Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles

Cover von Olivier Bourdeauts "Warten auf Bojangles"  vor einem Plattenspieler

WDR 2 Lesen

Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles

Von Christine Westermann

Die faszinierende Geschichte einer Familie, die den Himmel auf Erden hat, die das Leben feiert. Tanz, Cocktails, dazu Nina Simones Song. So viel Glück - man ahnt es - währt nicht ewig. Traurig und schön zugleich, eines jener seltenen Bücher, die einem noch lange im Kopf bleiben.

Olivier Bourdeaut - Warten auf Bojangles

WDR 2 Bücher | 02.04.2017 | 03:28 Min.

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Der Roman

spielt in Frankreich, erzählt von einer Familie - Vater, Mutter, Kind. Eine sehr verrückte, eine sehr glückliche Familie. Doch, das gibt es. Ein Mann, der seine Frau vergöttert, aber sich nicht zum Affen macht. Ein kleiner Junge, der seine Maman anbetet, weil sie ganz anders ist als andere Mütter, extravagant und unglaublich schön. Weil sie ihn liebt und er das zu jeder Sekunde spüren kann. Auch wenn Maman ihn, genau wie ihren Ehemann George, siezt. Der Ehemann nennt seine Frau stets anders, gibt ihr spätestens jeden zweiten Tag einen neuen Vornamen. Sie haben gemeinsam den Himmel auf Erden, geben fröhliche, rauschende Parties. Manchmal sind sie dabei nur zu dritt, manchmal feiern sie mit vielen anderen Menschen. Dabei tanzen sie zu dem einzigen Lied, das auf ihrem Plattenspieler laufen darf: Mr. Bojangles von Nina Simone. Und spätestens nach einem Drittel des Buches ahnt man, dass es mit soviel Glück nicht einfach die nächsten hundert Seiten weitergehen kann. Tut es auch nicht. Oder vielleicht doch?

Die Beurteilung

Christine Westermann vor einem Bücherregal

Christine Westermann

Ich werde einen Teufel tun und preisgeben, welche Katastrophe über das Leben dieser Familie hereinbricht. Ich will auch keine großen Worte machen, um zu beschreiben, warum mich dieser Roman so beeindruckt hat. Ganz sicher ist es auch die Sprache, sind es die Bilder, die der Autor malt. Sie sind üppig, aber nie überladen. Vor allem fasziniert die Geschichte dieser Familie. Ein Kritiker hat geschrieben: "Es ist ein Lebensmodell, auf das man neidisch schaut. Es bringt einen dazu, sich zu ärgern, dass man so ein Spießer ist." Neid und Ärger waren es bei mir weniger. Eher die stille Sehnsucht, so leben zu wollen. Sich nicht darum zu scheren, was andere denken könnten. So zu leben, wie es sich gut anfühlt. "Warten auf Bojangles" ist eines jener seltenen Bücher, die einem noch lange im Kopf bleiben. Ein Buch, von dem man weiß, dass man sich auch noch Monate später an Titel und Geschichte erinnern wird. Dass man es weiterempfehlen und verschenken wird. Das Buch hat ein trauriges Ende. Könnte man zunächst so sehen. Aber ganz am Ende klärt sich, warum dieser Roman überhaupt geschrieben wurde. Und das lässt schon fast wieder an ein Happy End denken.

Der Autor

Olivier Bourdeaut

Olivier Bourdeaut

Olivier Bourdeaut ist 37 Jahre alt. Sein Lebenslauf liest sich, als habe er nicht so recht gewusst, wohin mit sich. Er war Hausmeister, Erntehelfer, Immobilienmakler, arbeitslos. Zog sich zurück und begann zu schreiben. Sieben Wochen später war sein Debütroman fertig. Er schickt das Manuskript einem kleinen Verlag. Und dann das kleine Wunder: Es wird ein Buch daraus, das monatelang die Bestsellerlisten anführt, renommierte Preise gewinnt und in zwanzig Sprachen übersetzt wird. "Warten auf Bojangles" von Olivier Bourdeaut war die große Überraschung des französischen Literaturjahres.

Olivier Bourdeaut
Warten auf Bojangles
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492057820
Preis: 18 Euro

Stand: 02.04.2017, 00:00