Deutlich mehr Straftaten von Nordafrikanern

Flüchtlinge

Deutlich mehr Straftaten von Nordafrikanern

Von Rainer Kellers

  • Die Zahl der Straftaten von Algeriern und Marokkanern ist drastisch angestiegen
  • Jeder dritte Asylbewerber aus den beiden nordafrikanischen Ländern ist einer Straftat verdächtig
  • BKA-Bericht: Mehrheit der Flüchtlinge begeht keine Straftaten

Die Straftaten nordafrikanischer Zuwanderer haben in Nordrhein-Westfalen drastisch zugenommen. Zwischen 2013 und 2015 hat sich die Zahl der Delikte bei algerischen Tatverdächtigen von knapp 2.200 auf über 13.200 versechsfacht. Die Zahl der Straftaten von Marokkanern ist im selben Zeitraum von gut 9.400 auf über 14.700 gestiegen - ein Zuwachs um mehr als die Hälfte. Diese Zahlen gehen aus einem Lagebericht zur Kriminalität von Asylbewerbern aus Nordafrika hervor. Das Papier wird am Donnerstag (18.02.2016) im Innenausschuss vorgestellt, es liegt dem WDR vor. Am Dienstag (16.02.2016) hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) verkündet, dass NRW ab sofort keine Asylbewerber aus Marokko mehr zugeteilt werden.

Nur relativ wenige Sexualdelikte

Probleme machen den Behörden vor allem allein reisende junge Männer in den großen Städten. Sie werden überproportional häufig kriminell. Von 100 Marokkanern in den Flüchtlingsunterkünften des Landes werden im Durchschnitt 33,6 Prozent, von 100 Algeriern 38,6 Prozent straffällig. Das ist jeweils mehr als ein Drittel der Asylbewerber aus diesen Ländern. Die häufigsten Taten sind Eigentumsdelikte, gefolgt von Gewaltdelikten und Drogenhandel. Sexualdelikte fallen hingegen mit 18 Fällen im Jahr 2015 kaum ins Gewicht.

Geringe Anerkennungsquote und lange Bearbeitungszeiten

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger spricht während einer Pressekonferenz in Düsseldorf

Insgesamt haben im vergangenen Jahr 6.444 Marokkaner und 6.790 Algerier einen Asylantrag in NRW gestellt. Die meisten davon kamen im vierten Quartal, als sich die allgemeine Flüchtlingskrise in Deutschland zuspitzte. Die Anerkennungsquote von Asylbewerbern aus diesen Ländern ist mit 2,5 Prozent (Marokko) und 1,9 Prozent (Algerien) gering. Wegen der langen Bearbeitungszeiten und Problemen bei der Ausweisung dauert es zum Teil jahrelang, bis abgelehnte Asylbewerber das Land verlassen. Minister Jäger hat versprochen, die Verfahren deutlich zu beschleunigen. Die FDP allerdings wertet den Bericht als "Offenbarungseid" für Jäger. Er habe die Warnungen vor kriminellen jungen Männern aus Nordafrika jahrelang ignoriert.

Lagebericht des BKA zu Flüchtlings-Kriminalität

Die Zahlen von kriminellen Nordafrikaner sind keineswegs repräsentativ für alle Flüchtlinge. Das geht unter anderem aus einem deutschlandweiten Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor. Das bereits dritte Lagebild speziell zur Kriminalität von Zugewanderten liegt dem WDR in Auszügen vor. Er bezieht sich auf das Jahr 2015. Aufgeführt sind Straftaten von und gegen Asylbewerber, Flüchtlinge und Geduldete. Nordrhein-Westfalen allerdings hat keine Daten zu diesem Lagebild zugeliefert. Denn hierzulande werden erst seit Januar 2016 Straftaten unter der einheitlichen Kategorie "im Kontext von Zuwanderung" erfasst. Die Erkenntnisse des BKA ließen sich aber auf NRW übertragen, sagte ein Sprecher von NRW-Innenminister Ralf Jäger. Und das sind die Hauptergebnisse:

  • Die weit überwiegende Mehrheit der Zuwanderer begeht keine Straftaten.
  • Tatverdächtige aus Syrien, Afghanistan und Irak waren bei Straftaten im Vergleich zu ihrer Anzahl unterrepräsentiert.
  • Überrepräsentiert waren hingegen Tatverdächtige aus den Westbalkanstaaten. Nicht genannt werden an dieser Stelle Tatverdächtige aus den Mahgrebstaaten. Die Erklärung dafür: 80 Prozent der Asylbewerber aus diesen Staaten sind in NRW untergebracht - das, wie gesagt, keine Daten zum Lagebild beigetragen hat.
  • Laut "Bild-Zeitung" sind 2015 rund 208.000 Straftaten im Kontext von Zuwanderern aufgeklärt worden. 65 Prozent der Fälle waren Eigentums-, Fälschungs- und Vermögensdelikte, darunter sehr viele Fälle von Schwarzfahrten. 18 Prozent der Fälle sind so genannte Rohheitsdelikte. Das sind zum Beispiel Raub und Körperverletzung. Die Zahl der Rohheitsdelikte ist mit dem Zustrom von Asylbewerbern stark gestiegen - vor allem in den Flüchtlingsunterkünften selbst.
  • 28 Tötungsdelikte wurden von Asylbewerbern begangen. 27 Opfer waren andere Asylbewerber, ein Opfer war Deutscher. In zwei Dritteln aller Fälle von "Straftaten gegen das Leben" hatten Täter und Opfer dieselbe Staatsangehörigkeit.
  • Der Anteil von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung liegt bei unter einem Prozent. Die Vorfälle an Silvester in Köln sind im Bericht allerdings nicht enthalten.
  • Die Behörden gehen davon aus, dass mit dem Flüchtlingsstrom vereinzelt auch Terroristen nach Europa einreisen. Bekannt sind laut BKA derzeit "eine geringe einstellige Anzahl" von Hinweisen. In NRW sind laut Innenministerium zwei Fälle von mutmaßlichen Terroristen bekannt, die sich als Flüchtlinge getarnt haben. Der eine war der in Paris erschossene Attentäter aus einer Unterkunft in Recklinghausen. Der andere ist ein Anfang Februar in Attendorn festgenommener mutmaßlicher Kämpfer der Terrormiliz IS.

Stand: 17.02.2016, 19:12