C.R. Neilson - Das Walmesser

Cover C.R. Neilson - "Das Walmesser", im Hintergrund die  Küste der Färöer-Inseln

WDR 2 Lesen

C.R. Neilson - Das Walmesser

Von Oliver Steuck

Ein Fremder ist in der Stadt. Er will auf den Färöer-Inseln ein neues Leben beginnen. Eines Morgens erwacht er mit einem blutigen Masser in der Tasche und ohne Erinnerung an den vorherigen Abend. Fesselnder Krimi vor urspünglicher Kulisse.

Der Hafen der Färörer-Hauptstadt Tórshavn: An einem sehr frühen Herbstmorgen kommt der Schotte John Callum in desolatem Zustand zu sich. Die Nacht muss wild gewesen sein. Er ist verkatert und durchnässt. In seiner Tasche findet er ein sogenanntes Walmesser. Das ist mit Blut beschmiert. Callum selbst hat aber weder Wunden, noch kann er sich an Details aus der Nacht erinnern. Kurz darauf wird ein Toter gefunden. Was geschehen ist und ob Callum zum Mörder wurde, ist aber erst 200 Seiten später wieder Thema. Erst dann geht es an die Hintergründe des Verbrechens und an dessen Aufklärung.

Neuanfang auf den Färöer-Inseln

Stattdessen springt die Handlung zunächst drei Monate zurück und beschreibt ausführlich, wie Callum auf den Färöern ankommt und versucht, hier heimisch zu werden. So viel ist klar, Callum hat ein Geheimnis und seine schottische Heimat sehr bewusst verlassen: In seiner Vergangenheit gab es etwas, was er hinter sich lassen will. Der Neustart auf den Färöer-Inseln ist aber nicht einfach. Die Inseln auf halber Strecke zwischen Norwegen und Island sind ein sehr raues und naturgewaltiges Fleckchen Erde, ihre Bewohner sehr speziell. Callum wird von Anfang an sehr misstrauisch beäugt und macht sich nicht nur Freunde. Mal schlägt ihm offene Feindschaft entgegen, mal passieren einfach nur sehr beunruhigende Dinge, die ihm zu verstehen geben sollen, dass er hier nicht gern gesehen ist.

Ursprünglich und gewaltig   

Die Färöer-Inseln mit ihrer teils ungezähmten Natur, ihrem unbeständigen Wetter, dem übersichtlichen Leben und der Art der Menschen sind sehr eigen und fast so etwas wie eine zweite Hauptfigur in diesem Buch. Ungemütlich und gleichzeitig faszinierend schön und beeindruckend sorgen sie für eine ganz besondere Atmosphäre und geben in Sachen düsterer Stimmung den Ton an. Eine eigene Welt, die man sich als Leser nach und nach erschließt – und zwar durch den Blick der eigentlichen Hauptfigur, John Callum, den geheimnisvollen Fremden, der vielleicht einen Mord begangen hat.

Ruhig, aber fesselnd erzählt

Auch wenn der Mord erst spät im Buch wieder in den Mittelpunkt rückt, "Das Walmesser" ist absolut fesselnd geschrieben. Autor C.R. Neilson nimmt sich zwar die Zeit, dass sich seine Geschichte in aller Gelassenheit entwickeln kann, versetzt seine Leser aber gleichzeitig in einen Zustand latenter Unruhe, die sich nach und nach steigert. Da sind auch die zahlreichen Beschreibungen von Landschaft und Wetter zwischendurch in keiner Sekunde langweilig. Neilson kennt sich mit Timing eben aus, denn er ist ein erfahrener Autor. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Craig Robertson, ein ehemaliger Journalist und jetzt Krimiautor aus Schottland. Ein paar seiner Bücher sind schon auf Deutsch erschienen, waren allerdings hier nicht sehr erfolgreich. Vielleicht klappt es ja mit diesem Buch und es ist für Neilson, oder auch Robertson, endlich der Durchbruch auch in Deutschland. Verdient hat er es.

C.R. Neilson
Das Walmesser
Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-41967-4
14,99 €
auch als e-Book erhältlich
Hörbuch erschienen bei Random House Audio

C.R. Neilson - Das Walmesser

WDR 2 Krimitipp | 16.01.2017 | 04:30 Min.

Download

Stand: 16.01.2017, 15:48