"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith

"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith, Buchcover

WDR 4 Bücher

"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith

Von Stefan Keim

Die englische Kulturhistorikerin Tiffany Watt Smith hat "Das Buch der Gefühle" geschrieben. Mit vielen Beispielen und geschichtlichen Rückgriffen erforscht sie Liebe und Angst, aber auch Muffensausen und Umpfigkeit.

"Das Buch der Gefühle" von Tiffany Watt Smith

WDR 4 Bücher | 18.04.2017 | 02:56 Min.

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Der Hund freut sich. Herrchen geht mit ihm raus, zu einem Spaziergang. Stopp. Herrchen will nur nach dem Gewächshaus sehen. Der Hund lässt den Schwanz hängen, der ganze Körper ist eine einzige Enttäuschung. So etwas kommt täglich vor. Doch hier trägt Herrchen den Namen Charles Darwin. Und natürlich analysiert der berühmte Verhaltensforscher, was gerade mit seinem Hund Bob passiert.

Mit solchen Beispielen beginnt fast jedes Kapitel des "Buchs der Gefühle". Tiffany Watt Smith hat eine Menge Geschichten und Informationen zusammen getragen. Wie in einem Lexikon hat sie die Gefühle von A bis Z sortiert. Man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, sondern kann auch einfach dahin blättern, wo man das findet, was einen gerade interessiert.

Weil die Autorin die Entwicklung der Gefühle durch die Jahrhunderte verfolgt, gibt es oft Überraschendes. Zum Beispiel war im Mittelalter das Gähnen ein Zeichen der Liebe, nicht der Langeweile. Es war so etwas Ähnliches wie ein Seufzer, Troubadoure "gähnten" für ihre Geliebten.

Andererseits war die Angst im 19. Jahrhundert nicht nur etwas Negatives. Im Gegenteil, für den Philosophen Sören Kierkegaard war Angst ein Zeichen der Intelligenz. Nur "in der Geistlosigkeit ist keine Angst", schrieb er.

"Das Buch der Gefühle" enthält viele bei uns völlig unbekannte Emotionen. Manche sind ausgestorben, andere stammen aus fernen Kulturen. "Stress" kommt interessanterweise überhaupt nicht vor, die Autorin erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Dafür widmet sie sich einigen Begriffen, die eher umgangssprachlich wirken. Die "Umpfigkeit" ist zum Beispiel eine Überforderung am Morgen, die durch Lachen verschwindet. Und "Muffensausen" beschreibt sie als das Gegenteil der "Schmetterlinge im Bauch", ein Unwohlsein in der Magengrube. Das nebenher beweist, wie eng Körper und Geist, Magen und Hirn miteinander verknüpft sind.

"Das Buch der Gefühle" ist originell, witzig und auch anspruchsvoll. Tiffany Watt Smith hat eine Menge Informationen zusammen getragen, Literatur wird bei ihr lebensnah. Charles Darwin übrigens ist mit seinem enttäuschten Hund meistens doch noch spazieren gegangen.

Das Buch der Gefühle
Autorin: Tiffany Watt Smith
Verlag: dtv
384 Seiten
22 Euro