ruhrgebiet hängen blieben und sich mit Eingeborenen zusammen taten. Die Stimmung ist anders als sonst im Theater, herzlicher und offener. Die Schauspieler begrüßen die Zuschauer persönlich, sind auch in der Pause immer da. Und man darf Getränke mit in den Saal nehmen.

Unterhaltung ohne Angucken!

Nun könnte man ein Stück, das nur aus E-Mails besteht, einfach vorlesen. Das tun Katja Heinrich und Harald Schwaiger keineswegs. Schnell lösen sie sich von ihren Laptops und sprechen die Texte wie Dialoge. Im Gegensatz zu Briefen schreibt man Mails ja auch schneller und nahe an der Alltagssprache. Ansehen dürfen sich die beiden Schauspieler aber nicht.

Zweigeteilte Bühne

So entsteht ein besonderer erotischer Sog. Die Bühne ist zweigeteilt. Links wohnt Emmi, rechts Leo. In der Mitte stoßen ihr Bett und seine Couch aneinander. Manchmal sitzen sie beide dort, die Köpfe Millimeter voneinander entfernt. Oft sprechen sie davon, wie es wäre, sich mal zu treffen. Aber irgendetwas steht dem immer entgegen. Bis sie sich kurz vor Schluss doch einmal verabreden.

Charmantes Stück mit sympathischen Mimen

Katja Heinrich und Harald Schwaiger spielen sympathisch und locker. Man spürt, dass fast alle Zuschauer beide mögen und sich ein glückliches Ende wünschen. Wie Glattauers Vorlage pendelt auch das Theaterstück zwischen Humor und Dramatik, Temperament und Traurigkeit. Wundervolle Unterhaltung mit gelegentlichem Tiefgang. Und dem besonderen Charme, der entsteht, wenn Österreicher und das Ruhrgebiet aufeinander treffen.

Die nächsten Vorstellungen:
11., 15., 18., 19. Februar 2017
4., 5., 18., 19. März 2017
jeweils um 19.30 Uhr und sonntags um 19.00 Uhr

Adresse:
RWE-Forum im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse
44137 Dortmund

Karten:
0159 – 03158179

Stand: 09.02.2017, 00:00