Krimiautor Sebastian Fitzek erhält den "Ripper Award"

Krimiautor Sebastian Fitzek , aufgenommen im Oktober 2016, auf der 68. Frankfurter Buchmesse, in Frankfurt/Main (Hessen).

Krimiautor Sebastian Fitzek erhält den "Ripper Award"

  • Sebastian Fitzek hat den Europäischen Krimipreis in Unna erhalten
  • Er ist einer der erfolgreichsten Thrillerautoren
  • Seine Bücher wurden in 24 Sprachen übersetzt

Am Freitag (07.04. 2017) har Sebastian Fitzek in Unna den Europäischen Preis für Kriminalliteratur erhalten. Der Preis wurde zum fünften Mal zu Europas größtem internationalen Krimifestival "Mord am Hellweg" ausgelobt. Rund 10.000 Krimifans hatten ihre Stimme für Fitzek abgegeben. Die auch "Ripper Award" genannte Auszeichnung ist mit 11.111 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre im Rahmen des Festivals "Mord am Hellweg" vergeben. Bisherige Preisträger sind die Schweden Henning Mankell (2009) und Håkan Nesser (2011), die französische Autorin Fred Vargas (2013) und Jussi Adler-Olsen aus Dänemark (2015). Karla Engelhard sprach im Vorfeld der Auszeichnung mit Sebastian Fitzek über Ängste, Erfolge und Kritik.

WDR 3: Ihre Psychothriller stehen ganz oben auf der Bestsellerliste und haben alle mit Angst zu tun. Schlafen Sie eigentlich gut?

Sebastian Fitzek: Ich schlafe sehr gut. Ich kriege eher Angst in der Realität, da hole ich mir auch Inspiration. Früher habe ich gesagt, dass ich Thriller schreibe, um Ängste zu verarbeiten. Das stimmt so aber nicht ganz. Sie sind noch nicht verarbeitet, aber sie sind geordnet. Ich habe durch einen befreundeten Psychiater gelernt, dass es in der Psychotherapie so eine Art Schreibtherapie gibt, wo man eben Menschen, die beispielsweise zwanghaft grübeln, ans Herz legt, ihre Gedanken aufzuschreiben. Das hilft tatsächlich. Als Familienvater habe ich viele Ängste, und die schreibe ich mir von der Seele und habe sie dann für mich archiviert und in Form gebracht.

WDR 3: Was inspiriert Sie zu ihren Figuren?

Fitzek: Es ist schon so, dass ich mich von Figuren aus meinem näheren Umfeld inspirieren lasse. Beispielsweise war das für mein erstes Buch "Die Therapie" ein guter Freund, der leider an einer psychischen Krankheit gelitten hat und der mittlerweile verstorben ist. Unbewusst habe ich auch dessen Krankheitsgeschichte verarbeitet. In "Achtnacht" ist es wiederum eine gute Freundin, die Opfer von mehrfachen Gewaltverbrechen wurde, wo man sicherlich etwas wieder erkennt. Ich bemühe mich, dass die Menschen nicht sofort mit dem Finger auf Menschen aus meiner näheren Umgebung zeigen können. Es ist ja auch nicht das Angenehmste, Bestandteil eines Psychothrillers zu sein.

WDR 3: Was ist das Geheimnis für ihre Erfolge?

Fitzek: Die Menschen müssen beim Lesen auf jeden Fall spüren: Derjenige beschäftigt sich mit diesem Thema, weil es ihn bewegt. Und nicht, weil er in der Zeitung gelesen hat: Okay jetzt ist Überbevölkerung gerade als literarisches Thema en vogue und jetzt schreiben wir mal was dazu. Das lässt sich im Bücherbereich ja auch ganz schlecht planen.

WDR 3: Ihr Buch "Das Paket" kam bei Literaturkritiker Denis Scheck nicht gut weg. Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Fitzek: Es belastet mich nicht sehr. Ich habe einen Filter und der heißt nicht: Ich lasse nur positive Kritik zu. Mein Filter ist, welche Intention hat der Kritiker. Will er, dass ich besser werde? Dann muss ich ihm sehr gut zuhören. Oftmals sind das die schlimmsten Kritiken, die am meisten verletzen – aber wichtig sind. Diesen Kritiken stelle ich mich im Vorfeld schon massig: Ich habe zwei Lektorinnen, einen Literaturagenten, der mal Lektor von Michael Ende war, ich habe meine Frau, Freunde, Bekannte, die kein Blatt vor den Mund nehmen – und das ist auch wichtig. Aber ich verändere mich nicht für jemanden, nur damit es ihm dann geschmäcklerisch gefällt.

WDR 3: Sie sind Preisträger des "Ripper Award" und steigen damit auf eine Stufe mit Namen wie Henning Mankell, Håkan Nesser, Fred Vargas und Jussi Adler-Olsen. Wollten Sie da immer hin?

Fitzek: Ich wollte tatsächlich schon immer meinen Namen auf einem Buchrücken lesen und den eventuell auch in einer Buchhandlung finden. Wobei – eigentlich wollte ich ihn an einer Supermarktkasse sehen. Denn das hielt ich für den Inbegriff des Erfolges. Irgendwo zu stehen, wo man es überhaupt nicht erwartet. Da mein erstes Buch gleich ein Taschenbuch war und nur Taschenbücher an Supermarktkassen stehen, hatte ich meinen Lebenstraum quasi mit meinem ersten Buch erfüllt. Ich hätte mir das nie träumen lassen und bin natürlich auch sehr glücklich. Aber ich habe nie und werde auch in Zukunft nie so schreiben, dass ich hoffe, mit irgendeinem Preis bedacht zu werden.

WDR 3: Was fasziniert so an Thrillern?

Fitzek: Es ist nicht die Faszination am Tod oder dem Grauen an sich, was die Menschen dazu bewegt, so viel Kriminalliteratur zu lesen oder Filme zu schauen. Es ist die Auseinandersetzung mit dem Leben. Die meisten meiner Leser wollen am Ende, dass es zumindest etwas gut ausgeht. Ich hätte aber auch Angst vor dem Leser, der die Daumen drückt, das am Ende alles tot und verletzt und hoffnungslos ist, und alles nur noch düster und grau und der dann enttäuscht ist, wenn noch jemand überlebt.

Das Gespräch mit Sebastian Fitzek führte Karla Engelhard im Rahmen der Litcologne 2017.

Stand: 06.04.2017, 16:27