Blicke ins Ruhrgebiet

"Rückkehr eines Lokalreporters" von Werner Strelitz, "Karlchen" von Thomas Matiszik, Cover

WDR 4 Bücher

Blicke ins Ruhrgebiet

Von Stefan Keim

Romane aus dem Ruhrgebiet sind oft derb, witzig und bodenständig. Das passt zur Region. Aber es gibt ganz andere Seiten des Potts, auch in der Literatur. Das beweisen zwei Bücher, die bei kleinen Verlagen erschienen sind.

Blicke ins Ruhrgebiet

WDR 4 Bücher | 06.12.2016 | 03:22 Min.

Download

"Rückkehr eines Lokalreporters" von Werner Streletz

Nach vielen Jahren kommt Michael in die Kleinstadt zurück, die einmal seine Heimat war. Hier hat er als freier Reporter für die Lokalzeitung gearbeitet und war ständig unterwegs. Michael wohnt in einer etwas abgerockten Wohnung, die ihm ein Freund zur Verfügung stellt. Er geht durch die Stadt und die Erinnerungen drängen sich in die Gegenwart.

"Rückkehr eines Lokalreporters" von Werner Strelitz, Cover

"Rückkehr eines Lokalreporters" ist kein Roman, der eine vordergründige Spannung aufbaut. Dennoch macht es große Freude, den Gedanken Michaels zu folgen. An seine Frau Roswitha, die anscheinend gestorben ist. Und an eine Zeit, in der man noch Artikel in den Postkasten der Redaktion einwarf und die Duschen im Hallenbad gegenüber benutzte. Weil die eigene Wohnung keine hatte.

Die Spannungsbögen schälen sich langsam heraus. Warum ist Roswitha gestorben? Und welche Rolle spielt ein seltsamer Maler, der immer mehr in Michaels Leben drängt? Da bekommt das Buch manchmal Züge eines sanften Gruselromans. Welche Kleinstadt Werner Streletz beschreibt, bleibt unklar. Es könnten viele sein und man sieht schnell die eigene Heimat vor sich, gerade wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt. Ein leises, feines Buch über eine ganz eigene Art, die Welt wahrzunehmen.

Rückkehr eines Lokalreporters
Autor: Werner Streletz
Projektverlag
261 Seiten
13,80 Euro

"Karlchen" von Thomas Matiszik

Gegensätzlicher können Bücher kaum sein. "Karlchen" ist ein rasanter Thriller. In seinem ersten Buch treibt der in Recklinghausen geborene Thomas Matiszik die Handlung wild voran, die Kapitel sind kurz, nie reißt die Spannung ab.

"Karlchen" von Thomas Matiszik, Cover

Eigentlich würde man einem Fan der BeeGees keine brutalen Morde zutrauen. Karlchen allerdings tötet, was er liebt. Schon als Kind brodelte in ihm eine Neigung zur Gewalt. Eine Therapie konnte sie kurz unter Kontrolle bringen, nun bricht sie wieder aus.

Und der – auch aufgrund einer Krankheit – dauerverkaterte Kommissar Peer Modrich, seine Kollegin Guddi und Karlchens Schwester nehmen die Ermittlungen auf.

"Karlchen" ist kein Buch für zarte Gemüter, sondern derbe, deftige Krimiunterhaltung. Die Geschichte spielt zu einem großen Teil im Ruhrgebiet, für Klischees allerdings ist kein Platz. Der Kommissar erinnert manchmal an den legendären Horst Schimanski. Ihm ist nichts Fieses fremd und er hat Herz und Humor.

Thomas Matiszik, der sonst als Musikjournalist und Konzertagent in Bochum arbeitet, hat einen packenden, kantigen Krimi-Erstlingsroman geschrieben.

Karlchen
Autor: Thomas Matiszik
OCM Verlag
242 Seiten
11,90 Euro

Stand: 06.12.2016, 00:00