Haus Mödrath: vom Herrenhaus zum Kunstort

Haus Mödrath: vom Herrenhaus zum Kunstort

Von Claudia Dichter

Herrenhaus, Wöchnerinnenhaus, Kinderheim: Das Haus Mödrath bei Kerpen hat eine lange Geschichte. Am Sonntag (23.04.2017) fängt ein neues Kapitel an. Nach langem Leerstand hat der neue, anonyme Besitzer daraus einen Begegnungsort für zeitgenössische Kunst gemacht.

Haus Mödrath

Schon die Geschichte von Haus Mödrath ist außergewöhnlich: Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich der damalige Besitzer der ortsansässigen Mühle ein stattliches Herrenhaus samt umliegendem Park gebaut. 20 Jahre später hat der Kreis Bergheim im einstigen Wohnhaus ein Wöchnerinnenheim eingerichtet. 1928 kommt hier Karlheinz Stockhausen zur Welt, späterer Pionier der elektronischen Musik. In den 1930er Jahren richteten die Nazis im Haus ein Schulungsheim ein, nach dem Krieg kamen Flüchtlingsfamilien, dann wurde die so genannte Burg Mödrath ein Kinderheim, das 1960 schloss.

Schon die Geschichte von Haus Mödrath ist außergewöhnlich: Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich der damalige Besitzer der ortsansässigen Mühle ein stattliches Herrenhaus samt umliegendem Park gebaut. 20 Jahre später hat der Kreis Bergheim im einstigen Wohnhaus ein Wöchnerinnenheim eingerichtet. 1928 kommt hier Karlheinz Stockhausen zur Welt, späterer Pionier der elektronischen Musik. In den 1930er Jahren richteten die Nazis im Haus ein Schulungsheim ein, nach dem Krieg kamen Flüchtlingsfamilien, dann wurde die so genannte Burg Mödrath ein Kinderheim, das 1960 schloss.

Seit 2014 gehört Haus Mödrath einem Unbekannten. Er ist es, der ein neues Kapitel in dem ehemaligen Herrenhaus einläuten will: Er hat es vom Keller bis zum Dachstuhl sanieren lassen und aus dem Haus einen Ort für zeitgenössische Kunst, Musik und Kultur gemacht. Eine Stiftung wird das Kunsthaus betreiben, die Finanzierung läuft privat. (Katja Novitskova: Pattern of Activation (sea lion), 2015)

Für die erste Ausstellung hat der anonyme Eigentümer den Kurator Veit Loers verpflichtet, einen erfahrenen Museumsmann, der unter anderem Direktor des Museums Abteiberg in Mönchengladbach war. 28 Werke von Künstlerinnen und Künstlern hat Loers ausgewählt. Titel der Schau: "Aftermieter", ein altertümlicher Begriff für Mieter auf Zeit. "Natürlich ist mir das Thema Natur und Kunst, Natur und Haus ziemlich schnell eingefallen. Ich bin dann allmählich reingewachsen, das Haus hat mich in Beschlag genommen", sagt Loers. (Franz West: Kain naht Abel, 2009)

Loers hat allerlei Kreatürliches nach Haus Mödrath geholt: Tiere, Mischwesen, menschliche Figuren. Das erste Wesen, dem der Besucher im Erdgeschoss begegnet, ist ein Avatar. Eine digitale Schöpfung des britischen Künstlers Ed Atkins, der in seinen Arbeiten oftmals die Untiefen unserer digitalen Welt untersucht. (Ed Atkins: Hisser, 2015)

Das Doppelbödige, Uneindeutige und Abgründige zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung. Im Obergeschoss ist ein Fenster geöffnet, aber der Ausblick ist zugemauert. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Ziegel aber nicht als festes Mauerwerk, sondern als aus Körnern gepresst und mit Blütenpaste verfugt. Ein vergängliches Kunstwerk von Björn Braun, Futterstelle für die Vögel im umliegenden Park. (Björn Braun: Ohne Titel, 2017)

Das Treppenhaus bespielt Mary-Audrey Ramirez. Die Künstlerin hat eine ganz neue Arbeit für Haus Mödrath entwickelt. "Die erste Idee war so ein Tornado, der alle Tiere von Überall mitsammelt", so die gebürtige Luxemburgerin, die in Berlin lebt. Sechs Meter hoch ragt ihre sich verjüngende Pyramide aus zwölf selbst genähten Tieren und Kissen in die Höhe. Ein Wildschwein, ein Flamingo, ein Erdferkel, ein Grashüpfer sind zu erkennen, ganz oben auf dem kleinsten Kissen hockt ein Nacktmull, ein Höhlenwesen aus Ostafrika. (Mary-Audrey Ramirez: Rose & Jack, kill me plz, 2017)

Zum Haus Mödrath gehört ein rund 7,5 Hektar großer Park, durch den ein Erftarm fließt. Auch der Park ist umgestaltet und durchforstet worden. In ihm steht ein gläserner pinker Pavillon, in dem sich eine alptraumhafte Szene abspielt: Eine Figur liegt in einem weißen Bett, auf ihr hockt ein Wesen mit leuchtenden Augen. Es ist die Arbeit des indischen Künstlers Acai Kurian: "God's Wisdom" (2016).

Haus Mödrath eröffnet nicht mit gefälliger Kunstmarktkunst, sondern mit eigenwilligen, widerständigen Positionen, die das ehemalige Herrenhaus unter Spannung setzen. (Eric Bainbridge: Dark Style Swan, 1985)

Am 23. April eröffnet Haus Mödrath mit der Ausstellung "Aftermieter". Bis zum 29. April ist das Haus zunächst täglich von 12-18 Uhr geöffnet, danach am Wochenende von 12-18 Uhr. Die Ausstellung läuft bis November 2018.

Stand: 21.04.2017, 11:00 Uhr