Jecke Aufklärungsteams und viel Polizei

Polizisten gehen im Karneval durch eine Straße

Sicherheitspläne für den Bonner Karneval

Jecke Aufklärungsteams und viel Polizei

Von Jörg Sauerwein

Nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht wird der Karneval in diesem Jahr für die Sicherheitskräfte zu einer großen Herausforderung. Deshalb haben sich in Bonn die Spitzen von Polizei, Stadt Bonn, Stadtwerken und Karneval getroffen. Das Ergebnis: Die heiße Phase des Karnevals in diesem Jahr wird anders als in den vergangenen Jahren.

So viele Polizisten wie noch nie sollen den Bonner Straßenkarneval ab Weiberfastnacht zu einer möglichst sicheren Veranstaltung machen. Wie viele das tatsächlich werden, weiß man auch bei der Polizei noch nicht, da die Pläne für die Bereitschaftspolizei des Landes erst kurzfristig gemacht werden. Aber Bonns Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa verspricht: "Wir werden alles an Präsenz auf die Straße bringen, was möglich ist." Denn die Jecken sollen sich sicher fühlen und entspannt feiern können.

Aufklärung in Sachen Karneval

Aber schon im Vorfeld ist einiges los. Missverständnisse rechtzeitig aus dem Weg räumen, lautet die Devise der Verantwortlichen. Deshalb will die Stadt Bonn Mitarbeiter gemeinsam mit Karnevalisten in die insgesamt 19 verschiedenen Flüchtlingsunterkünfte schicken. Sie sollen jecke Aufklärungsarbeit leisten. Denn schon innerhalb Deutschlands gibt es Regionen, in denen man mit Karneval wenig am Hut hat. Woher sollen dann zum Beispiel Syrer wissen, was da plötzlich auf den Straßen los ist?

Passanten am Kölner Hauptbahnhof

Die Ereignisse von Silvester sollen sich nicht wiederholen

Was bedeutet das Brauchtum Karneval den Menschen hier in der Region? Wie wird gefeiert, was ist erlaubt und was nicht? Solche und viele weitere Fragen werden die Aufklärungsteams in den Flüchtlingsunterkünften beantworten. Die zentrale Botschaft soll lauten: "Wir feiern Karneval", heißt es von der Stadt. Danach folgt dann aber die Ergänzung: "Wir versuchen auch dafür zu sorgen, dass es zu möglichst wenigen Ausschreitungen kommt." Denn kaum jemand rechnet damit, dass sich Geschehnisse ähnlich der Kölner Silvesternacht in Bonn wiederholen können. Aber auch Zwischenfälle in kleinerem Umfang wollen die Verantwortlichen möglichst verhindern.

"Kommunikationsteams" für Weiberfastnacht

Auch an Weiberfastnacht wird man bei genauem Hinsehen merken können, dass es kein Karneval wie jedes Jahr ist. Denn erstmals sollen so genannte Kommunikationsteams in der Stadt unterwegs sein: Jeweils ein Polizist, ein Mitarbeiter der Stadt und ein Vermittler mit arabischen Sprach- und Kulturkenntnissen sollen dafür sorgen, dass es zu wenig Zwischenfällen kommt. Aufklären, deeskalieren, aber im Notfall auch schnell eingreifen, so lautet der Plan.

Internetseiten verschiedener Social Networks

Die Polizei will die sozialen Netzwerke genau beobachten

Vor allem an Weiberfastnacht, wo viel Publikum unterwegs ist, das meint, "die Sau rauslassen zu können", wolle die Polizei rechtzeitig einschreiten, erklärte der Leitende Polizeidirektor Helmut Pfau. Möglicherweise werden erstmals im Bonner Karneval auch mobile Beweissicherungsteams mit Videoüberwachung eingesetzt. Das ist allerdings nur erlaubt, wenn konkrete Straftaten drohen. Eine der Konsequenzen aus den Kölner Geschehnissen lautet außerdem: Die Polizei will die sozialen Netzwerke genauer beobachten. Die Beamten hoffen, im Falle möglicher Verabredungen zu Straftaten, durch die Erkenntnisse aus dem Netz schneller eingreifen zu können.

"Keine Spiele der Ordnungskräfte"

Karnevalisten

Der gemeinsame Spaß soll im Vordergrund stehen

Bei aller Vorsicht wollen die Verantwortlichen aber auch keine "Spiele der Ordnungskräfte", heißt es von der Stadt Bonn. Der Spaß der Karnevalisten soll auch in diesem Jahr im Vordergrund stehen. Polizeipräsidentin Brohl-Sowa wünscht sich, dass das Motto gilt: "Miteinander feiern, füreinander einstehen", womit sie die Hoffnung verbindet, dass auch jeder Karnevalsjeck mal einen Blick nach rechts und links wirft und bei möglichen Auseinandersetzungen oder Belästigungen im Zweifel die Polizei ruft.

Das wünscht sich auch Ina Harder, die angesichts aller Vorsichtsmaßnahmen optimistisch ist, dass sie als Beueler Obermöhn eine friedliche Weiberfastnacht mit der Erstürmung des Beueler Rathauses erleben wird: "Alle Beteiligten haben sich intensiv mit dem Thema Sicherheit befasst. Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass einem wunderschönen Fastelovend nichts im Wege steht."

Stand: 18.01.2016, 19:05

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