Bibliotheken gehen social

Collage: Bücherregal / Wibke Ladwig

Bibliotheken gehen social

Beim Deutschen Bibliothekartag in Frankfurt sprechen die Teilnehmer in diesen Tagen darüber, wie Bibliotheken in der digitalen Welt bestehen können. Indem sie lernen, wie sie Facebook und Twitter nutzen, sagt die Kölner Social-Media-Beraterin Wibke Ladwig. Sie hat 13 NRW-Bibliotheken auf diesem Weg begleitet.

WDR 3: Frau Ladwig, sie coachen Bibliotheken bei der Nutzung von Sozialen Medien. Warum sind Facebook und Twitter so wichtig für diese Einrichtungen?

Bibliotheken sind wichtige Orte, um die Zivilgesellschaft zu stärken – durch die Angebote, die sie machen. Es sind offene, nicht kommerziell genutzte Räume, zu denen jeder Zugang hat. In Deutschland haben wir aber die Situation, dass nur ungefähr 30 Prozent aller Menschen Bibliotheken nutzen. Das ist im europäischen Vergleich sehr wenig, und ich halte Soziale Medien für ein gutes Instrument, um die Bibliotheken näher zu den Menschen zu bringen. Darüber hinaus können sich die Einrichtungen im Internet stärker vernetzen – mit den verschiedensten Protagonisten, die, ebenso wie die Bibliotheken, Kultur und Bildung zum Thema haben.

Digitale Kommunikation für öffentliche Bibliotheken

13 Bibliotheken haben an dem zweijährigen Qualifizierungsprogramm "Digitale Kommunikation" von der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW teilgenommen - unter anderem in Bielefeld, Oberhausen und Leverkusen. Als Coaches begleiteten Christoph Deeg und Wibke Ladwig die #BibReise. Das Projekt wird bei Twitter unter den Hashtags #Bibreise und #LernortBib dokumentiert.

WDR 3: Haben sich die Bibliotheken tatsächlich im digitalen Ödland befunden, bevor Sie mit Ihrer Mission dort gestartet sind?

Es gab durchaus Bibliotheken, die vorher schon eine Facebook-Seite betrieben oder vielleicht etwas bei Youtube hochgeladen hatten. Dabei wurden einige von ihren Kommunen sehr stark unterstützt; mit der Einrichtung von W-Lan und der Einführung von Dienst-Smartphones. Damit sind die Einrichtungen überhaupt erst in die Lage versetzt worden, Social Media zu leben. Aber es gab auch Bibliotheken, die noch gar nichts in Netz gemacht hatten. Politik und Verwaltung sperren sich dort zum Teil gegen Twitter und Facebook, weil es dort immer noch als nicht wichtig erachtet wird.

WDR 3: Und was für Inhalte transportieren die Büchereien nun, nachdem sie sich gemeinsam mit Ihnen auf den Weg in den digitalen Raum gemacht haben?

The Place To Be

Bibliotheken machen im Netz PR

Instagram war für viele ein Schlüssel, um erst einmal Inhalte zu produzieren – ein Bild von einem neu eingegangenen Buch zu machen, es hochzuladen und ganz erstaunt festzustellen, dass andere das gut finden. Wenn derselbe Bestseller zur selben Zeit in ganz vielen Bibliotheken erscheint, verliert diese Vorgehensweise natürlich aber deutlich an Spannung. Daher geht es mehr darum, das gesamte Leben in der Bibliothek abzubilden. Ganz hervorragend hat das zum Beispiel die Bibliothek Bielefeld gemacht. Die hatte 2016 ihr 111-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass haben sie bei Instagram einen Countdown von 111 Tagen gemacht und haben sich für jeden Tag etwas Neues ausgedacht – mit Videos und kleinen selbst gebastelten Installationen.

Viele vernetzen sich mit der Buchblogger-Szene oder auch der Gaming-Szene. Andere gucken, dass sie sich im Netz mit Cosplayern vernetzen. Etliche Bibliotheken sind inzwischen auch bei Twitter, um sich vor allem untereinander zu vernetzen. Beispielsweise wird einmal im Monat unter #BibChatDE zu einem Thema untereinander getwittert. Einige haben auch eigene Hashtags etabliert, die ihnen zurück spiegeln können, was die Leute über die Bücherei posten. So kann man ja auf gewisse Weise Marktforschung betreiben und überprüfen, wie man von Nutzern der Bibliothek wahrgenommen wird. Man erfährt, welche Angebote gut ankommen und welche womöglich nicht. Die Follower-Zahlen haben sich bei insgesamt bei allen gut entwickelt – man hat also auf jeden Fall an Aufmerksamkeit gewonnen.

WDR 3: Ein Gewinn also für die Einrichtungen?

Ja, die Bibliotheken sind freier geworden. Sie waren ja in der Vergangenheit sehr abhängig von der örtlichen Berichterstattung. So aber haben die Bibliotheken jetzt ein eigenes Instrument, um von sich und der großen Bandbreite ihrer Angebote zu berichten.

Das Gespräch führte Nina Giaramita.

Stand: 01.06.2017, 09:00