Mark Billingham - Zeit zum Sterben

Das Cover von "Zeit zum Sterben" mit einem kleinen Haus vor blutrotem Himmel vor einer Landschaftsaufnahme der schottischen Highlands mit karger Vegetation und dunklen Gewitterwolken

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Mark Billingham - Zeit zum Sterben

Von Christian Beisenherz

In seinem 13. Fall verschlägt es Mark Billinghams Ermittler Tom Thorne in eine Kleinstadt, in der nach einer mutmaßlichen Entführung Angst und Misstrauen um sich greifen. Spannend, sagt unser Kritiker Christian Beisenherz.

Es ist ein Albtraum in einem kleinen Ort: Zwei junge Mädchen sind verschwunden. Die ganze Dorfgemeinschaft ist in Aufruhr, alle Fremdenzimmer von Journalisten und Polizisten belegt. Die Gegend wird durchsucht und durchkämmt. Und natürlich blüht das Misstrauen. Denn allen ist klar: Das muss einer von ihnen gewesen sein. Einer, den alle kennen.

Das Böse in der heilen Welt

Das ist ein klassisches Motiv im Krimi: Das Böse bricht in die kleine heile Welt ein. Und das ist hier wunderbar gelungen. Der Autor hat ganz clever dieses aus dem Takt geratene Kleinstadt-Leben zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Im Pub, im Laden, im Bed-and-Breakfast - überall treffen wir misstrauische, skeptische und verzweifelte Menschen. Und vor allem ganz viele Menschen mit Geheimnissen, die jetzt, wo der Ort umgekrempelt wird, nach und nach ans Licht kommen.

Ermittler ist Tom Thorne, fast schon legendärer Detective von Mark Billingham. Das hier ist sein 13. Fall. Eigentlich wollte er Urlaub machen. Mit seiner Freundin und Kollegin Helen. Doch dann bekommt sie im Fernsehen mit, dass genau in der Kleinstadt ihrer Kindheit diese beiden Mädchen entführt worden sind. Und dass zu allem Überfluss auch noch der Mann einer Ex-Mitschülerin als Verdächtiger festgenommen wurde. Da machen sich die beiden - ganz Polizisten - sofort auf den Weg, auch wenn das fernab von London so gar nicht ihr Revier ist.

Tom Thorne mischt den Fall auf

Dass sie so schnell einen Verdächtigen festnehmen konnten, kommt der Polizei natürlich gut zupass. Es gibt eine Reihe von Indizien, die für diesen Stephen Bates als Täter sprechen. Das sind Blutspuren, Lügen (oder sind es Notlügen?) und anderes. Aber unsere Ermittler Tom und Helen glauben nicht an diese einfache Lösung. Da kann man sich ungefähr vorstellen, wie willkommen bei den einheimischen Polizisten zwei Detectives aus London sind, die mit dem Fall offiziell nichts zu tun haben, sich aber ein- und den Fall damit auch aufmischen.

Porträt eines schwarzhaarigen Mannes im blauen Jeanshemd mit Schnurrbart und Drei-Tage-Bart am Kinn

Mark Billingham

Lesenswert ist “Zeit zum Sterben” aus vielen Gründen: Wie gehen die Betroffenen - auch die Familie des Verdächtigen - mit den möglicherweise falschen Anschuldigungen um? Dann dieses Kleinstadtleben, das - well, wir sind in England - weitgehend in den Pubs verhandelt wird. Und die Frage, welche der Nebenfiguren für den Fall noch wichtig wird: der seltsame Taxifahrer, der singende Koch oder doch der ambitionierte Schweinebauer?

… und dann kommt alles anders

Ich habe als Leser ziemlich schnell eine sichere Idee, wer für die Entführungen verantwortlich ist - und dann kommt alles doch ganz anders. Das ist sehr prima.

Mark Billingham
Zeit zum Sterben
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453-4195-13
Preis: 12,99 Euro

Stand: 05.08.2016, 12:13