Comic-Landmarken und ihre Vorbilder

Die Zeichnung einer Baustelle an einem Haus neben einem Foto einer realen Baustelle an einem Haus (Montage).

Comic-Landmarken und ihre Vorbilder

Leo Leowald lebt und arbeitet in Köln - und erfand Zwarwald, einen endlosen Vier-Panel-Strip im Internet. Zwarwald ist ein fester Bestandteil einer jungen und experimentierfreudigen Comicszene. Claudia Friedrich schlenderte mit dem Zeichner durch Straßen und stieg den Kölnern aufs Dach.

Die Zeichnung eines alten Gutshauses neben einem Foto einer alten Fachwerksiedlung (Montage).

"Die Judenbuche" - von der Novelle zur Graphic Novel

In ihrer Meisternovelle "Die Judenbuche" beschreibt Annette von Droste-Hülshoff das Dorf Bellersen als "Dorf B.", den Geburtsort ihres Protagonisten Friedrich Mergel. Der "Judenbuche" zugrunde liegt ein wahrer Kriminalfall. Friedrichs historisches Vorbild war an dem Fall maßgeblich beteiligt.

Unter gleichem Titel inszeniert nun eine Graphic Novel (2017) die Erzählung aus dem Jahre 1842. Das Herrenhaus in Bökendorf war öfter Ziel der viel reisenden Dichterin. Annette von Droste-Hülshoff besuchte den Stammsitz ihrer Großeltern mütterlicherseits, der Familie von Haxthausen. Dort erfuhr sie von dem Mord an dem jüdischen Händler Soistmann Behrendt, der einen Steinwurf entfernt vom "Dorf B.", in Ovenhausen lebte.

Comicautor Julian Voloj.

Julian Voloj

Julian Voloj adaptierte die Novelle "Die Judenbuche" für den Comic. Sein Augenmerk lag dabei auf dem Judenhass, den Annette von Droste-Hülshoff in gewisser Weise zum Thema machte. Wozu Vorurteile führen, zeigen Novelle und Comic gleichermaßen. Julian Voloj, Journalist und Fotograf mit jüdischen Vorfahren aus Westfalen, entdeckte bei seinen Recherchen vergessene und verdrängte Orte jüdischen Landlebens.

Comiczeichnerin Claudia Ahlering.

Claudia Ahlering

Die Comiczeichnerin Claudia Ahlering auf einem Bergrücken am Joelskamp. Es gießt und stürmt: in der Novelle, im Comic und in der Wirklichkeit, als sie mit WDR-Reporterin Claudia Friedrich durch die Landschaft spaziert. Durch diese Wälder streiften auch die Figuren aus der Buchvorlage, die sogenannten Holzfrevler, Banden, die Waldstücke abholzten und zu Geld machten. Auf den Wegen zogen Händler, lauerten Mörder.

Graphic Novels und ihre realen Orte - Teil 1 "Die Judenbuche"

WDR 3 Mosaik | 09.08.2017 | 06:52 Min.

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Leo Leowald zeichnet Onlineserie "Zwarwald"

Leo Leowald etablierte sich in der Comicszene mit Vier-Panel-Strips im Internet. Unter dem Kunstwort "Zwarwald" setzt er seit 2004 neue Folgen ins Netz, früher täglich, heute etwas sporadischer. Eine Endlos-Serie, die ganze Bücher füllt. Keine exakten Ränder, die Ecken abgerundet. Gedanken, Dialoge, Kommentare, Lautmalereien. Das Zwarwald-Universum bevölkern unverwechselbare Charaktere mit menschlichem Körper und Schnabelmündern.

In einem Bürohaus am Karolinger Ring in Köln befindet sich das Atelier von Leo Leowald. Hier hortet er seine Fundstücke, Beobachtungen, Gedanken, Gespräche. Inspiration ist auch der Ausblick vom Balkon des Hochhauses. Leo Leowalds Protagonist ist ein Typ, der ohne Linien nicht existieren würde. Linien begründen sein Wesen. Das eigene Leben wird verfremdet, verdichtet, überzeichnet.

Comiczeichner Leo Leowald.

Leo Leowald

"Wie ich zeichne? Ich habe stets ein Skizzenheft bei mir, in dem ich meine Beobachtungen festhalte, damit sie nicht verloren gehen", erklärt Leowald im Gespräch. "Die Illustrationen entstehen am Computer. Ich arbeite fast nur am Laptop; und ich nutze ein inzwischen veraltetes Animations- und Webdesignprogramm, mit dem es sich wunderbar zeichnen lässt."

Graphic Novels und ihre realen Orte - Teil 2 "Zwarwald"

WDR 3 Mosaik | 10.08.2017 | 06:21 Min.

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Die Zeichnung einer Fassade neben einem Foto einer alten Kirche (Montage).

"Gotteskrieger" an der Aa

Der Comic "Gotteskrieger" beruht auf einer wahren Geschichte zur Zeit der Reformation in Münster. Im Zentrum steht der junge Schreiner Heinrich Gresbeck. Historische Augenzeugenberichte dienten Comicautor Alexander Hogh als Quelle.

Der Titel, sagt der Autor, sei mit Bedacht gewählt, um die Parallelen zur Gegenwart zu verdeutlichen. Münster sei nicht Mossul, dennoch sieht Hogh Parallelen zwischen der mittelalterlichen Stadt an der Münsterschen Aa und Iraks zerstörter Sunnitenhochburg am Tigris.

Comiczeichner Lukas Kummer.

Lukas Kummer

Lukas Kummer vergleicht den aktuellen Stadtplan mit seiner Zeichnung, die das mittelalterliche Münster zeigt. Vor 500 Jahren war die Stadt von einem mächtigen Wall umgeben. Jenseits der Befestigung lagerte das Söldnerheer des Landesherrn und Fürstbischofs. In klaren Bildern beschreibt Lukas Kummer den Ikonoklasmus. In die Szenerie montiert er Motive aktueller Bilderstürme des "Islamischen Staates", Fotos aus Palmyra zum Beispiel.

Graphic Novels und ihre realen Orte - Teil 3 "Gotteskrieger"

WDR 3 Mosaik | 11.08.2017 | 06:07 Min.

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Stand: 08.08.2017, 13:47