Bergbauingenieur wegen Bestechlichkeit verurteilt

Korruption beim Bau von Atommüll-Lager

Bergbauingenieur wegen Bestechlichkeit verurteilt

Im Prozess um Korruption beim Bau des Atommüll-Endlagers Schacht Konrad in Salzgitter ist am Diensatg (28.07.2015) das Urteil gefallen. Ein Bergbauingenieur wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Für die Vergabe lukrativer Aufträge soll er Bestechungsgelder kassiert haben.

Ein Bergbauingenieur aus Oberhausen ist wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Bei der Planung des Atommüll-Endlagers Schacht Konrad in Salzgitter hatte er Firmen begünstigt und dafür mehr als 600.000 Euro Schmiergeld kassiert.

Der 53-jährige ist ein hochqualifizierter Bergbauexperte mit Doktortitel. Seit den 1990er Jahren arbeitet er für führende deutsche Bergbaufirmen, auf seiner Homepage sind die Projekte nachzulesen, an denen er in den vergangenen Jahren beteiligt war. Darunter auch dieses: "Technische Beratung der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe mbH in Peine bei der Errichtung des Endlagerbergwerks für radioaktive Abfälle Konrad". Dabei ging aber nicht alles mit rechten Dingen zu.

Schmiergelder verlangt

Seit 2009 war der Ingenieur aus dem Ruhrgebiet an der Planung des Endlagers Schacht Konrad beteiligt. Mit Milliardenaufwand soll dort in den kommenden Jahren aus einem ehemaligen Eisenerzbergwerk ein unterirdisches Lager für Atommüll werden. Der Angeklagte hatte als freier Mitarbeiter mit den Ausschreibungen und der Auftragsvergabe für zahlreiche Arbeiten unter Tage zu tun. Dabei ging es um Aufträge für weit über 100 Millionen Euro. Seine Schlüsselposition soll der 53-Jährige genutzt haben, um von mehreren Firmen Schmiergelder zu verlangen. Vor Gericht hat der Angeklagte sich stundenlang zu der Angelegenheit geäußert und dabei auch ein Geständnis abgelegt. Er hatte fast 630.000 Euro kassiert, den Großteil von einer Mülheimer Bergbaufirma. Er legte den beteiligten Firmen nahe, sich bei ihren Angeboten abzusprechen. Dann sorgte er dafür, dass die von ihm bevorzugten Unternehmen auch die Aufträge bekamen.

Kartellamt verhängt Bußgelder

Anfang 2013 flogen die Absprachen auf, der Ingenieur kam vorübergehend in Untersuchungshaft, wurde aber nach wenigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Bundeskartellamt ermittelte danach gegen sämtliche an den Ausschreibungen beteiligte Unternehmen. Fünf Firmen mussten Bußgelder in Millionenhöhe bezahlen. Nur die Mülheimer Firma, die das höchste Schmiergeld gezahlt hatte, kam als "Kronzeuge" ohne Bußgeld davon.

Stand: 28.07.2015, 17:20