Buchhändler - ein Beruf stirbt aus

Auszubildende sortiert Bücher in ein Regal.

Buchhändler - ein Beruf stirbt aus

Von Susanne Wankell

Internet, große Filialisten oder die kleine Buchhandlung ums Eck - wo kaufen Sie Ihre Bücher? Die einen bestechen durch ihr unfassbares Angebot, die anderen durch persönliche Beratung und Kompetenz, vor allem in den kleineren Sortimentsbuchhandlungen. Doch die werden immer weniger.

Zahl der Auszubildenden geht zurück

Immer weniger Buchhandlungen bilden aus - sie überlassen den Nachwuchs lieber den großen Buchhandelsketten. Zudem ist Beruf in Sachen Bezahlung, Arbeitszeiten und Zukunftsperspektiven für junge Nachwuchskräfte einfach nicht attraktiv genug. 2015 waren in Nordrhein-Westfalen nur noch 248 Auszubildende in der Branche tätig – fünf Jahre zuvor waren es noch fast doppelt so viele. Und das hat Folgen.

Was geht verloren, wenn ein ganzer Berufszweig verschwindet und was bedeutet das für die Buchbranche und für die Kunden? In einer fünfteiligen Serie gehen wir diesen Fragen nach.

Teil 1: Ein Beruf stirbt aus - Buchhändler in NRW müssen zur Schule nach Düsseldorf

Neben der Arbeit im Buchladen gehört für die Auszubildenden im Buchhandel auch der Besuch der Berufsschule zur Lehrzeit. Ab dem kommenden Schuljahr geht dies in NRW nur noch in Düsseldorf, wo es eine Landesfachklasse geben wird. Weniger Azubis bedeuten in der Praxis auch immer kleinere Klassen. "Nicht allein der demografische Wandel und nicht die Idee, dass zu viele ein Studium bevorzugen, führt dazu, dass die Klassen so klein geworden sind, sondern die Tatsache, dass die Branche einfach nicht mehr ausbildet", sagt Peter Cremer, Bildungsgangleiter Buchhandel am Joseph-DuMont-Berufskolleg Köln. Die Eingangsklasse zählte hier im vergangenen Jahr gerade noch zehn Auszubildende - zu wenig, um ein Berufskolleg dauerhaft zu halten.

Der letzte Gong für die Buchhandelsklasse

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Teil 2: Ein Ort des Lesens weniger - Buchhandlung Katzensprung in Essen schließt

Ähnliches zeichnet sich auch im Einzelhandel ab. Während der Onlinehandel boomt, schließen in den Städten immer mehr Geschäfte. Darunter auch die lieb gewonnene Buchhandlung um die Ecke, wo man samstags kurz vor Ladenschluss noch schnell den Krimi für Mutters Geburtstag kaufen kann. Ein Schicksal, das auch Elke Zepig trifft. Vor 13 Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete im Essener Stadtteil Katernberg die Buchhandlung "Katzensprung". Jetzt musste sie ihren Laden wieder schließen. Das Geschäft rechnet sich einfach nicht mehr. Der Stadtteil verliert damit seine einzige kleine Buchhandlung.

Wenn der letzte Buchladen im Ort schließt

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Teil 3: Neugründer mit Leidenschaft - Die Verlagsbuchhandlung Remmel in Siegburg

Doch es geht auch anders: Die Brüder Andreas und Paul Remmel in Siegburg ließen sich von schlechten Wirtschaftsnachrichten nicht schrecken. Entgegen dem Trend gründeten sie in einem Fachwerkhaus im Stadtzentrum vor fünf Jahren die Verlagsbuchhandlung Bernstein. Dort gibt es feine Schriften aus dem eigenen kleinen Verlag, Poesie und Literatur in kleinen Editionen sowie Veranstaltungen und Kunst.

Teil 4: Unterschriften gegen Groß-Konkurrenten - Einzelhändler in Bad Honnef wehren sich gegen Großbuchhandlung

Doch nicht immer ist es so schön wie in Siegburg. Um zu überleben, müssen Einzelhändler auch schon mal die Ellenbogen einsetzen und sich gegen die Riesen in der Branche stemme. Die Geschichte aus Bad Honnef klingt wie die von David gegen Goliath: Dort wehren sich zwei traditionsreiche Buchläden gegen die Ansiedlung einer großen Buchhandelskette in der Stadt mit 25.000 Einwohnern. Der "Riese" bedroht ihre Existenz, fürchten die beiden ortsansässigen Buchhändler, aber auch der Zeitschriften- und Schreibwarenhandel. Um das zu verhindern, initiierten sie eine Unterschriftenaktion. Der Einzelhandel in Bad Honnef steht hinter der Aktion, aus Sorge, Arbeitsplätze und Lebensqualität zu verlieren. 2.500 Unterschriften kamen so zusammen und wurden dem Bürgermeister übergeben.

Teil 5: Berufsbild Experte - hoch geschätzte Fachleute ohne Nachwuchs

Die Anforderungen an den Beruf Buchhändler sind groß: Sie sollen beraten, sich auskennen in Literatur und Sachbuch und geschäftlich versiert sein. Sie werden in Fachjurys berufen, sitzen in Literaturmagazinen, bewerten Neuerscheinungen. Doch was passiert mit der geschätzten Expertise, wenn immer weniger Buchhandlungen ausbilden und kleinere Läden schließen? Und: Kann der deutsche Buchhandelspreis helfen?

Stand: 25.07.2017, 10:25