Bill Clegg - Fast eine Familie

Das Cover Bill Clegg - "Fast eine Familie", im Hintergrund ein brennendes Haus

WDR 2 Lesen

Bill Clegg - Fast eine Familie

Von Christine Westermann

Die Tochter von June heiratet und die zerstrittene Familie kommt in Junes Haus zusammen. Das brennt ab und nur June überlebt. Klingt nach einem Krimi, ist aber keiner, sagt Christine Westermann über den spannenden Roman.

Die Handlung

Die Handlung spielt in einem Provinznest irgendwo in den USA. Die Familienverhältnisse von June Reid sind schwierig, sie hat einen Lover, den sie sehr mag, zu dem sie aber nicht richtig stehen kann, weil sie fürchtet, dass ihre erwachsene Tochter ihn ablehnt. Überhaupt gibt es eine Menge Ärger und Vorbehalte unter den Familienmitgliedern und Freunden, die zusammenkommen, um sich auf den großen Tag vorzubereiten: Junes Tochter heiratet. Am Vorabend der Trauung geht es hektisch zu, es gibt Streit, mühsam wird gekittet.

Am frühen Morgen des Hochzeitstages dann die Katastrophe: In Junes Haus bricht ein Feuer aus, das die ganze Familie in den Tod reißt. June ist die Einzige, die überlebt. Panisch und verzweifelt setzt sie sich in ihr Auto, fährt quer durchs Land und mietet sich unter falschem Namen in einem Motel an der Westküste ein. In der Hoffnung, niemand möge je nach ihr suchen. Derweil überschlagen sich in der kleinen Stadt die Gerüchte. Wie konnte das passieren? Und vor allem: warum?

Die Bewertung

Christine Westermann vor einem Bücherregal

Christine Westermann

Hört sich fast wie ein Krimi an, ist dennoch keiner. Spannend ist dieser Roman aber ganz sicher. Was daran liegt, dass mindestens zehn Menschen jeweils aus ihrer Perspektive erzählen. Das ist nicht verwirrend, man muss beim Lesen nur ein bisschen aufpassen, dass man den Faden nicht verliert. Am Ende fügen sich die vielen Einzelteile zu einem großen Bild zusammen. Man versteht, welche unheilvolle Verkettung die große Familientragödie ausgelöst hat.

Das ist richtig gut gemacht, weil es eine ganze Weile dauert, bis man die Zusammenhänge versteht. Genau das aber macht auch den Reiz dieses Buches aus. Denn am Schluss war es doch ganz anders als der Beginn des Buches nahelegte. Die Geschichte endet mit einem Lichtstreif am Horizont. Was vielleicht daran liegt, dass der Autor auch Literaturagent ist, also einer, der ahnt, was Leser wollen.

Der Autor

Bill Clegg stand mit seinem Debütroman gleich nach Erscheinen auf der Bestsellerliste, bekam die Nominierung für die wichtigsten amerikanischen Buchpreise: den Man-Booker-Preis und den National-Book-Award.

Bill Clegg - Fast eine Familie

WDR 2 | 14.05.2017 | 04:14 Min.

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Bill Clegg
Fast eine Familie
S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-10-002399-5
Preis: 22 Euro