"Die Blume von Hawaii": Südseesongs und gute Laune in Dortmund

Gaines Hall (Jim Boy), Emily Newton (Suzanne Provence), Ensemble

"Die Blume von Hawaii": Südseesongs und gute Laune in Dortmund

Von Stefan Keim

Die Oper Dortmund zeigt Paul Abrahams sprudelnde Jazzoperette "Die Blume von Hawaii". Die Aufführung erzählt aber auch vom tragischen Leben des Komponisten auf der Flucht vor den Nazis.

Südseesongs und gute Laune

WDR 4 Gut zu wissen | 16.02.2017 | 02:34 Min.

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Südsee-Feeling inklusive

Laya soll zur Königin von Hawaii gekrönt werden. Und einen Prinzen heiraten, den sie gar nicht kennt. Weil die beiden schon als Kinder verlobt wurden. Die Überraschung ist: Die beiden verlieben sich wahrhaftig. Und bringen damit die Gefühle einiger anderer Leute durcheinander.

Spaß auf der Bühne schwapppt über

Bühnenszene der Operette "Die Blume von Hawaii"

Das Ensemble tanzt und singt eindrucksvoll und hinreißend

Die Handlung von Paul Abrahams Jazz-Operette "Die Blume von Hawaii" sollte man nicht zu ernst nehmen. Obwohl einige politische Anspielungen darin stecken. Doch in erster Linie geht es darum, einen Rahmen für gepfefferte und übermütige Gesangs- und Tanznummern zu liefern.
Das Ensemble der Oper Dortmund begeistert mit Frische, Fröhlichkeit und großer Lebendigkeit. Alle sind ständig in Bewegung, keiner steht rum. Emily Newton spielt eine Doppelrolle als Prinzessin Laya und dekadente Sängerin Suzanne Provence mit überwältigender Spiellust und beweglichem, traumschönem Sopran.

Passende Abwandlungen

Emily Newton (Suzanne Provence), Ensemble in "Die Blume von Hawaii"

Abwechslungsreich und bunt inszenierte Jazz-Operette

Aber Regisseur Matthias Enzinger will mehr als pure Unterhaltung. In einer neu erfundenen Rahmenhandlung schickt er den Komponisten Paul Abraham (Mark Weigel) selbst auf die Bühne. Abraham kommentiert die Handlung, erzählt aber auch von seinem eigenen Leben. Er war der Operettenkönig von Berlin und floh vor den Nazis quer durch Europa bis in die USA. Abraham war ein Leben in Luxus gewöhnt und schließlich fühlte er sich wie ein Außenseiter. Das berühmte Lied "Bin nur ein Jonny", in dem ein schwarzer Sänger den Rassismus beschreibt, passt auch auf den Komponisten. In der Dortmunder Aufführung singen es beide zusammen, ein sehr berührender Moment.

Ein unvergesslicher Abend

Selten passen schwungvoller Spaß und politische Botschaft zusammen in einen Theaterabend. Der Oper Dortmund ist genau das gelungen. Der grandiose Steptänzer und Musicaldarsteller Gaines Hall als Jim Boy ragt aus dem ausgezeichneten Ensemble heraus. So funktioniert Operette heute!

Stand: 16.02.2017, 00:00