Verletzte werden in Druckkammer therapiert

Ein Heizstrahler, aus dem Kohlenstoffmonoxid austrat

Verletzte werden in Druckkammer therapiert

  • Kohlenmonoxid-Unfall bei Firmenfeier
  • Insgesamt 21 Vergiftete; 12 davon wurden nach Aachen zur Behandlung in eine spezielle Druckkammer gebracht
  • Aachen ist der einzige Standort in NRW, an dem so eine Behandlung rund um die Uhr möglich ist

Es war der gasbetriebene fest installierte Deckenheizlüfter, der eine Firmenfeier der Malteser in Wuppertal am Samstagabend (20.02.2016) jäh beendete.

Ursache noch nicht bekannt

Aus bisher ungeklärter Ursache war dort laut Polizeiangaben Kohlenmonoxid ausgetreten. 21 Gäste erlitten daraufhin unterschiedlich starke Vergiftungen. Während neun Patienten von der Feuerwehr in Wuppertaler Krankenhäuser gebracht wurden, mussten 12 weitere Patienten in das Aachener Zentrum für hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) und Tauchmedizin transportiert werden.

Therapie in der Druckkammer

Druckkammer Aachen

Druckkammer im Aachener HBO-Zentrum

Der Grund: Dort steht eine spezielle Druckkammer, in der solche Vergiftungspatienten behandelt werden können. Die Kammer sieht aus wie eine Mischung aus U-Boot und Flugzeugkabine. In dem sieben Meter langen Zylinder atmen die Patienten über Schläuche und eine Gesichtsmaske Sauerstoff ein. Gleichzeitig herrscht in der Kammer ein Überdruck. Gemeinsam sorgt das dafür, die Menge an Kohlenstoffmonoxid im Körper zu reduzieren. Die Experten in Aachen haben damit viel Erfahrung, denn Patienten aus ganz NRW werden regelmäßig mit Kohlenmonoxidvergiftungen in die Spezialklinik eingeliefert.

Zu wenig Druckkammern?

Zwar gibt es auch in Düsseldorf und Münster Druckkammern, doch dort ist keine 24-Stunden Notversorgung möglich. Und das kann durchaus problematisch werden: Erst Ende Januar erlitt in Wuppertal eine Frau eine Kohlenmonoxidvergiftung - und musste dann bis nach Wiesbaden transportiert werden, weil in Aachen kein Platz mehr war. Der Weg nach Wiesbaden ist mit 220 Kilometern fast doppelt so weit. Braucht es also mehr dieser Druckkammern in NRW?

Oder zu wenig Fälle?


Das Problem ist die Anzahl der Fälle, denn die ist gering. Innerhalb eines Jahres gab es in NRW lediglich 142 Gasvergiftungen. Und nur 35 davon wurden in HBO-Kammern behandelt. Dem gegenüber stehen die hohen Kosten: Zwei Millionen Euro kostet die Anschaffung, 100.000 Euro kommen pro Jahr an Wartungskosten obendrauf. Trotzdem würde das Gesundheitsministerium NRW gerne eine zweite 24-Stunden Druckkammer im Land sehen - wenn sich denn ein Betreiber finden würde, der die Kosten übernimmt.

Im Gebäude hinter diesem Garagentor war der CO-Unfall

In dieser Halle trat das Gas aus, hier darf erstmal nur noch Polizei rein

Doch bevor es überhaupt in die Druckkammer geht, muss die Vergiftung erstmal erkannt werden. Die Symptome - unter anderem Kopfschmerzen, Krämpfe und Bewusstlosigkeit - sind alles andere als eindeutig. In Wuppertal tragen die Nothelfer deswegen Sensoren bei sich, die bei einer erhöhten Kohlenstoffmonoxidkonzentration Alarm schlagen. So auch am Samstag beim Fest der Malteser. Die schnelle Hilfe ist mit ein Grund, warum sich die Betroffenen schon wieder am dem Weg der Besserung befinden.

Stand: 22.02.2016, 19:37