Raser vom Kölner Auenweg vor Gericht

Raser vom Kölner Auenweg vor Gericht

Wieder stehen zwei Männer wegen eines illegalen Autorennens vor Gericht. Und wieder geht es um den Tod eines unbeteiligten Menschen. Den nun in Köln Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft. Vor fünf Wochen waren zwei Raser mit Bewährungsstrafen davongekommen.

Zehn Monate nach dem Tod einer Radfahrerin bei einem mutmaßlichen illegalen Autorennen hat am Mittwoch (17.02.2016) vor dem Kölner Landgericht der Prozess gegen zwei Raser begonnen. Die 22 und 23 Jahre alten Männer sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Sie sollen sich im April 2015 auf dem Kölner Auenweg ein Rennen geliefert haben. Laut Anklage hatte einer der Angeklagten bei einer Geschwindigkeit von 96 Stundenkilometern die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Er kam demnach von der Straße ab und erfasste die 19 Jahre alte Radfahrerin. Trotz Helms erlitt sie schwere Kopf- und innere Verletzungen und starb drei Tage später im Krankenhaus. Der Prozessbeginn am Mittwoch verzögerte sich zunächst um einige Zeit - einer der Schöffen war nicht rechtzeitig bei Gericht erschienen.

Der Verteidiger des 23-jährigen Angeklagten verlas an ersten Verhandlungstag eine Erklärung: Ja, sein Mandant sei viel zu schnell gefahren und habe den Unfall verursacht: "Es tut mir unendlich leid, dass durch mein Verhalten ein Mensch gestorben ist." Aber zu einem Rennen hätten die beiden jungen Männer sich nicht verabredet. Das betont auch der zweite Angeklagte, der durch seinen Anwalt vortragen ließ: "Ich trage keine strafrechtliche Verantwortung, fühle mich aber moralisch mitschuldig."

Landgericht kann höhere Strafen verhängen

Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren um die getötete Radfahrerin "wegen seiner besonderen Bedeutung" vor dem Landgericht angeklagt. Dieses wollte den Prozess an das Amtsgericht delegieren - auf die Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin machte das Oberlandesgericht (OLG) Köln diese Entscheidung jedoch rückgängig. Vom Landgericht können die Angeklagten bis zu fünf Jahren Haft bekommen, vom Amtsgericht auch im Fall fahrlässiger Tötung maximal vier Jahre.

Jugendstrafen auf Bewährung für zwei andere Raser

Der Fall, der vor dem Kölner Landgericht verhandelt wird, hatte in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt, zumal es nicht der erste tödliche Unfall dieser Art in Köln war: Bereits wenige Wochen zuvor war Ende März 2015 ein Unbeteiligter Opfer eines illegalen Rennens geworden. Dabei hatte einer der Teilnehmer eine rote Ampel überfahren und ein Taxi gerammt. Ein darin sitzender Fahrgast kam ums Leben. Im Januar 2016 verurteilte das Kölner Amtsgericht die beiden 20 Jahre alten Raser zu Jugendstrafen auf Bewährung.

In einem weiteren Fall ist ein Raser wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das Auto des 26-Jährigen schleuderte im Juli 2015 gegen einen Radfahrer, der an seinen schweren Verletzungen starb. Der anfängliche Verdacht der Ermittler, dass auch hier ein illegales Rennen vorausgegangen sein könnte, bestätigte sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber nicht: Das Verfahren gegen einen zweiten Fahrer wurde eingestellt.

Stand: 17.02.2016, 21:51