Lieblingsplätze in der Eifel

Montage "Eifel"

Lieblingsplätze in der Eifel

Von Christoph Vratz

  • Eine Kunsthistorikerin und ein Fotograf unterwegs in der Eifel
  • In 1,5 Jahren sind sie mehr als 15.000 Kilometer gefahren
  • Ihr neues Buch trägt 88 Orte, Stimmungen und Entdeckungen zusammen

Lauter Bruchstücke, alle in Brauntönen. Wie dunkle Packeisschichten, die sich ineinander verkeilt haben - ein Bild, das Rätsel aufgibt. Fotograf Axel Schwalm steht oft vor der Frage: Wie bilde ich etwas ab, was man so noch nicht gesehen hat? Mit seiner Kollegin Alessandra Barabaschi war er in der Eifel unterwegs.

In der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen

Auch im Winter gibt es dort viel zu entdecken. Zum Beispiel, wie Zucker hergestellt wird. "Das ist sehr beeindruckend und sehr detailliert, man kann es schmecken, man kann es riechen", erzählt Schwalm. "Man kriegt die verschiedenen Produktionszustände als Geschmackserinnerung hautnah vorgeführt. Aber wie zeigt man das? Dann haben sie uns erzählt, was die Spezialität in Euskirchen ist, nämlich der Kandis – das Foto zeigt ein Detail aus der Kandis-Produktion."

Aufnahmen minutiös geplant

15.000 Kilometer sind Barabaschi und Schwalm in 1,5 Jahren gefahren. 88 Orte, Stimmungen, Entdeckungen haben sie so zusammengetragen, pro Doppelseite im Buch je ein Bild und eine Seite Text, geographisch geordnet von Nord nach Süd. Die Bilder sind dabei alle in strengem Hochformat gehalten - ungewöhnlich für ein Reise-Buch. Alle Aufnahmen wurden im Vorfeld minutiös geplant.

Eifel - Lieblingsplätze zum Entdecken

"Eifel" - die Lieblingsplätze von A. Barabaschi und A. Schwalm

"Wir haben tatsächlich bei jedem Motiv geguckt, von wo muss das Licht kommen, um wie viel Uhr ist das so, ist jetzt in dem Monat, in der Woche die Sonne hoch genug?", erklärt der Fotograf. "Wenn man Kirchenschiffe fotografiert, dann soll eben das Licht nicht direkt reinfallen, sonst bilden sich Lichtinseln, die man nicht mehr abbilden kann."

"Die Eifel ist nichts für Weicheier!"

Barabaschi und Schwalm haben Menschen und Orte gesucht und sie sehr persönlich und intim eingefangen. Zum Schwierigsten zählte dabei, Zugang zu den Menschen zu finden. "Am allerersten Tag habe ich mich unserem ersten Gesprächspartner vorgestellt, habe erklärt, was wir für ein Projekt haben, dass ich Kunsthistorikerin bin, Italienerin bin", erzählt Alessandra Barabaschi. "Und dieser große Mann, diese Eifler, hat mich angeguckt, gemustert von Kopf bis Fuß, hat sich gekratzt und dann gesagt: 'Die Eifel ist nichts für Weicheier!' Das war für mich das Willkommen in der Eifel."

Alessandra Barabaschi und Axel Schwalm

Axel Schwalm und Alessandra Barabaschi

Der schönste Moment seien für ihn immer die Entdeckungen und Begegnungen mit den Menschen, die in der Eifel leben, sagt Axel Schwalm. "Da gibt es ein junges Paar, das hat sich eine Kaffee-Rösterei aufgebaut, dann gibt es alte Handwerker, die viele Jahrzehnte Berufserfahrung haben wie den Kunstschmied Trösch, der weltberühmt ist für seine Klingen und beeindruckende Meisterwerke dieser Schmiedekunst vorführt, aber auch in Kursen die Besucher selbst probieren lässt. Das sind Begegnungen, die werde ich mein Leben nicht vergessen."

Eindringliche Momentaufnahmen und anschauliche Texte

Ob Tierparks, Burgen, das Krimimuseum in Hillesheim, die Glockengießerei in Brockscheid oder der Römerkanalweg - Alessandra Barabaschi und Axel Schwalm fügen eindringliche Momentaufnahmen und anschauliche Texte zu einer Einheit. Ihr Buch ist ein Eifel-Verführer – und zugleich eine unaufdringliche Mahnung: Geht nicht vorüber, schaut genau hin, lasst Euch Zeit, ihr werdet dafür belohnt.

Martinsrelief von 1239 aus Sandstein

Martinsrelief von 1239 aus Sandstein

"Die Seite, die mir am wichtigsten ist, ist das Martin-Relief in Bassenheim, ein Relief, das früher im Trierer Dom stand, erschaffen 1239", erzählt Fotograf Schwalm. "Es zeigt in einem Sandstein, also in einem sehr weichen Material, das keine sehr feine Akzentuierung zulässt, die Szene, in der der Martin hoch zu Ross an dem Bettler schon fast vorbeigeritten ist und das Pferd, das Tier scheut vor dieser stinkenden Kreatur des armen Bettlers. Man sieht die Rippen, die aus dem Körper herausstechen. Aber Martin wendet sich um und nimmt sein Schwert, und das Erbarmen im Gegensatz zu der Abscheu des Tieres obsiegt, und er teilt seinen Mantel. Das ist in diesem Stein so ergreifend und durch die Jahrhunderte bewegend verwirklicht, dass ich mit den Tränen gekämpft habe."

Alessandra Barabaschi, Axel Schwalm
Eifel
Gmeimer Verlag, 2017
192 Seiten, 15,99 Euro

Ein Sachbuch mit Fotografien stellt die Eifel vor

WDR 3 Buchrezension | 16.03.2017 | 05:46 Min.

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Stand: 15.03.2017, 12:24