Martin Luther – Das Hörbuch

Martin Luther – Das Hörbuch

Martin Luther – Das Hörbuch

Von Jutta Duhm-Heitzmann

95 Thesen eines Theologieprofessors, die unsere Welt veränderten: In 80 Minuten erklärt das Hörbuch "Martin Luther", wie und warum es im Jahre 1517 zur Reformation kam und kommen musste.

Martin Luther – Das Hörbuch
Autorin Corinna Hesse
Sprecher Rolf Becker
Musik Stefan Weinzierl
Silberfuchs Verlag
1 CD
16,00 EUR

95 Thesen

Es war am 31. Oktober 1517. Da nagelte Dr. Martinus Luther, Mönch und Professor der Theologie an der Universität zu Wittenberg, 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche, die seine, unsere Welt veränderten:

"Jeder wahrhaft reumütige Christ erlangt vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld, der ihm auch ohne Ablassbriefe zukommt."

Kampfansage

Thesen anzuschlagen – wenn auch nicht unbedingt an der Tür der Schlosskirche - war damals gängige Praxis: die Universitätskollegen wurden so zu einer wissenschaftlich-theologischen Diskussion aufgefordert – heute würde man das wohl per E-Mail erledigen. Die Thesen des Professors Luther aber bargen einen solchen Zündstoff, dass sie innerhalb kürzester Zeit abgeschrieben, gedruckt und in ganz Deutschland veröffentlicht wurden. Denn sie waren eine Kampfansage - an den Papst, mehr noch: an die gesamte Katholische Kirche.

"Der Professor aus der Provinzstadt wird auf einen Schlag berühmt und befreit sich gleichzeitig von seinen tiefsten Ängsten und Zweifeln. Nur einen Monat nach Veröffentlichung der Thesen unterschreibt er seine Briefe mit einem neuen Namen: Eleutherius, aus dem Griechischen: der Freie. Der Befreite. Auch: der Befreier."

Luthers Entwicklung

Porträt von Martin Luther.

Martin Luther

Wie kam dieser Martin Luther aber zu einer solchen Provokation? Was war er für ein Mensch? Und überhaupt: warum waren sie eigentlich so aufregend, diese Thesen, die uns heute eher harmlos und selbstverständlich erscheinen? Im Hörbuch "Martin Luther" aus dem Silberfuchs-Verlag versucht die Autorin Corinna Hesse zusammen mit dem Schauspieler Rolf Becker als Sprecher und dem Musiker Stefan Weinzierl eine Erklärung. Sie erzählen von Luthers Entwicklung, beginnend mit seiner Geburt im November 1483 bis zu seinem Tod im Februar 1546, betten sein Leben ein in die Geschichte jener Zeit. Denn ohne deren soziale, machtpolitische und religiöse Probleme und Verwerfungen hätte es Martin Luther, den Reformator, nie gegeben.

"Europa im späten 15. Jahrhundert. (...) Die Christenheit ist auf Expansionskurs. Der Papst in Rom regiert den Kirchenstaat und verleibt sich angrenzende Gebiete ein. In Spanien haben die Katholischen Fürsten die letzten islamischen Herrscher in die Flucht geschlagen, Juden und Muslime müssen zum Christentum übertreten oder das Land verlassen. Der Glaube wird auch in Übersee mit Gewalt durchgesetzt. Als Freibeuter und Eroberer in der Neuen Welt an Land gehen, springen ihnen christliche Missionare zur Seite."

Corinna Hesse - Martin Luther

WDR 3 Buchrezension | 15.09.2016 | 06:03 Min.

Download

Ein Gott der Güte und der Gnade

Doch die Katholische Kirche, damals auf dem Höhepunkt ihrer Macht und Ausdehnung, stieß zunehmend auf Kritik. Den ehrgeizigen Königen und Fürsten Europas, des "Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation", ging die politische Macht des Papstes schon seit langem zu weit. Auch innerhalb der Kirche selbst formierte sich Protest, vor allem gegen das luxuriöse Lotterleben der führenden Kleriker in Rom. Noch hielt die Kirche die Menschen durch Angst in Schach. Sie zitterten vor dem strafenden Gottes; denn Fegefeuer, Hölle und ewige Verdammnis erwarteten alle Sünder, falls sie sich nicht durch Gebete, Taten, am besten aber durch hohe Opfergaben freikauften. Luther aber fand durch intensive Bibellektüre und tiefe innere Kämpfe zu einem anderen Gott: den der Güte und der Gnade. Und das gab ihm Kraft zum Widerstand.

"Ich will nicht, dass das, was ich tue, durch menschlichen Rat oder Fleiß geschehe, sondern durch den Gottes. Denn wenn das Werk aus Gott ist, wer wird es hindern. Und wenn es nicht aus Gott ist, wer kann es fördern."

Gottes Wort lesen

Lutherbibel

Lutherbibel

Die Reform und damit die Spaltung der Christenheit waren nicht mehr aufzuhalten. Dabei spielte der frisch erfundene Buchdruck eine entscheidende Rolle. Vorher interpretierten nur die Priester den lateinischen Text der Bibel. Luther aber übersetzte sie ins Deutsche, und nun konnten die Gläubigen selbst Gottes Wort lesen und auslegen. Eine Revolution – eine der vielen anderen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen, die den Beginn der Neuzeit begleiteten.

"Obwohl Luther selbst andere Glaubensrichtungen nicht tolerierte, legte er den Grundstein für Toleranz, Meinungsfreiheit und Menschenrechte als wichtigste Insignien heutiger Demokratie. Das friedliche Zusammenleben von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen in Europa wird schließlich durch die Trennung von Staat und Religion erreicht. Auch dies geht auf eine Idee Luthers zurück, der das weltliche und das geistige Reich streng voneinander abgrenzte."

Luthers Botschaft in unserer Zeit

Das Luther-Hörbuch setzt vor allem auf Text, auf das Wort, wenn man so will, wie eben Luther selbst, präzise, uneitel und kenntnisreich. Getragen durch den kraftvollen, ruhigen und klugen Sprechduktus von Rolf Becker, zurückhaltend unterstützt durch die akustischen und musikalischen Effekte Stefan Weinzierls, lädt es ein zu einer Parforcetour durch die Lutherzeit. Wer sich auf diese Reise einlässt, kommt wirklich gebildeter in die unsere zurück. Die wiederum mehr durch Luther geprägt wird, als den meisten bewusst ist:

"Gerade in heutiger Zeit, in der Selbstoptimierung und Leistungsstreben auf die Spitze getrieben werden, (...) kann Luthers Botschaft befeiend wirken: Du musst dir das Recht deiner Existenz nicht durch Leistung verdienen. Denn das Leben ist ein Geschenk. Martin Luther war politisch kein Befreier. Er machte die Menschen innerlich frei."

Stand: 13.09.2016, 15:57