Nicholas Searle - Das alte Böse

Cover Nicholas Searle "Das alte Böse", im Hintergrund der Eingang zu einem englischen Cottage

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Nicholas Searle - Das alte Böse

Von Udo Feist

Roy ist smart und über 70. Betty ist wohlhabend und Witwe. Roy führt Übles im Schilde. Und Betty scheint genau zu wissen, auf wen sie sich einlässt. Spannend: Wer zieht hier wen über den Tisch und wie?

Nicholas Searle - Das alte Böse

WDR 2 Krimitipp | 15.05.2017 | 02:36 Min.

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Mehr als nur Herzen brechen

Der Kater lässt das Mausen nicht: Roy, schon deutlich über 70, bricht zum Date mit der auch schon älteren Betty auf - nicht die erste Frau, die er über ein Internetportal kennengelernt hat. Zeitgemäß modern also, seine Ziele jedoch sind altbacken übel. Er ist einer von denen, die mehr als nur Herzen brechen. Einer aus der Kategorie Heiratsschwindler, Dandys, miese Snobs oder hinterhältige Witwentröster. Um was es ihm dabei genau geht – bloß Geld und wirtschaftlichen Vorteil, Macht und Bestätigung oder fiese Gelüste - bleibt in Nicholas Searles fesselndem Roman "Das alte Böse" fast bis zum Schluss unklar.

Einer, der Gelegenheiten erkennt

Man fürchtet das Schlimmste für Betty. Denn der smarte Roy ist einer von denen, die Gelegenheiten erkennen und mitnehmen, wie man so sagt. Ein waschechter Ganove also. Er zieht Frauen über den Tisch, aber auch Freunde und die eigene Familie. Und dass er dabei keine Skrupel hat, hält er für seine größte Begabung. Ein selbstgefälliger abgekochter Typ, der damit am Ende bisher immer gut da stand. Auch bei Betty glaubt Roy, leichtes Spiel zu haben.

Hinter der Fassade eines älteren jungen Pärchens

Doch Betty ist nicht ohne und scheint genau zu wissen, mit wem sie sich da eingelassen hat. Obwohl sie schon recht bald zusammenwohnen, weiß man noch lange nicht, um was es da hinter der Fassade des älteren jungen Pärchens eigentlich geht. Es entspinnt sich so ein fesselndes Spiel darum, wer die Oberhand behält. Zuerst ist man vor allem um Betty besorgt, fragt sich jedoch immer wieder, ob der selbstverliebte Snob nicht gerade in die Falle tappt. Aber welche Falle könnte das sein? Und im Hintergrund haben beide zudem Verbündete bei ihren Plänen.

Psychologischer Pfiff und starke Story

Bei Betty ist es der Enkel, der allerdings bei der Geschichte, die sie da gerade durchzieht, gehörig Angst um sie hat - was sich voll auf den Leser überträgt. Roy hilft ein Kumpel, mit dem er früher schon krumme Touren eingefädelt hat. Kurzum: Es gibt Spannung satt, nicht brachial, sondern sehr subtil. "Das alte Böse" (der Originaltitel lautet übrigens "The Good Liar" – zu deutsch "Der gute Lügner") ist ein Intrigenspiel, in dem es letztlich äußerst fesselnd um Macht geht, darum, wer am Ende die Oberhand behält. Betty und Roy lernen wir dabei in Rückblenden immer näher kennen. Doch wie die Geschichte am Ende ausgeht, ist dann trotzdem völlig überraschend. Ein Roman mit psychologischem Pfiff und starker Story.

Nicolas Searle
Das alte Böse
(Übers.: Jan Schönherr)
Kindler Verlag/Rowohlt
ISBN: 978-3463406671
19,95 Euro

Stand: 15.05.2017, 00:00