Zauberhafte Automaten - Die wundersame Wirkung von Musikautomaten

Zauberhafte Automaten - Die wundersame Wirkung von Musikautomaten

Zauberhafte Automaten - Die wundersame Wirkung von Musikautomaten

Von Monika Buschey

Wie korrespondiert der Klang gesprochener Worte mit einer Skala von Tönen, die mechanisch erzeugt werden? Das Hörbuch versammelt eindrucksvolle Beispiele, die dieser Frage auf den Grund gehen. Eindrücke aus einer faszinierenden Welt.

Zauberhafte Automaten
Die wundersame Wirkung von Musikautomaten

Gestaltet von Olaf Reitz, Franz Tröger, Thomas Beimel
Valve-Records 6687
1 Audio-CD

Die wundersame Wirkung von Musikautomaten hat die Menschen von jeher fasziniert. Was spielt sich da ab, wenn der Raum auf geheimnisvolle Weise von Klängen vibriert, ohne dass zu sehen wäre, wie da einer Hand anlegt an ein Instrument. Dieses Hörbuch geht der Wechselwirkung von musikalischem Spiel und mechanischem Ablauf nach, die Sprache und auf Lochstreifen festgehaltene Klangmuster verbinden sich zu einer reizvollen Poesie.

Zauberklänge

Für einen Schauspieler gibt es auf der Bühne drei Konkurrenten, gegen die er keine Chance hat und die ihn immer an die Wand spielen werden: Kinder, Tiere – und Spieluhren.

Unmerklich spitzen sich die Ohren, wenn Zauberklänge den Raum füllen, deren Herkunft und Zustandekommen sich der Lauschende nicht sofort erklären kann. Seit ihrer Erfindung im erfindungsfreudigen 18. Jahrhundert faszinieren mechanische Musikinstrumente große und kleine Menschen gleichermaßen.

Mechanische Kunstwerke

Der Schauspieler Olaf Reitz gewinnt dem Zusammenspiel von Wort und Klang überraschende Seiten ab. Und natürlich hat er unter den Dichtern viele gefunden, deren Wortmelodien sich auf die mechanische Musik beziehen und sie beschrieben.

"Sie sind doch wohl Liebhaber von mechanischen Kunstwerken? Nun, Sie finden bei mir, was sie in ganz Europa, ja, in der ganzen bekannten Welt vergebens suchen."

Ein seltsamer Professor

E.T.A. Hoffmann, Komponist und Poet, hat ein besonders Faible für alles Skurrile, für Kunst und Künstliches, beseelte Puppen und dem Leben nachgebildete Figuren aller Art. Ein seltsamer Professor mit verräterisch knarrender Stimme führt in der Geschichte von Hoffmann durch sein Kabinett.

"Der Professor ging flüchtig an den Spieluhren vorüber und berührte kaum merklich die Automate. Dann setzte er sich an den Flügel und fing pianissimo ein marschmäßiges Andante an. Bei der Reprise setzte der Flötenbläser die Flöte an den Mund und spielte das Thema. Nun paukte der Knabe richtig im Takte ganz leise auf der Trommel, indem der andere eine Triangel kaum hörbar berührte."

Schließlich legt das ganze Orchester los, fortissimo nunmehr, und den Zuhörern, die Hoffmann beschreibt, wird es ein wenig unheimlich zumute.

"Die Dämmerung war eingebrochen. Der Professor verschwand in den Hecken. Und die Töne erstarben im pianissimo."

Klangbeziehung

Das PoetOmobil mit Olaf Reitz und Thomas Beimel

Olaf Reitz und Thomas Beimel

Zusammen mit Franz Tröger und Thomas Beimel – die die Musik für Spieluhren eingerichtet haben – hat Olaf Reitz Texte und Klänge in Beziehung gesetzt. Und während die mechanischen Melodien sich entfalten, kann man die Geschichten im Kopf nachklingen lassen.

Melzel

Ein Text aus den „Vaterländischen Blättern für den österreichischen Kaiserstaat“, erschienen im Juni 1808, erzählt von einem Baumeister, der sein Leben ganz den mechanischen Musikinstrumenten widmete.

"Melzel wurde zu Regensburg im Jahre 1776 geboren, wo sein Vater Orgel- und Instrumentenbauer war. Dieser entdeckte schon im 6jährigen Kinde die Neigung und das Talent zur Musik und ließ ihn das Klavier und die Violine spielen lernen."

Der Junge machte Karriere und versetzte auf weiten Reisen die Menschen allerorten in Erstaunen.

"Menzel begab sich mit seinem großen Pan-Harmonikum nach Paris, wo es mit so großem Entzücken und Enthusiasmus aufgenommen wurde als der Künstler selbst. Man fand die Struktur und Wirkung dieses Werkes so höchst seltsam, dass man sogar an der Redlichkeit des Künstlers zu zweifeln anfing und behauptete, er habe in dieser Maschine Menschen verborgen, welche die Instrumente darin spielten."

Umfrage

Noch dichter gestaltet sich das Zusammenspiel von Wort und Klang im Gedicht-Zyklus "Umfrage", wo beide Ebenen unmittelbar aufeinander abgestimmt sind.

"Ist die Zukunft für Sie gegenwärtig? Ist sie eine Decke, an die Sie stoßen? Ist sie was anderes? Ist sie vertraut? Wenn sie sich zu breit macht, wo tun Sie sich dann hin?"

Der künstliche Kopf

Olaf Reitz kostet beim Vorlesen die stilistischen Eigenheiten bei jedem Autor aus, ob er das Märchenhafte bevorzugt oder den skurrilen Ton. Christian Morgenstern, nichts anderes haben wir von ihm erwartet, hat Spaß an der grotesken Seite des Themas und lässt uns daran teilhaben.

"Jedermann ist ein Narr, der sich nicht einen künstlichen Kopf anschafft. Der künstliche Kopf wird über den natürlichen gestülpt und gewährt diesem gegenüber folgende Vorteile: des Schutzes gegen Regen, Wind, Sonne, Staub, kurz alle äußeren Unbilden, die den natürlichen Kopf ohne Ende belästigen und von seiner eigentlichen Beschäftigung, vom Denken, abhalten."

Schwelgen im Klang

Der sehr spezielle Zugang zur Literatur - einer Literatur, die sich wiederum einem hochspeziellen Thema widmet - das ist gefundenes Fressen für den speziell interessierten und vergnügungsorientierten Hörer. Hier kann er schwelgen: In Wort und Klang.

Reitz, Tröger, Beimel: "Zauberhafte Automaten"

WDR 3 Mosaik | 05.01.2017 | 05:38 Min.

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Stand: 03.01.2017, 12:43