Lawrence Osborne - Denen man vergibt

Cover Lawrence Osborne "Denen man vergibt", im Hintergrund eine Bergkette in der Wüste Marokkos

WDR 2 Buchtipp

Lawrence Osborne - Denen man vergibt

Von Christine Westermann

Eine rauschende Party inmitten der Wüste Marokkos. Auf dem Weg dorthin überfahren zwei der Gäste einen Menschen. Sie halten nicht an und feiern mit, als sei nichts gewesen. Bis ein Wagen mit der Leiche vor den Toren der Villa hält.

Die Handlung...

... spielt in Marokko. Dally und Richard, zwei reiche, schwule Männer haben mitten in der Wüste eine Oase geschaffen, ein Traumhaus, in das sie zu einer extravaganten Party einladen. Drei Tage Champagner, Kokain, beste Weine, das Essen nur vom Feinsten, Austern in der Wüste. Viele Gedanken haben sich Dally und Richard um die Auswahl der Gäste nicht gemacht. Das wird spätestens klar, als sie feststellen, dass sie sich David und Jo, dieses langweilige Ehepaar aus London, getrost hätten sparen können. Die kommen erstens Stunden zu spät. Und bringen jede Menge Ärger mit. Sie haben heillos zerstritten, übermüdet und ohne Navi auf dem Weg zur Party in der Nacht einen Menschen überfahren, vielleicht sogar zwei. Sie halten nicht an, kommen völlig erschöpft auf der Party an, schlafen kurz, duschen, feiern am nächsten Morgen mit den anderen als sei nichts gewesen. Das geht so lange gut, bis ein Wagen mit einer blutverschmierten Leiche vor den Toren der Villa hält. Und jetzt?

Die Bewertung

Christine Westermann vor einem Bücherregal

WDR 2 Literaturkritikerin Christine Westermann

Man darf nicht mehr erzählen, man würde diesem Roman seinen stillen Glanz, seine Dunkelheit, seine Geschmeidigkeit nehmen. Geschmeidig und schön wie ein schwarzer Panther sei diese Geschichte, hat ein englischer Kritiker geschrieben. Das trifft es auf den Punkt. Ein Panther, der sich sanft anschleicht und brutal zupackt. Der Autor Lawrence Osborne ist durch seine Reisereportagen in der New York Times berühmt geworden. Der Mann kann brillant schreiben und be-schreiben. Seine Sprache ist wie ein Fotoapparat, sie fängt Farbe, Atmosphäre, die Magie der Natur, den Zauber des afrikanischen Kontinents genial ein. Ich bin oft schnell gelangweilt, wenn ein Autor in langatmigen Naturbeschreibungen schwelgt, aber bei Lawrence Osborne ist das anders. Da habe ich unwillkürlich den Atem angehalten, vor so viel stiller Schönheit kapituliert. Am liebsten hätte ich die 270 Seiten an einem Abend und in einer Nacht gelesen.

Ich habe es nicht getan, habe mir Zeit gelassen. Vielleicht auch, weil die Partyleute in dieser Villa in ihrer Gier, ihrer westlichen Arroganz und Dekadenz ein so abschreckendes Beispiel waren.

Der Autor

Lawrence Osborne, 1958 in Großbritannien geboren, hat fast ein Dutzend Bücher geschrieben. "Denen man vergibt", ist das erste, das von ihm auf Deutsch erscheint. 

Lawrence Osborne - Denen man vergibt

WDR 2 Bücher | 10.09.2017 | 04:36 Min.

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Lawrence Osborne
Denen man vergibt
Verlag Klaus Wagenbach
ISBN: 978-3-8031-3286-4
22,00 Euro

Stand: 10.09.2017, 00:00