Zahl der Anzeigen steigt weiter auf 516

Polizisten stehen in Köln vor dem Hauptbahnhof

Nach Übergriffen in Köln

Zahl der Anzeigen steigt weiter auf 516

  • Eine Woche nach den Silvester-Übergriffen steigt Zahl der Anzeigen auf 516
  • 40 Prozent wegen Sexualdelikten
  • Parteien wollen schärfere Gesetze

Eine Woche nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof, bei der es zu Dutzenden von sexuellen Übergriffen und Diebstählen kam, ist die Zahl der Anzeigen am Sonntag (10.01.2016) auf 516 weiter gestiegen. Am Vortag waren es noch 379 Anzeigen, vor allem wegen Diebstahls. Bei 40 Prozent gehe es um Sexualstraftaten.

Die Ermittlungsgruppe sei auf über 100 Kriminalbeamte aufgestockt worden. Die Ermittlungen der Polizei konzentrierten sich nach eigenen Angaben vor allem auf Männer aus nordafrikanischen Ländern. Dabei handele es sich größtenteils um Asylsuchende oder Personen, die sich illegal in Deutschland aufhielten. Konkret ermittelt wird gegen 20 Personen. Darunter ist ein 19-Jähriger aus Marokko, der in Gütersloh festgenommen und mit einem Handy in Verbindung gebracht wurde, das in der Silvesternacht einer 23-Jährigen gestohlen wurde. Er soll mehrfach vorbestraft sein, so die Kölner Polizei.

Sprunghafter Anstieg durch bessere Bearbeitung

Den sprunghaften Anstieg der Anzeigen führt die Kölner Polizei auf zwei Dinge zurück. Zum einen würden viele Anzeigen jetzt im Nachhinein gemeldet, zum anderen sei durch die personelle Aufstockung die Bearbeitung schneller möglich. Momentan kämen täglich Anzeigen hinzu, die Menschen von außerhalb ihrer Heimatbehörde melden würden, sagte eine Sprecherin der Kölner Polizei dem WDR am Sonntag.

In einer Sondersitzung wird sich der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags am Montag (11.01.2016) um 10 Uhr mit den Übergriffen in Köln beschäftigen. Innenminister Ralf Jäger will einen Bericht zum Ablauf des Polizeieinsatzes vorstellen.

Suche nach Auswegen

Der CDU-NRW-Landesvorsitzende Armin Laschet

Will mehr Polizei vor Ort: Armin Laschet

Politiker haben am Wochenende (09.01./10.01.2016) mit der Suche nach Auswegen begonnen und Vorschläge gemacht, wie solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können. Ernst Walter, Vize-Chef der Polizeigewerkschaft, hatte beklagt, viele Bundespolizisten seien wegen der Flüchtlingskrise nach Bayern abkommandiert worden und hätten in der Silvesternacht gefehlt. Die Opposition reagierte mit der Forderung nach neuen Konzepten: FDP-Chef Lindner will einen Polizeibeauftragten des Parlaments, eine schnelle Eingreiftruppe von Bundes- und Landespolizei und Körperkameras für Polizisten. Auch der nordrheinwestfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet will eine Neuausrichtung: Die Kräfte sollten auf besonders kriminalitätsgefährdete Orte konzentriert werden. "Da muss man mal eine Zeitlang alle Blitzer-Marathons lassen." Mehr Personal forderten beide nicht.

Das Strafrecht wird deutlich verschärft

Gleichzeitig wird das Strafrecht unter die Lupe genommen - von allen Parteien. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will das Strafgesetzbuch reformieren, damit das "Nein" einer Frau als Grenze akzeptiert wird. Unterstützung bekommt er von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) und den Grünen. Auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte, wenn unter den Straftätern auch Asylbewerber seien, dann sollten die auch abgeschoben werden. Sollte es noch Veränderungsbedarf bei den Gesetzen geben, werde sich die NRW-SPD einer sachlichen Diskussion nicht verweigern. Die CDU-Spitze zieht andere Schlüsse: Auf ihrer Klausur in Mainz beschloss sie am Samstag (09.01.2016) die "Mainzer Erklärung", Inhalt: Asylberechtigte, Flüchtlinge und Asylbewerber sollen auch dann ausgewiesen werden, wenn sie wegen einer Straftat zur Bewährung verurteilt werden. Das hatte im Entwurf so noch nicht gestanden.

Stand: 10.01.2016, 16:28