Preis für jahrelange Detektiv-Arbeit

Preis für jahrelange Detektiv-Arbeit

Sie sind Kult, bei Kindern und Erwachsenen: Seit 36 Jahren leihen die Sprecher Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck den Hobby-Detektiven in der Hörspiel-Reihe "Die drei ???" ihre Stimmen. Dienstagabend (08.03.2016) bekamen sie den Deutschen Hörbuchpreis.

"Das Fragezeichen ist ein Symbol für das Unbekannte, für unbeantwortete Fragen, ungelöste Rätsel." So erklären "Die drei ???" in der gleichnamigen Hörspiel-Reihe die Bedeutung des Namens ihrer Detektei. Seit 1979 übernehmen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews jeden Fall: In bisher 180 Hörspielfolgen überleben sie Flugzeugabstürze, finden langverschollene Diamanten und essen Kirschkuchen von Tante Mathilda. Immer dabei sind ihre Sprecher: Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich. Ihre Stimmen begleiten die deutschsprachigen Hörspiel-Fans durchs Leben. Am Dienstag erhielten sie nun für ihr Lebenswerk eine Sonderauszeichnung des Deutschen Hörbuchpreises. Dieser Sonderpreis wird seit 2012 alle zwei Jahre verliehen. Für Jury-Mitglied Esther-Maria Roos vom Trägerverein sind "Die drei ???" sozusagen die Mutter aller Hörspiele, eine lebende Legende für ganz viele Hörbuchhörer. "Sehr viele Leute sind mit ihnen aufgewachsen und durch sie eigentlich auch zum Hörbuchhören gekommen", so Roos.

Andreas Fröhlich: Recherchen und Archiv

Die Synchronsprecher der "drei ???" Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck (v.l.n.r.)

Die Synchronsprecher der "Drei ???" (von links) Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck

Andreas Fröhlich spricht Bob Andrews, zuständig für Recherchen und Archiv - bisweilen auch fürs Flirten. Der Berliner weiß, was die Fragezeichen ausmacht: "Sie haben keine Freundin und genügen sich total." Selbstverständlich hätten die Jungs nichts gegen Frauen, aber funktionierten einfach als verschworene Gemeinschaft. Wobei der Hörer bei jeder Folge den Wunsch habe, das vierte Fragezeichen zu sein. Kein Wunder, schließlich wohnen die Fragezeichen nah am Strand, haben einen Wohnwagen als Geheimversteck und fast jede Geschichte beginnt am ersten Tag der Sommerferien - ein luftig leichtes Lebensgefühl.

Und dieses Lebensgefühl gibt es auch bei den Sprechern im Studio. Schon 1979, als sie 13 waren, aber auch noch jetzt mit 50. Bei Fröhlich kommt daher schon fast ein schlechtes Gewissen über die Preisvergabe auf: "Wir hatten eigentlich permanent bei den Aufnahmen Kindergeburtstags-Stimmung, und jetzt genau für diese vielen, vielen Jahre permanenten Kindergeburtstag feiern kriegen wir einen Preis verliehen. Das find' ich sehr schön, muss aber ein bisschen darüber schmunzeln."

Andreas Fröhlich kennt die Rolle natürlich inzwischen so gut, dass er auch einige Geheimnisse verraten kann, die im Hörspiel selbst nicht aufgelöst werden. Warum es zum Beispiel nicht mit Bob und seiner Ex-Freundin Liz geklappt hat: "Die Waschmaschine hat er nicht ausgeräumt. Oder er hat die Zahnpastatube nicht ordentlich zugedreht." Bob denke noch oft an sie, aber zusammen würden sie wohl nicht mehr kommen.

Dabei waren die drei Fragezeichen noch lange kein Kult, als die Sprecher Teenager waren. Damals glaubte man nicht an die Produktion von mehr als zwei oder drei Folgen. Es gab auch kein großes Casting: Andreas Fröhlich erhielt einen Anruf, dann flog er auch schon von Berlin nach Hamburg. Ursprünglich sollte er den Detektiv Peter Shaw sprechen, aber das Lesen fiel ihm schwer. Weil in der allerersten Folge "Die drei ??? und der Superpapagei" Bob Andrews weniger Text hatte, tauschte er mit Jens Wawrczeck die Rollen.

Jens Wawrczeck als etwas ängstlicher Peter Shaw

Für Wawrczek war schon immer klar, dass er Schauspieler werden wollte. "Dass dabei der Bereich Hörspiel, Hörbuch und Synchron so raumgreifend sein würde, war sicher nicht geplant", so der Sprecher des etwas ängstlichen Detektivs Peter Shaw. Bei seinem ersten Job als Sprecher beim sogenannten Aufsatzfunk des Norddeutschen Rundfunks war er zehn Jahre alt. "Meine Eltern ahnten zunächst nichts davon, mir zitterten die Hände, als ich mein erstes Manuskript in den Händen hielt", erzählt er. Zudem sollte er die Rolle des "Mogli" aus dem Dschungelbuch sprechen, pflegte damals noch aber einen sehr breiten Hamburger Dialekt. Die Regisseurin habe dann wohlmeinend darauf hingewiesen, dass dies in Indien doch etwas fehl am Platze sei.

Inzwischen macht Wawrczek wie seine beiden Kollegen viel nebenbei, spielt Theater am Berliner Schlosspark Theater und nimmt im April sein erstes Gesangsalbum "Lost in Film Songs" auf. Auch er freut sich über den Hörbuchpreis, hätte aber auch gerne eine Auszeichnung für die ???-Regisseurin Heikedine Körting gesehen. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch ohne unser Dazutun der Audiomarkt gedeihen und blühen würde", sagt Wawrczek, "weil er ein Grundbedürfnis der Menschen befriedigt: Geschichten erzählt zu bekommen."

Oliver Rohrbeck ist das "Chef-Fragezeichen" Justus Jonas

Auch der Sprecher des ersten Detektivs der "Drei Fragezeichen", Oliver Rohrbeck, glaubt an die besondere Macht seiner Arbeit. "Nur Hörspiele und (Hör-)Bücher vermögen es, den Leser oder Hörer in das Reich der Fantasie zu entführen", so Rohrbecks Überzeugung. Vor allem das Land der Dichter und Denker fühle sich davon angesprochen. Rohrbeck startete seine Karriere als Sprecher auch schon als Kind. Allerdings sei die Erinnerung an seinen ersten Job mit sechs Jahren nur noch verschwommen. "Es wurde quasi 'ausprobiert', ob ich auch in einem Studio schauspielern könnte", erinnert er sich. Als das gut geklappt habe, sei dann kurze Zeit später das Angebot gekommen, "Pinocchio" zu sprechen.

In Berlin gründete Rohrbeck den Hörspielverlag "Lauscherlounge", deren Geschäftsführer er auch ist. Für die Zukunft hat Rohrbeck noch so einige Pläne. So gebe es noch einiges an Literatur, die er gern vertonen würde. "Mit dem Komponisten Henrik Albrecht gibt es auch Pläne, und das Singen würde ich gern ausbauen", sagt Rohrbeck. Einen Job lehnt er jedoch ab: die Rolle eines Kommissars im "ARD Radio Tatort". "Ich würde den Ganoven vorziehen", gibt Rohrbeck zu. "Ich werde oft auf die Rolle des Ermittlers reduziert, aber als Schauspieler habe ich noch viel mehr Seiten."

Die "Drei ???" im Porträt

WDR 3 Mosaik | 07.03.2016 | 03:52 Min.

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Stand: 09.03.2016, 09:02