Duisburger Akzente starten

Duisburger Akzente starten

Von Claudia Friedrich

Revolution, Reformation, Revolte liefern seit Freitag den Hintergrund für das spartenübergreifende Kulturfestival "Duisburger Akzente". Unter dem Motto "Umbrüche" stehen mehr als 100 Veranstaltungen auf dem Programm. Claudia Friedrich wagt den Bruch.

Duisburg Ruhrorter Becken

In der Schwebe
Zum 38. Mal ankern die Duisburger Akzente in der Stadt am größten Binnenhafen der Welt. Ihr diesjähriges Motto widmet sich den Umbrüchen. Kaum eine Architektur symbolisiert den Umbruch wie ein Hafen. Auch die Duisburg Ruhrorter Becken sind Umschlagplätze, an denen 30 Meter hohe Kräne Seecontainer zwischen Schiff und Hafen manövrieren.

In der Schwebe
Zum 38. Mal ankern die Duisburger Akzente in der Stadt am größten Binnenhafen der Welt. Ihr diesjähriges Motto widmet sich den Umbrüchen. Kaum eine Architektur symbolisiert den Umbruch wie ein Hafen. Auch die Duisburg Ruhrorter Becken sind Umschlagplätze, an denen 30 Meter hohe Kräne Seecontainer zwischen Schiff und Hafen manövrieren.

In der Zukunft
Sie leben 2047. Sie sind Floßnomaden. Sie schreiben Tagebücher. Sie sind Chronist, Chronistin ihrer Zeit: Winema und Lukon, gespielt von Jana Reiß und Maximilian Strestik. Sie stehen vor der Kulisse des Live-Paintings von Luan Xiaochen, in dem Hörspiel-Theater-Konzert-Video-LivePainting-Stück von Anja Schöne und Thorsten Töpp. Ihr Zukunftslabor liegt im Duisburg-Ruhrorter Lokal Harmonie.

Im Gefühl
Malerische Improvisationen bringt der chinesische Künstler Luan Xiaochen aufs Papier, die im Moment des Entstehens abgefilmt und auf die Leinwand übertragen werden.

Im Klang
2047- oder Am Anfang aller Tage ist das fünfte Projekt, das Thorsten Töpp zusammen mit Anja Schöne auf die Beine stellt. Der Musiker, Gitarrist und Komponist legt unter das Stück Klangteppiche und sorgt für tonale Umbrüche, nicht zuletzt durch Arrangements, Blockflötenensembles und mit den Soundscapes eines Saxophonisten.

In der Regie
Anja Schöne steht am Lokal Harmonie, einer Kreativzelle in Duisburg Ruhrort. Anja Schöne zieht Fäden mit Folgen. Die Regisseurin, Autorin und Theatermacherin schrieb die Texte für die Flussnomaden. Eine junge, internationale "Zweckgemeinschaft" in einer Zeit nach Hochleistungsgesellschaft, Populismus, Umweltzerstörung. Eine Umbruchgeschichte, surreal und poetisch.

In der Spur
Ein Portalkran rangiert durch einen Terminal im Duisburger Binnenhafen. Häfen sind Metaphern, sind Mythen, sind Passagen. Hier werden Güter umgeschlagen, Huren gekauft, Verbrechen begangen. Im Duisburger Hafen zog Kommissar Schimanski durch dunkle Kneipen. Häfen sind Orte, an denen Flüchtlinge von Bord und Abenteuer Suchende an Bord gehen.

In zwei Welten
In Duisburg-Ruhrort, in einem schmalen, hohen Mietshaus lebt Thomas Frahm viele Leben. Thomas Frahm ist Übersetzer, Publizist, Schriftsteller, Essayist. Sein Zimmer dient dem Schlaf, der Arbeit, dem Bücher Verlegen. Seit 2014 betreibt er den Chora-Verlag, veröffentlicht Literatur bulgarischer Autoren und Texte über Bulgarien. 15 Jahre lebte Thomas Frahm in dem Balkanland, spricht die Sprache, kennt die Brüche, privat wie politisch. "Der Bruch besteht aus zwei Hälften. Ich hatte einen Umbruch in meinem eigenen Leben, ging nach Bulgarien und fing auf der anderen Seite der Bruchstelle neu an." Den Duisburger Akzenten fügt er einen eher unterbelichteten Akzent hinzu, eine literarische Reise in ein Land, das der Westen kaum kennt. Abgesehen von den 8.000 bulgarischen Migranten, die allein in Duisburg leben.

Im Kreativrausch
"
Duisburg ist eine Drehscheibe für Ideen." Maximilian Bilitza: Performer, Regisseur, Choreograph, Kulturmanager. Geboren in Duisburg. Seit zehn Jahren reist er ostwärts, besuchte Duisburgs Partnerstadt Perm und Vilnius, Litauens Hauptstadt. Für die 38. Akzente initiierte und kuratierte Max Bilitza die Gruppenausstellung junger Kunstabsolventen aus Vilnius. Die Aussage einer litauischen Malerin wurde zum Titel: "I was born in a country that no longer exists."  

Im Konflikt
Theater Duisburg. Unterm Dach, im Foyer III probt Hanna Kertesz einen Monolog, den sie im Rahmen des Akzente-Theatertreffens aufführen wird. Hanna Kertesz spielt Sophie Scholl. "Etwa verwandt mit der Sophie Scholl? 
Nein." Sophie ist Jurastudentin, keine Ikone, ist eine junge, lebenslustige Frau. Ihr Problem: der Name. "Ich heiße Sophie Scholl. Kenne den Blick, der folgt. Sage: Genau.
 Sophie Scholl wie Sophie Scholl." Hanna Kertesz verkörpert die Titelfigur in dem Ein-Personen-Stück von Rike Reiniger. Die Schauspielerin selbst ist Psychologiestudentin und ein engagiertes Mitglied bei Spieltrieb, der Jugendtruppe im Theater Duisburg.

Im Fluss
Der 301 Jahre alte Ankerort an der Ruhrmündung bildet die Kulisse für die 38. Duisburger Akzente. Den Hintergrundsound des internationalen Kulturfestivals liefern Revolution, Reformation, Revolte. Russland im Oktober 1917, Wittenberg im Oktober 1517, Berlin im Juni 1967. Ereignisse, die symbolhaft für Umbrüche stehen. Umbrüche sind keine Naturgewalten. Umbrüche sind Ausdruck menschlichen Zusammenlebens, das alles andere als statisch ist. Umbrüche haben Folgen. Aber welche?

Stand: 10.03.2017, 10:05 Uhr